Training für Planungszielgruppen

Moderne Laborplanung, nachhaltig und sicher

  • Abb. 2: Gesamtbewertung für eine Schulung bei DGNB in Stuttgart im Jahr 2016.Abb. 2: Gesamtbewertung für eine Schulung bei DGNB in Stuttgart im Jahr 2016.
  • Abb. 2: Gesamtbewertung für eine Schulung bei DGNB in Stuttgart im Jahr 2016.
  • Abb. 1: Thematische Struktur des Trainings
  • Peter Neurieder

Mit TTG hat Egnaton ein spezielles OHS Training für Planungsbeteiligte entwickelt. Das Training befähigt die Teilnehmer zur integralen Berücksichtigung von Arbeitsschutzanforderungen bei der Planung nachhaltiger Laborgebäude und erfüllt damit die Kriterien für eine fachkundige Laborplanung nach den Laborrichtlinien der DGUV.

Wegen der großen Vielfalt an verschiedenen Tätigkeiten mit verschiedensten Gefahrstoffen und anderen stofflichen Risiken, wird im Labor eine möglichst hohe Eigensicherheit durch den Bau, die Einrichtung, die Verfahren, den Betrieb und die Geräte notwendig. Moderne und nachhaltig geplante Laboratorien verfolgen deshalb von Anfang an ein derartiges intrinsisches Sicherheitskonzept.

Bisweilen erhebliche Wissenslücken bei Planern in Fragen der Laborsicherheit hatten in der Vergangenheit zur Folge, dass der realisierte Grad an Eigensicherheit von Laborgebäuden die heutigen Ansprüche an ein intrinsisches Sicherheitskonzept nicht hinreichend erfüllte.

Dieser Mangel ist ein klarer Nachteil für Betreiber und Nutzer solcher Laborgebäude, welche die bereitgestellte suboptimale Eigensicherheit im späteren Betrieb durch eigene technische oder organisatorische Schutzmaßnahmen zu kompensieren haben.

Fachkundeanforderung an Planer

Dieses planerische Defizit ist aber auch den für Arbeitsschutz zuständigen Behörden und Regelsetzern nicht verborgen geblieben. Vereinzelt wurden deshalb nationale Regelungen zur Sicherstellung der entsprechenden Fachkunde im Arbeitsschutz bei den Planungsbeteiligten formuliert. Auszug aus Abschnitt 3.1 der DGUV-Information 213-850

„Da die intrinsische Sicherheit von Laboratorien stark von Bau und Ausrüstung abhängt, ist bei der Auftragsvergabe zu prüfen, ob eine ausreichende Fachkunde des Planers (Architekten, Ingenieure) bezogen auf die Regularien zur Arbeitssicherheit, insbesondere auf die Gefahrstoffverordnung, vorliegt. Insbesondere soll der Planer Folgen der Wechselwirkung zwischen Arbeitssicherheit, Umweltschutz, Komfort und Nachhaltigkeit beurteilen können.“

Logische Konsequenz

Eine Berücksichtigung von Sicherheits- und Arbeitsschutzaspekten wird in allen bekannten Nachhaltigkeitsstandards eingefordert, z.

B. auch für den BNB-Standard für Laborgebäude.  Arbeitsschutz im Allgemeinen und ein intrinsisches Sicherheitskonzept im Besonderen gehören zur „sozio-kulturellen“ Dimension der Nachhaltigkeit von Laborgebäuden, deren Optimierung mit den beiden anderen Nachhaltigkeitsdimensionen „Ökologie“ und „Ökonomie“ nur in der fachkundigen Planung von Laborgebäuden erfolgen kann.

Aufgrund dieser Prämissen konzipierte die Egnaton-Arbeitsgruppe 3 (WG3) ab 2014 mit TTG ein entsprechendes Training für Planungszielgruppen, das sowohl die Arbeitsschutz-Fachkundeanforderungen für Laborplaner als auch die Integrations- und Optimierungsleistung innerhalb einer nachhaltigen Planung von Laborgebäuden sicherstellt.

Von der Idee zum Einsatz

Das Training wurde dreistufig strukturiert (Abb. 1):

1. Zunächst soll ein tieferes Verständnis für den Systemcharakter eines nachhaltigen Labors erzielt werden (Modul 1, eintägige Schulung).

2. In einem zweiten Schritt steht die Integration eines möglichst eigensicheren Labor-Arbeitssystems in den Planungsprozess im Mittelpunkt; dazu wird instrumentell das im BNB-Nachhaltigkeitsstandard dafür vorgesehene und dort auch geforderte Betriebs- und Sicherheitskonzept verwendet (Modul 2, zweitägige Schulung).

3. Erst in einem dritten Schritt werden dann Fragen der quantitativen und qualitativen Auslegungsspezifikationen und Abnahmekriterien thematisiert (Modul 3, eintägige Schulung).

Bald wurde klar, dass der Umfang der notwendigen Entwicklungsarbeit die Kapazität einer Arbeitsgruppe bei Weitem übersteigt.

Aus diesem Grund wurde vorgeschlagen, die Weiterentwicklung kommerziell zu beauftragen und die entsprechenden Vorfinanzierung durch die späteren Teilnahmegebühren zu kompensieren.

Seit 2015 ist deshalb die Egnaton academy der Träger des Trainings. Zur Vereinfachung der weiteren Entwicklung wurden folgende Randbedingungen festgelegt:

Die Erstentwicklung des Trainings bis zur Anwendungsreife soll in deutscher Sprache erfolgen.

Entwickelt werden sollen zunächst nur die Module 1 und 2 mit einigen notwendigen Vorgriffen auf Modul 3.

Im Jahr 2016 wurde die Entwicklung der Module 1 und 2 vorläufig abgeschlossen. Das Gesamtpaket besteht aktuell aus ca. 30 hochwertigen Präsentationen mit zusammen über eintausend Seiten an Erläuterungstexten sowie zusätzlichen Dokumentationen, Übungs- und Begleitmaterialien.

Bisheriges Feedback

Bis heute haben mehr als 60 Teilnehmer die beiden Module 1 und 2 absolviert. Fast alle haben die Feedback-Fragen freiwillig beantwortet. Das Ergebnis (Abbildung 1) zeigt differenziert, wo die Erfolgskriterien des Programms liegen, aber auch, in welchen Bereichen Entwicklungsbedarf besteht. Die durchweg positiven Einzelbewertungen werden auch durch eine sehr zufriedenstellende Gesamtbewertung wiedergegeben.

Die dritte Frage (grün markiert) ist weniger eine Bewertung, sondern ein wertvoller Hinweis auf die Ausgewogenheit zwischen den Modulen 1 und 2; sie wurde deshalb nicht in das Gesamtergebnis miteinbezogen.

Ein Durchschnittswert von 78,4% ist ein unerwartet gutes Ergebnis für ein neu eingeführtes Schulungsprodukt, das auf eine thematische Punktlandung bei den beabsichtigten Zielgruppen hinweist.

Fazit

Offensichtlich kann das Training einen wesentlichen Beitrag zur Steigerung der OHS-Kompetenz der Planungsbeteiligten leisten. Es erfüllt nachweislich die Anforderungen des inzwischen veröffentlichten Anhangs der DGUV-I 213-850 „Kriterien für eine fachkundige Laborplanung unter Berücksichtigung von Arbeitssicherheit, Gesundheits- und Umweltschutz „.
Der bisherige Erfolg und die hohen Erwartungen an ein 3. Modul (Abb. 2 unten) zeigen zweierlei auf:

1. Einerseits schlägt das Training einen vielbeachteten neuen Weg in der OHS-Qualifizierung der Planer nachhaltiger Laborgebäude ein, der inzwischen auch die Anerkennung regelsetzender Instanzen findet.

2. Andererseits bleiben für ein drittes Modul noch beträchtliche Entwicklungsaufgaben, für die vor allem der Austausch zwischen den Arbeitsgruppen aktiviert und genutzt werden muss. Nur so können alle Anforderungen an die Implementierung eines hinreichenden Grades an intrinsischer Sicherheit mit genaueren Spezifikationen und noch konkreteren Prozessanforderungen praxisnah vermittelt werden.

Ausblick

Die Autoren und Referenten stehen in Kontakt mit den wachsenden Praxiserfahrungen aller Egnaton-Mitglieder aus der Planung nachhaltiger Laborgebäude und mit den Absolventen der Schulungen. Damit ist gewährleistet, dass die Lernkurve für die weitere inhaltliche Entwicklung und die Qualitätsverbesserung des Trainings gleichermaßen aus Erfolgen und Misserfolgen der Planungspraxis profitiert.

Autor
Dr. rer. nat. Peter Neurieder1

Zugehörigkeit
1Chairman Egnaton WG 3, Member of Board

Kontakt
Dr. rer. nat. Peter Neurieder
N&N Büro für Sicherheit GbR
Egenhofen, Deutschland
n+n@neurieder.de

Kontaktieren

N&N Büro für Sicherheit GbR
Kreisstraße 19
82281 Egenhofen, Bayern
Deutschland
Telefon: 08134 261038

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