Plausible Messwerte

die zehn wichtigsten Fragen und Antworten

  • Abb.1: Auszug aus der Packungsbeilage WTW-Testsatz C4, CSB für 25-1500 mg/L, Verfahrenskenndaten
  • Abb.2: CSB-Test in Dreifachbestimmung
  • Abb.3: Die Küvettenausrichtung kann anhand des Herstellerlogos leicht erkannt werden, © Hellma GmbH & Co. KG
  • Abb.4: Transmissionskurven von Küvetten aus verschiedenen Glassorten
  • Abb.5: Überbefunde bei quecksilberfreien CSB-Tests

Seit dem Start des Photometrie-Kompendiums haben wir die häufigsten Anfragen zum Thema „Wie erhält man gute Messwerte“ gesammelt und in einer Favoritenliste zusammengetragen. Wichtige Themen sind dabei die „Grenze des Messbaren“ und „Fehlerquellen erkennen“. Die einzelnen Fragen greifen thematisch ineinander. Sie sind deshalb in diese beiden Themenblöcke zusammengefasst und am Beispiel „CSB-Messung“ verdeutlicht:

 

Die Grenze des Messbaren

Ist mein Messwert falsch oder nicht „genau genug“?

Grundsätzlich hat jedes messtechnische Verfahren eine Auflösungsgrenze, sei es eine instrumentelle und/oder eine chemische. Je weiter man bei der Verwendung von Testsätzen für Routineanalysen die Messung am unteren Rand des Messbereichs, also an der Messwertuntergrenze, durchführt, kommt man auch in den Bereich der verfahrenstechnischen Nachweisgrenze.

Diese wirkt sich auf die maximal erreichbare Genauigkeit für den Messwert am unteren Messbereich prozentual gesehen also sehr stark aus. Am oberen Ende ist die prozentuale Auswirkung geringer, allerdings möchte man Messbereichsüberschreitungen vermeiden. Die allgemeine Empfehlung ist deshalb, möglichst immer in der Messbereichsmitte zu messen und ggf. die Messung mit einem geeigneteren Testsatz zu wiederholen.

Ein einfaches CSB-Beispiel verdeutlicht dies. Bei einem CSB-Testsatz mit einem Messbereich von 25-1500 mg/L beträgt die maximale Genauigkeit ± 30 mg/L (s. Abb. 1: Verfahrenskenndaten). Das bedeutet, dass am unteren Messbereichsende der „Fehler“, richtiger die Toleranz, hier sogar etwas höher ist als der untere Messbereichswert selbst. Damit können die Messwerte von zwei parallelen Bestimmungen bereits um 60 mg/L auseinanderliegen, was trotzdem kein Fehler ist, sondern innerhalb der zulässigen Toleranz liegt. Dies zeigt auch, daß die Angabe von Absolutwerten anstelle von prozentualen Angaben der Abweichung  im unteren Messbereich sinnvoller ist.

Für eine Bestimmung, vor allem von gelösten Stoffen wie Nitrit, Nitrat etc., ist meist eine geringere Toleranz gegeben.

Bei diesen schnell umsetzbaren Parametern ist andererseits darauf zu achten, dass die Probe filtriert bzw. adäquat stabilisiert wird, um eine Veränderung der Probe von der Probenahme bis zur Messung zu verhindern. Andernfalls entspricht der Zustand der Probe bei der Bestimmung nicht mehr dem Zustand bei der Probenahme.

Bei Erhalten eines vermeintlich „ungenauen“ Messwertes sollten zunächst immer die Kenndaten des verwendeten Testsatzes betrachtet werden. Sind die Abweichungen zwischen zwei Ergebnissen tatsächlich gravierend und falsch oder liegen sie innerhalb der zulässigen Toleranz für das Testverfahren?

Warum soll ich eine Doppel- oder Dreifachbestimmung machen?

Eine einzige Bestimmung kann Messwerte bringen, die im Rahmen der Toleranz nach oben oder unten abweichen. Es können aber auch sogenannte Ausreißer vorkommen. Grundsätzlich ist eine Einzelbestimmung immer fehleranfällig. Gerade bei Abgaberelevanten Parametern kann dies bei falschen Messwerten am Ende mehr Kosten verursachen als die Kosten bei Einsatz von mehreren Testsätzen für eine Doppel- oder Dreifachbestimmung. Dies läßt sich an unserem Beispiel CSB gut erkennen.

Wenn im Kläranlagen-Auslauf ein großes CSB-relevantes Partikel in eine Testküvette pipettiert wird, kann der Messwert hoch bzw. deutlich höher als der eigentliche Probendurchschnittswert ausfallen. Diesen Ausreißer erkennt man insbesondere mit einer Dreifachbestimmung: Man kann ihn eliminieren, wenn die beiden anderen Bestimmungen einen ähnlichen – und in unserem Beispiel – niedrigere Werte ergeben. Mit einer Doppelbestimmung kann bei ähnlichen Werten innerhalb der Verfahrenstoleranz ein Durchschnittswert gebildet werden. Im Falle einer starken Abweichung der Werte empfiehlt sich eine Wiederholung der Messung, vor allem, wenn man an den Messbereichsgrenzen (siehe oben) misst. Dann ist ein geeigneterer Test zu verwenden. Bringt dieser wieder unerwartete Ergebnisse, muss eine systematische Fehlersuche erfolgen.

Was bringt ein Kontrollstandard?

Mit einem Kontrollstandard erhält man weitere Aussagen über den Messwert. Anstelle der Probe wird hier eine vorgegebene Konzentration des Analyts pipettiert. Diese muss nach ordnungsgemäßer Durchführung des Tests (auch hier mit einer Genauigkeit von ±X mg/L), wiedergefunden werden. Damit hat man die Gewissheit, dass das ganze Messsystem bestehend aus Pipette, Testsatz und Gerät in Ordnung ist und dass auch die Durchführung fehlerfrei vorgenommen wurde.

An dem Beispiel CSB: Wenn ein 80 mg/L CSB-Standard mit einer Genauigkeit von ± 8 mg/L, eingesetzt wird, dann muss der gefundene Messwert zwischen 72 und 88 mg/L liegen. Stimmt dieses Ergebnis nicht, sollte zunächst auf Haltbarkeit des verwendeten Tests und Kontrollstandard (s. Frage B5) geschaut werden.

Wie erhöhe ich die Messwertgenauigkeit?

Neben den o.g. Maßnahmen wie Kontrollstandard und Mehrfachbestimmung sind einige grundsätzliche Maßnahmen nennenswert:

  • Erhöhung der Messwertgenauigkeit durch Nullen des Geräts

Von Bedeutung kann die Photometer-Null sein. Wird z.B. bei Filterphotometern nicht regelmäßig eine Nullung mit entionisiertem Wasser durchgeführt, kann eine leichte Drift des Gerätes bereits erhebliche Abweichungen beim Messwert bringen. Im Fall unseres o.g. CSB-Tests beträgt sie bereits 17 mg/L für jede Abweichung von 0,010 Extinktion (s. Abb. 1, Verfahrenskenndaten-Empfindlichkeit). Auf diese Weise kann sich zu den Toleranzen des Testsatzes der Fehler durch die Extinktion der Nullpunktverschiebung des Photometers addieren, in unserem Fall also zu den +30 mg/L Toleranz weitere 17 mg/L je 0,010 nm gemessene Extinktionen.

  • Erhöhung der Messwertgenauigkeit durch Blindwert und Küvettenausrichtung

In der Regel sind die Reagenzienblindwerte der Testsätze,  also deren Eigenfärbung, mit den Methodendaten gespeichert. Sie sind auf Basis mehrerer Chargen ermittelt. Will man gerade für Messungen im Spurenbereich, wie z.B. Mangan in Trinkwasser oder Nitrit als schnell umgesetzter Stoff, noch genauere Messwerte,  empfiehlt es sich für jede Charge einen jeweils aktuellen Reagenzienblindwert zu bestimmen und zu speichern. Da bei der Produktion Schwankungen innerhalb des zulässigen Toleranzbereichs zu erwarten sind, können diese Schwankungen mit einem jeweils gespeicherten Chargenblindwert eliminiert werden und der Messwert, gerade für geringe Konzentrationen, wird noch genauer.

Zusätzlich sollte gerade bei Tests in Rechteck-Küvetten für die Spurenanalyse die Küvettenausrichtung beachtet werden: Küvetten können nicht 100% homogen produziert werden. Um die Unterschiede zwischen verschiedenen Küvetten und auch innerhalb einer Küvette zu vermeiden, kann sowohl der Blindwert als auch der Messwert in derselben Küvette mit derselben Ausrichtung durchgeführt werden.

Fehler erkennen

Ich bekomme keinen plausiblen Messwert. Warum?

Wenn man nach Überprüfung der Messwerte mit Verfahrenskenndaten und Kontrollstandard feststellt, dass der Messwert nicht plausibel ist, muss man sich auf die Suche im System machen.

  • Probenahme mit Kühlung oder Probenbehandlung wie z.B. Filtration oder Fixierung der Probe ist in Ordnung?
  • Liegt ein Pipettierfehler vor oder eine Verschleppung aus einer anderen Probe durch unsaubere Pipette (siehe Antwort zu Frage B3)?
  • Ist das Gerät einwandfrei => AQS-Geräteprüfung?
  • Liegt der Fehler beim Testsatz: Ist der richtige Messbereich gewählt, ist er abgelaufen, falsch gelagert oder gehandhabt: Überprüfung siehe Kontrollstandard, Frage 3)
  • Befindet sich eine Störung in der Probenmatrix?
  • Die Erfahrung zeigt, dass der Fehler in den seltensten Fällen am Gerät oder des Testsatz selbst liegt. Der Einsatz eines ungeeigneten Testsatzes aber auch einer ungeeigneten Küvette kann manchmal der naheliegendste aller Fehler sein:
  • Im UV-Bereich sind Quarzglas-Küvetten unbedingt erforderlich, mit Glasküvetten erhält man aufgrund der Transmissionseigenschaften keinen Messwert!
  • Im UV-Bereich unter 220 nm sind Einmalküvetten aus Plastik wegen der Transmissionseigenschaften meist ungeeignet.
  • Plastik-Einmalküvetten sollten vor der großflächigen Verwendung immer auf Tauglichkeit für Einsatz und Gerät überprüft werden: Geräte mit automatischer Küvettenerkennung benötigen wegen der Küvettenerkennung meist eine Struktur der seitlichen Flächen für eine ordnungsgemäße Messung. Nicht-Erkennen kann je nach Gerät z.B. zu einer Nullpunktverschiebung und damit Falschmessung führen.

Was ist ein Matrixcheck?

Der Matrix-Check dient zum Auffinden und Ausschluss von Störungen in der Probenmatrix. Er ist auch unter Standard-Additionsverfahren, Stocking oder Aufstockung bekannt. Man untersucht mit dieser Maßnahme, ob die Messergebnisse der Probe durch andere Probeninhaltsstoffe verfälscht werden.

Für den Matrixcheck wird der Probe eine geringe Menge einer bekannten Konzentration des gesuchten Stoffes hinzugefügt: Findet man diesen Wert wieder, so liegt keine Matrixstörung vor. Dann müssen andere mögliche Fehlerursachen wie z.B. Probenkonservierung oder eingesetzte Pipette untersucht werden. Findet man die addierte Stoffmenge hingegen nicht, deutet das meist auf eine Maskierung oder Überlagerung des Analyts durch einen anderen Inhaltsstoff in der Probe hin. Ein Beispiel sind Komplexbildner, die die Analyte „festhalten“. Die zulässige Konzentrationen von Störionen sind in Packungsbeilagen häufig angegeben.

Am Beispiel CSB kann man den Einfluß von Chlorid als Störenfried gut beschreiben. Bei der normgerechten CSB-Bestimmung mit Quecksilbersulfat „fängt“ das Quecksilbersulfat die in der Probe gelösten Chloridionen als wasserlösliches HgCl2 ab und maskiert so das Chlorid. Läßt man jedoch das Quecksilber(-sulfat) bei quecksilberfreien CSB-Tests weg, wird das Chlorid über seine Reaktion mit Dichromat teilweise als CSB miterfasst und führt so zu Überbefunden.

Was ist eine Verschleppung?

Verschleppung bedeutet, daß man Verunreinigungen und Fremdstoffe durch andere Proben oder Reagenzien in das System einbringt und so Fehlmessungen hervorruft: Quellen für diese Verschleppung sind z.B.:

  • Verunreinigte Gefäße und Geräte bei der Probenahme
  • Falsche Grundreinigung mehrfach genutzter Küvetten oder Gefäße (parameterabhängig)
  • Verunreinigtes entionisiertes Wasser zur Verdünnung
  • Pipetten und Pipettenspitzen: Handhabung, Spülen, Lagerung

Eine fehlerhafte Handhabung von Pipetten führt zur Verunreinigung. Wird eine Probe oder ein Reagenz in den Pipettenkonus eingesaugt, werden diese Stoffe in die nächste Probe überführt und können als Störionen wirken und so Messwerte verfälschen. Werden Pipetten falsch gelagert, nämlich mit dem Konus nach oben und ggf. sogar mit benutzter Pipettenspitze, läuft ebenfalls Reagenz oder Probe in die Pipette. Mehrfachnutzung von Pipetten mit verschiedenen Proben ist ebenfalls eine bekannte Fehlerquelle. Für die CSB-Messung sollte die Pipettenspitze zudem in einem gesonderten Gefäß mit etwas Probe gespült werden, um Plastikschnipsel an der Spitze zu entfernen. Entionisiertes Wasser muß fusselfrei und ohne zu lange Standzeiten verwendet werden. Für das Beispiel CSB kann z.B. eine Verunreinigung des entionisierten Verdünnungswasser aus Plastikflaschen mit langer Standzeit eine Fehlerquelle sein: Das Plastik der PE-Flaschen geht als CSB-relevanter Kohlenstoff in das Wasser über, welches zu Überbefunden des CSB-Wertes führt. Entionisiertes Wasser in Glasflaschen vermeidet diese Fehlerquelle.

Testsatz richtig durchgeführt?

Die Analysenvorschriften zeigen den richtigen Ablauf für das Arbeiten mit Testsätzen. Dabei gibt es sowohl robuste oder empfindliche Tests, die stärkere Querempfindlichkeiten aufweisen. So kann ein Umfüllen von einer Ansatzküvette in die Messküvette unerwünschte Reaktionen bringen. Bei Messungen im Spurenbereich wirken sich Einflüsse wie die Art des Schüttelns oder Zutropfens, Bläschenbildung durch zu schnelles Pipettieren und die Standzeiten für Auflösen von Bläschen bereits stark auf das Messergebnis aus.

Für das Beispiel CSB ist vor allem die richtige Handhabung nach Ablauf der Aufschlußzeit in der Abkühlphase entscheidend. So sollte nach ca. 10 Minuten die Küvette einmal geschwenkt werden, um Kondensationstropfen im Deckel in die Probe zu überführen. Dieser Tropfen enthält „CSB“ und erhöht beim Überführen in die Lösung die Messgenauigkeit. Das anschließende langsame Abkühlen der Probe bringt den Vorteil, dass sich der Niederschlag langsam absetzen kann und später nicht als Trübung die Messung stört.

Es lohnt sich also, Packungsbeilagen oder Analysenvorschriften zu lesen und vielleicht beim Pipettieren doch etwas langsamer zuzutropfen.

Wie lagere ich Testsätze richtig?

Viele Reagenzien können bei Raumtemperatur bis zu 20–25°C gelagert werden, darüber neigen sie schnell zur Zersetzung oder ihre Haltbarkeit wird beeinträchtigt, vergleichbar mit Medikamenten. Frieren die Reagenzien ein, kann sich ihre Struktur ändern, was die Wirkung beeinträchtig oder zerstört. Auch starkes Licht kann Reagenzien durch Photolyse beeinträchtigen. Deshalb sollte man zum Auswärtstermin vor Ort auch nur die jeweils erforderliche Menge an Reagenzien mitnehmen. Hinweise zur Lagerung findet man im Pakungsetikett.

Testsätze wie der CSB unterliegen der Photolyse und müssen deshalb dunkel gelagert werden. Mit einem Kontrollstandard erkennt man diese Fehler meist auf einen Blick. Die gefundene Konzentration weicht vom zulässigen Messbereich ab.

 

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Dieser Artikel wird ergänzt durch Folge 3 des Photometrie-Kompendium.

 

Alle Materialien zur Folge 3 finden Sie hier.

 

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Xylem Analytics Germany Sales GmbH & Co., WTW
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