Praxis nah: Laborabzüge – Wie man kein Geld zum Schornstein rausbläst

Ressourcenschonung, Kostenreduktion und Sicherheit

Das Thema Nachhaltigkeit hat in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen. Der Begriff selbst ist dabei sehr alt, bereits 1713 wurde er in einem Werk von Hans Carl von Carlowitz verwendet. [1] Im weitesten Sinn beschreibt er Langfristigkeit, Zukunftsorientierung und auch Ressourcenschonung. Als nachhaltig gelten heute Produkte, für die Ressourcen verantwortungsvoll verwendet wurden, die Kosten sparen und Sicherheit bieten. Ausgehend von den Rohmaterialien, weitergehend mit der Produktion und der Nutzungsphase, bis hin zu der Entsorgung. Die Auswirkungen auf die Umwelt und Wirtschaftlichkeit werden dabei über den gesamten Lebenszyklus betrachtet.
 
Aufstellung der Kosten
 
Besonders bei Laborabzügen gilt es, bei den ökologischen und ökonomischen Effekten auf eine positive Bilanz zu achten. Abzüge entziehen dem Laborraum klimatisierte Luft, deren Aufbereitung energieaufwändig und damit teuer und umweltbelastend ist. Eine Reduktion des Luftverbrauchs ist somit neben der Sicherheit eine der wichtigsten Anforderungen bei der Entwicklung von Laborabzügen. Das Thema Nachhaltigkeit hat darüber hinaus auch eine gesellschaftliche Komponente: Die Verantwortung gegenüber Menschen. Die resultiert in der Kernanforderung von Laborabzügen, der Sicherheit. Abzüge müssen Menschen bei Ihrer täglichen Arbeit im Labor schützen. 
 
Dazu sind in den berufsgenossenschaftlichen Richtlinien und der europäischen Abzugsnorm (EN 14175 Teil 2) drei Schutzziele definiert:
„Abzüge müssen so beschaffen sein, dass durch ihre Bauweise und Luftführung im Betriebszustand
 
Gase, Dämpfe oder Stäube in gefährlicher Konzentration oder Menge aus dem Abzugsinneren nicht in den Laborraum gelangen können,
sich im Abzugsinneren keine gefährliche explosionsfähige Atmosphäre bilden kann und
Versicherte gegen verspritzende gefährliche Stoffe oder umherfliegende Glassplitter geschützt sind.“[2]
 
Zwei Komponenten sind bezüglich des Rückhaltevermögens des Abzugs, beschrieben im ersten Absatz der Abzugsnorm, zu beachten: Die bauliche Ausführung des Abzugs und dessen benötigte Abluftmenge.

Bei festgelegter baulicher Ausführung gilt die Faustformel: Je größer die Abluftmenge, desto besser das Rückhaltevermögen, desto sicherer der Abzug. Damit verhalten sich Wirtschaftlichkeit und Sicherheit umgekehrt proportional zueinander. Höhere Sicherheit wird durch höhere Betriebskosten erreicht. 

 
Möglichkeiten der Einsparung
 
Mit einem empfohlenen Volumenstrom von 275 m3/h pro Meter Abzugsbreite verbraucht ein Niedrigenergieabzug eine gegenüber einem marktüblichen Standardabzug um etwa 30 Prozent reduzierte Abluftmenge. Das spart bis zu 1.000 Euro Betriebskosten pro Jahr. Kernstück ist hier die Strömungstechnik. Sie ermöglicht, den Luftvolumenstrom zu reduzieren und gleichzeitig allen Anforderungen an die Sicherheit gerecht zu werden. 
 
Eine weitere Möglichkeit der Einsparung stellt die Verwendung von Abluftregelsystemen dar, die bei geschlossenem Frontschieber den Abluftstrom reduzieren, ohne die Sicherheit des Abzugs zu gefährden. Der Abluftvolumenstrom wird in Abhängigkeit von der Frontschieberöffnung über eine motorisch angetriebene Stellklappe geregelt. Für jeden Betriebszustand des Abzugs wird dem Laborraum gerade so viel Luft entnommen, wie für den sicheren Betrieb des Abzugs notwendig.
 
Bei geschlossenem Frontschieber lässt sich so der Volumenstrom eines Abzugs um etwa 50 Prozent gegenüber dem geöffneten Zustand reduzieren. Individuell, je nach Laboranforderungen, ist die Entscheidung zu treffen, welches System das geeignete ist – Niedrigenergieabzüge oder Systeme mit Abluftregelung.
 
Fazit
 
Zusammenfassend, wie in der Abzugsnorm im zweiten und dritten Absatz aufgeführt, gilt ein Abzug als sicher, wenn er dem Stand der Technik entspricht, nach bestehenden Normen geprüft wurde und dabei die vorgeschriebenen Grenzwerte mit großen Sicherheitsreserven einhält. Im praktischen Laboreinsatz ist der Abzug immer Teil einer Prozesskette. Deren Sicherheit wird durch viele Parameter bestimmt, die nicht nur durch die Bauart des Abzugs, sondern auch durch dessen Gebrauch beeinflusst werden. Beispiele hierfür sind: Wird die Luftführung des Abzugs durch äußere Einflüsse des Aufstellungsortes gestört? Je größer die Gefährdung durch die im Abzug durchgeführten Prozesse ist, desto wichtiger ist, dass die Luftführung nicht durch vorbeigehende Personen oder Zugluft im Labor beeinflusst wird. Wer arbeitet am Abzug? Ist das Personal ausreichend erfahren, um die anfallenden Arbeiten gefahrlos durchführen zu können? Gibt es Betriebsanweisungen und leben die Mitarbeiter diese im Alltag? Ist die Prozessführung optimal? Sind verwendete Chemikalienmengen auch im Falle einer Havarie unkritisch? Werden beispielsweise brennbare Gefahrstoffe in Glasgefäßen gehandhabt, muss auch im Falle eines Unglücks sichergestellt sein, dass die Bildung einer explosionsfähigen Atmosphäre verhindert wird.
 
Kontakt 
Köttermann GmbH & Co KG 
Uetze/Hänigsen
manuela.sterns@koettermann.com
www.koettermann.com
 
Referenz:
 
[2] Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV): Sicheres Arbeiten in Laboratorien
– Grundlagen und Handlungshilfen. 1. Auflage 12/2008. S. 133
 

 

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