Laborautomatisierung - Quo vadis?

Herausforderungen der Standardisierung im Labor

  • Abb. 1: Anlage zur automatisierten Produktion von Hautmodellen.Abb. 1: Anlage zur automatisierten Produktion von Hautmodellen.
  • Abb. 1: Anlage zur automatisierten Produktion von Hautmodellen.
  • Abb. 2: Labware speziell für automatisierte Gewebekultur

Laborautomation - In der Industrie macht derzeit mit dem Schlagwort „Industrie 4.0" die vierte Industrielle Revolution die Runde. Darunter werden Technologien verstanden, die zur stärkeren Individualisierung der Produkte beitragen und gleichzeitig eine hochflexible Massenproduktion gewähren. In der Laborautomatisierung ist man noch weit hiervon entfernt, da eine automatisierte Laboranlage heute meist noch aus hintereinander geschalteten Benchtop-Geräten besteht, die nicht über Standardschnittstellen verfügen, da diese für eine manuelle Bedienung vorgesehen waren.

Dieser Rückstand ist nicht zuletzt der Tatsache geschuldet, dass vor der Initiative „Industrie 4.0" die Vollautomatisierung als solche in Laboren (insbesondere in Forschungslaboren) relativ geringen Anklang gefunden hat. Sehr viele Schritte müssen individuell an die aktuelle Probe angepasst werden um den biologischen Unwägbarkeiten Rechnung zu tragen. Die in der produzierenden Industrie sehr nützliche schnelle massenhafte Fertigung identischer Produkte war damit nicht oder nur in kleinen Teilen auf Laborarbeit anwendbar. Dies hatte leider den Nebeneffekt, dass die mit den ersten industriellen Revolutionen einhergehenden Errungenschaften, wie standardisierte Komponenten und Schnittstellen, sich in der Laborarbeit bisher nicht in dem Maße wie andernorts etabliert haben. Erst durch die Flexibilisierung kann eine Vollautomatisierung nutzbringend in Laboren eingesetzt werden ohne die biologischen Varianzen zu ignorieren. Der Laborautomatisierungsmarkt ist im Vergleich zur produzierenden Industrie zwar klein, dennoch lohnt es sich, über den eigenen Tellerrand zu schauen, wie die Herausforderungen, vor denen die Laborautomatisierungsbranche heute steht, dort angegangen und teilweise schon gelöst wurden. Dieser Artikel verschafft einen kurzen Überblick und zeigt eine Vision auf, wo die Reise hingehen könnte.

Gegenwärtige Herausforderungen und Lösungsansätze: Der Status Quo
Integration und Übergabe zwischen Maschinen
Im Zuge der zweiten IR (industriellen Revolution, Elektrifizierung und Bandproduktion) wurde die Integration einzelner Maschinen zu einer Anlage bzw.

die Übergabe von Werkstücken zwischen Maschinen in der Industrie gelöst. Seither verfügen Produktionsmaschinen über Übergabemechanismen, Sortierer und Puffer, ein manueller Transport ist in aller Regel nicht mehr notwendig, einzelne Produktionsinseln werden über Transport- und Pufferstrecken vernetzt.

Die Laborautomatisierung benötigt für diese Aufgabe Roboter, weil die Geräte für die manuelle Bedienung konzipiert sind. Daran wird sich so schnell nichts ändern, denn es wäre sehr teuer, solche Geräte zu entwickeln. Roboter sind flexibel und billig genug. Gleichwohl könnte eine gewisse Standardisierung von Ausgabeformaten, Übergabehöhen, Markierungen usw. den Integrationsaufwand massiv verringern, ohne die manuelle Bedienbarkeit einzuschränken.

Kommunikation und Steuerung
Im Zuge der dritten IR (Einsatz von Elektronik und IT zur Steuerung) wurde durch den Einsatz von Speicher-programmierbaren Steuerungen (SPS) in der Industrie die Vernetzung und Synchronisation von Maschinen und Anlagen auf ein neues Niveau gehoben. Maschinen unterschiedlicher Hersteller können seither mit einem festen Ablauf effizient miteinander synchronisiert werden. Solche Steuerungssysteme wurden standardisiert, haben sich etabliert und sind in der Industrie flächendeckend im Einsatz. Aufgrund dieser Standardisierung kann eine beliebige Komponente herstellerunabhängig und völlig unkompliziert durch eine gleichwertige ersetzt werden. In der Laborautomatisierung hat sich diese Herangehensweise übertragen, mit dem Sila-Standard (Standardization in Laboratory Automation) ist hier bereits ein Anfang gemacht. Dieser Standard umfasst unter Anderem ein gemeinsames Kommunikationsprotokoll und einen standardisierten Befehlssatz auf den Geräten der unterschiedlichen Hersteller von Laborautomatisierungslösungen. Hierzu wurden bereits bewährte Standards der Informations- und Kommunikationstechnik als Vorlagen verwendet, wie zum Beispiel die serviceorientierte Architektur von Internetdiensten. Durch diese allgemein gültigen und in Spezifikationen niedergeschriebene Vereinbarungen ist es möglich, die diversen Geräte und Komponenten miteinander auf einfache Art zu verknüpfen. Der Integrationsaufwand nimmt durch die Standardisierung signifikant ab, aus diesem Grund können Laborautomatisierungsanlagen deutlich schneller, viel flexibler und damit auch kostensparender realisiert werden.

Durchsatz und Kosten
Im Zuge der ersten drei industriellen Revolutionen konnte der Durchsatz stetig gesteigert werden, hauptsächlich durch Mechanisierung, automatische Verkettung und Automatisierung der Steuerung. Gleichzeitig sanken die Stückkosten stetig. In automatisierten Laboranlagen entstehen die Kosten oftmals nicht durch die Verarbeitung selbst, sondern durch die bei der Verarbeitung verwendeten Medien, Reagenzien und Verbrauchsmaterialien. Deshalb ist ein wichtiger Trend in der Laborautomatisierung die Miniaturisierung der Ansätze. Auf den in der Laborautomatisierung verwendeten Multiwell Platten werden steigende Zahlen von Kavitäten untergebracht, z.B. 96, 128, 384 und schließlich 1536. Auf diese Weise werden nicht nur der Durchsatz, also die Anzahl durchführbarer Experimente pro Zeit gesteigert, sondern auch das verwendete Verbrauchsmaterial pro Experiment verringert und damit die Kosten gesenkt. In Zukunft werden noch geringere Mengen an Medien und Reagenzien pro Experiment angestrebt, dies ermöglicht die Realisierung noch umfangreicherer Ansätze. Eine erhebliche Durchsatzsteigerung ist insbesondere beim Screening angestrebt und wird durch konsequente Automatisierung aller Prozessschritte erreicht.

Qualität
Durch den fast vollständigen Verzicht auf Handarbeit konnte in der produzierenden Industrie mit Einsetzen der zweiten industriellen Revolution eine immer konstantere Produktqualität erreicht werden. Ein wichtiger Grund, Vorgänge im Labor zu automatisieren ist es, die Reproduzierbarkeit zu erhöhen und manuelle Fehler oder „individuelle Eigenheiten" auszuschließen. Hier hat sich der Verzicht auf Handarbeit als probates Mittel erwiesen, auch wenn die Kosten zunächst höher sind. Insbesondere regulatorische Anforderungen sind hier eine treibende Kraft.

Individualisierung und Flexibilität
Während in der frühen Phase der Industrialisierung der Fokus darauf lag, möglichst viele gleiche Teile schnell und günstig herzustellen, geht der Trend schon lange zur Massenproduktion mit Stückzahl 1 (Mass Customization). In Screening-Anwendungen ist genau das die Schlüsselfunktionalität. Ansätze aus der Industrie 4.0-Initiative hierzu reichen von der Flexibilisierung der Steuerung über die Virtualisierung der Steuerung bis hin zur Fraktalisierung der gesamten Fabrik, um eine wandelbare Produktion zu erreichen und die höchstmögliche Flexibilität bieten zu können. Dazu zählen selbstverständlich auch neue Konzepte für die Steuerungs-IT (MES, ERP, usw.) und das Datenmanagement. Hochdurchsatz-Screening-Anlagen müssen meist nicht zwangsläufig flexibel sein, weil hier dem einmaligen Invest hohe Erträge gegenüberstehen. Die Notwendigkeit der Automatisierung eines solchen Prozesses kann einfach argumentiert werden, die Finanzierung ist meist kein Problem.
Anders sieht es bei der Automatisierung aus Reproduzierbarkeits- oder Qualitätsgründen aus: Meist scheitern solche Vorhaben daran, dass nicht genügend Geld und Platz vorhanden sind, um eine solche Anlage zu entwickeln und zu betreiben. Stattdessen wird der Prozess weiterhin manuell und mit dem Risiko von menschlichen Fehlern durchgeführt. Der Grund dafür ist die mangelnde Flexibilität der Anlage, denn heutige Anlagen werden für einen bestimmten Prozess ausgelegt und programmiert. Eine Berücksichtigung zukünftiger Anforderungen, Prozesse oder Geräte erhöht die Entwicklungskosten explosionsartig. Das liegt nicht etwa daran, dass die Integratoren kein Interesse daran hätten, flexible Lösungen anzubieten, sondern die Programmierung der Geräte ist für jedes Gerät anders, meist müssen für jedes Gerät eigene Treiber implementiert werden, damit diese im Anlagenverbund ansprechbar sind.

Dokumentation
Was nicht dokumentiert ist, wurde auch nicht gemacht. Das gilt insbesondere in der Forschung und in der Entwicklung. Heutige automatisierte Systeme dokumentieren die generierten Daten automatisch, meist in einer geschlossenen Datenbank, auf die wiederum ein LIMS zugreifen muss, um entsprechende Reports zu erstellen. Dies ist in der produzierenden Industrie nicht anders und dort völlig ausreichend.

Die Ausnahme stellen hier die manuell durchgeführten Prozessschritte dar. Heute erfüllen Laboranten die Dokumentationspflicht durch das Führen eines Laborbuchs, sei es in Papierform oder elektronisch. Dabei werden Messwerte, Beschriftungen und andere Werte manuell abgelesen und eingetragen, Ausdrucke eingeklebt oder eingescannt und Prozessschritte abgehakt. In allen Fällen ist aber die Verknüpfung zu den automatisch generierten Daten problematisch und maßgeblich abhängig von der Sorgfalt des Mitarbeiters.

Zukünftige Herausforderungen in der Laborautomatisierung
Flexibilisierung von Anlagen
Reproduzierbarkeit und Qualität sowie die Miniaturisierung der Volumina werden in Forschungs- und Entwicklungslabors immer wichtiger. Deshalb müssen immer mehr (Teil-) Prozesse automatisiert werden. Da die meisten Labore weder Platz noch Geld für eine Anlage pro (Teil-) Prozess haben, müssen künftige Anlagen einige Anforderungen hinsichtlich Flexibilität erfüllen:

  • Eignung für mehrere unterschiedliche Prozesse (Prozessvarianten), alle notwendigen Geräte müssen vorhanden sein.
  • Fähigkeit mehrere Prozesse gleichzeitig auszuführen
  • Fähigkeit mehrere Prozesse so einzutakten, dass alle Randbedingungen eingehalten werden
  • Austauschbarkeit von Geräten oder Modulen
  • Konfigurierbarkeit
  • Eigenständiges Teachen oder Teachen überflüssig machen

Miniaturisierung
Aus Kostengründen werden Volumina immer weiter reduziert werden. Heutige PCR-Systeme arbeiten mit Proben mit wenigen μl Volumen. Hier kommen konventionelle Pipettierer bereits an ihre Grenze. 1536er MTPs können nicht mehr mit konventionellen Pipettierautomaten befüllt werden, einige Mikrofluidik-Chips auch nicht. Hierfür werden neuartige Liquid-Handling-Systeme benötigt, eine Beispiel hierfür ist die I-Dot-Technologie.
Ebenso werden neue Probenträger benötigt, die den kleineren Volumina gerecht werden. Im Zuge dessen sind neue Technologien zur Probenkennzeichnung und zum Probentracking, beispielsweise RFID möglich und sinnvoll.

Standardisierung
Um flexible Anlagen zu bezahlbaren Preisen herstellen zu können, braucht es Standard-Komponenten, aus denen die Anlage aufgebaut werden kann. Hierzu müssen neben der Software-Schnittstelle auch folgende Eigenschaften von Laborgeräten standardisiert werden:

  • Bauform bzw. Platzbedarf
  • elektrische und mechanische Schnittstellen
  • pneumatische und Medienschnittstellen
  • Ausgabehöhe und Format von Probenträgern
  • Selbstbeschreibung des Geräts für die Steuerung
  • Navigationsmechanismen für das automatische Teaching oder das geregelte Anfahren von Übergabepositionen

Dokumentation
Derzeit ist meist nur ein Teil eines Lebenszyklus einer Probe oder eines Produkts automatisiert. Diese „Insellösungen" werden meist durch manuelle Arbeitsschritte verbunden. Aus Kostengründen wird das wohl auch noch sehr lange so bleiben. Deshalb muss eine Möglichkeit geschaffen werden, eine durchgehende Dokumentation für den gesamten Produktions- oder Analyseprozess zu generieren. Vor diesem Hintergrund muss das physische Laborbuch durch ein elektronisches ersetzt werden.
Wichtig sind dabei:

  • die Akzeptanz durch das Laborpersonal
  • einwandfreie Usability
  • direkte Verbindung zur Zieldatenbank
  • Überarbeitungs- und Editiermöglichkeiten mit entsprechender Datensicherheit
  • Automatische Übernahme von Protokolleinträgen und Messwerten aus allen Laborgeräten, insbesondere der manuell bedienten

Insbesondere für die automatische Übernahme von Protokolleinträgen und Messwerten von manuell bedienten Geräten muss sichergestellt werden, dass alle Geräte über eine standardisierte Schnittstelle kommunizieren.

Datenmengen
Der große Vorteil von automatisiert ablaufenden Analysen ist die Menge an Daten, die innerhalb kurzer Zeit generiert werden kann. Gleichzeitig ist dies aber auch ein großes Manko, denn die Daten müssen nicht nur verwaltet und analysiert werden, sondern sie müssen auch verstanden und überblickt werden. In einer aktuellen Ausschreibung formuliert das Bundesministerium für Bildung und Forschung das so:

Dies ist nach übereinstimmender Meinung der Expertinnen und Experten nach heutigem Stand nur begrenzt möglich: immer mehr Wissen wird produziert, jedoch steht immer weniger Wissen davon für eine intelligente Weiterverarbeitung als problemlösungsrelevante Information zur Verfügung. Diese Probleme konterkarieren zunehmend die ursprünglichen Vorteile der gewünschten Informationszuwächse für die Systemmedizin. Primärdaten wie klinische oder experimentelle Messdaten oder Lesedaten aus Hochdurchsatzsequenzierungen wachsen explosionsartig. Gleiches gilt für Sekundärdaten, wie die Wachstumsraten von biomedizinischen Fakten-Datenbanken und die Produktionsraten von Fachpublikationen und klinischen Berichten zeigen. Erschwerend kommt hinzu, dass die einzelnen Datenbestände häufig isoliert voneinander aufgebaut und verwaltet werden und somit erhebliche Hürden bestehen, solche Daten transparent über einzelne Datensammlungen hinausgehend zu nutzen [1].

Was hier für große Datenmengen beschrieben ist, gilt auch im Kleinen: Wissenschaftliche Ergebnisse werden publiziert, aber eine Reproduktion der Ergebnisse ist meist nicht möglich, oft werden sie sogar widerlegt. Grund hierfür ist meist eine unzureichende Beschreibung des Prozesses und der eingesetzten Mittel.

Um die in Zukunft generierten Datenmengen tatsächlich handhabbar und damit nutzbar zu machen, bedarf es einer einheitlichen Beschreibungssprache für Experimente, Prozesse und Daten sowie deren Qualität. Mit dieser könnte zum Einen das „Nachkochen" wieder ermöglicht werden, zum Anderen würde sichergestellt, dass die Daten für die automatische Auswertung zugänglich würden, eine essentielle Anforderung durch die enormen Mengen an Daten, die bereits existieren.

Vision Labautomation 2020
Hochflexible Anlagen
Automatisierte Prozesse in Laboren werden in wenigen Jahren auf hochflexiblen Anlagen laufen. Diese zeichnen sich dadurch aus, dass eine intelligente Steuersoftware alle erforderlichen Prozesse kennt, inklusive aller Einschränkungen wie z. B. maximalen zeitlichen Versatz zwischen zwei Proben. Das Erstellen eines neuen Prozesses erfordert keine Programmierkenntnisse mehr, ein einfacher Editor mit Assistenten für kompliziertere Parametrierungen ermöglicht dem Laborpersonal, selbst solche Prozesse zu erstellen. Wird ein neuer Prozess gestartet, prüft die Anlage selbstständig, ob sie alle notwendigen Ressourcen (Geräte) zur Verfügung hat und fordert gegebenenfalls das Andocken eines zusätzlichen Moduls nach. Diese Module verfügen über Standardschnittstellen und können vom Laborpersonal einfach durch Herstellen der Verbindung und der richtigen Positionierung des Moduls integriert werden.

Die Anlage ermittelt nun, wie sie den neuen Prozess zwischen den bereits laufenden Prozessen eintakten kann und macht einen Vorschlag, den der Bediener nach Bedarf verändern kann. Ist ein Gerät (beispielsweise ein Schüttler) nicht verfügbar oder defekt, kann der Laborant es durch ein beliebiges anderes Gerät aus derselben Geräteklasse ersetzen und den Prozess starten. Kann ein Gerät nicht vom Handlingsystem direkt bedient werden, beispielsweise weil es zu weit entfernt steht, wird der Transfer durch den Laboranten durchgeführt, die manuellen Schritte werden der laufenden Dokumentation des Prozesses automatisch zugefügt.

Diese Flexibilität führt dazu, dass auch kleine Labore (Teil-) Prozesse automatisieren können. Denn die Kombination mehrerer Geräte zu einer Anlage ist durch die Standardisierung sehr einfach und damit günstig geworden. Auch können bereits existierende Geräte verwendet werden, trotzdem stehen sie für manuelle Prozesse weiterhin zur Verfügung.

Standard-Module für Anlagen
Laboranlagen der Zukunft bestehen aus standardisierten Modulen. Um ein Höchstmaß an Flexibilität zu erreichen, wurde ein Modulstandard entwickelt, mit dem Geräte aller Größen und Geräteklassen schnell und einfach in eine Anlage integriert werden können. Die Module verfügen über ein Bussystem für die Energieversorgung und Datenübertragung. Das Verbinden einer Steckverbindung koppelt ein Modul an eine Anlage an. Das Gerät selbst verfügt über einige Standard-Schnittstellen, mit denen es mit dem Modul verbunden wird. Es besitzt einen Sila-Treiber und liefert über die Datenschnittstelle eine Selbstbeschreibung. Auf dieser Grundlage kann die Anlage das Gerät identifizieren und kennt so die angebotenen Dienste sowie unterstützte Probenträgerformate und Geometriedaten (beispielsweise Übergabepositionen). Das Gerät verfügt über einen standardisierten Fuß, damit sichergestellt ist, dass es immer gleich im Modul platziert wird. Um sicherzustellen, dass das Handlingsystem nicht bei jedem Wechsel eines Moduls neu geteacht werden muss, haben moderne Laborgeräte eine Markierung an der Übergabeposition, die dem Handlingsystem zur Referenzierung dient. So muss die Anlage lediglich grob wissen, wo die Übergabeposition ist (das erfährt sie aus der Selbstbeschreibung), die genaue Positionierung ermittelt das Handlingsystem selbst.

Integration von manueller und automatisch erstellter Dokumentation
Alle Laborgeräte verfügen über eine Sila-Schnittstelle und können den jeweiligen Bediener und die Labware identifizieren (Beispielsweise RFID, NFC, Barcode). Ein Laborant nähert sich einem Gerät wird von diesem automatisch registriert. Das Gerät lädt die für diesen Bediener gespeicherten Profile und identifiziert die Probe falls notwendig. Wenn das Gerät die Probe einem eindeutigen Profil zuordnen kann, wird dieses Profil angewendet, sonst bietet das Gerät dem Bediener die nutzbaren Profile zur Auswahl an. Stehen Probe und Bediener fest, startet das Gerät den gewünschten Teilprozess und dokumentiert die erfolgten Schritte, die Einstellparameter und eventuelle Messdaten im elektronischen Laborbuch des Laboranten. Zurück an seinem Arbeitsplatz kann der Laborant die Laborbucheinträge kommentieren und den jeweiligen von ihm (oder einer Anlage) bearbeiteten Prozess zuordnen. Das Dokumentationssystem überprüft die Daten auf Plausibilität und Vollständigkeit und trägt sie in die Prozessdokumentation ein. Hierbei spielt es keine Rolle, ob der zugeordnete Prozess ein automatisierter oder ein rein manueller Prozess ist.

Universelle Wissenschaftssprache
Wissenschaftler aus aller Welt sind davon überzeugt, dass die Flut an verfügbaren Daten nur durch eine einheitliche Beschreibung der Daten und der zugrundeliegenden Prozesse zu beherrschen ist. Verschiedene nationale und internationale Initiativen haben Förderprojekte finanziert, die dazu beitragen sollen, eine einheitliche Beschreibung von Prozessen und Daten, deren Semantik und der zugrundeliegenden Ontologien zu erarbeiten.

Haben diese Maßnahmen Erfolg, existiert bald eine einheitliche Sprache, die es ermöglicht, Daten sowohl automatisiert als auch manuell zu verstehen, zu interpretieren, zu bewerten und nachzuvollziehen. Dann enthalten wissenschaftliche Publikationen eine gesonderte Datei, die den Prozess beschreibt, der zu den Ergebnissen geführt hat. Diese kann auf einer beliebigen Anlage einfach eingelesen und abgearbeitet werden, sofern alle notwendigen Ressourcen vorhanden sind.

Resümee
Die Automatisierung von Laborprozessen hat noch nicht die gleiche Verbreitung und Reife erreicht, wie die Automatisierung von industriellen Produktionsprozessen. Durch die beginnende Standardisierung wurden in den letzten Jahren schon deutliche Fortschritte gemacht. Die Nachfrage von Lösungen, die nicht nur einzelne Schritte in Form von Benchtop-Geräten, sondern ganze Prozesse betreffen, ist signifikant gestiegen. Standardisierte Schnittstellen (in Form von Sila) haben inzwischen Marktreife erlangt und die Anzahl der Hersteller, die diese Schnittstelle in ihre Geräte bereits eingebaut haben bzw. derzeit daran arbeiten diese einzubauen, steigt stetig. Einige der Konzepte aus der Industrie 4.0 Initiative sind durchaus auf die Laborautomatisierung übertragbar deshalb ist zu erwarten, dass die Automatisierung schon bald eine deutlich größere Rolle in der Laborwelt spielen wird.

Literatur
[1] Bekanntmachung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung von Richtlinien zur Förderung von Projektideen im Rahmen der Maßnahme „i:DSem - Integrative Datensemantik in der Systemmedizin": http://www.bmbf.de/foerderungen/23410.php

 

Weitere Beiträge zum Thema: http://bit.ly/Laborautomation
Mehr Informationen: www.sila-standard.org; www.plattform-i40.de

Lebenslauf
Axel Wechsler
leitet am Fraunhofer Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA in der Abteilung Laborautomatisierung und Bioproduktionstechnik die Gruppe Labor-IT. Das interdisziplinäre Team der Abteilung beschäftigt sich mit der kompletten Bandbreite der Laborautomatisierung von der Anpassung biologischer Prozesse für die Automatisierung über das Liquid Handling und die Entwicklung von Geräten, Treibern und Steuerungssoftware bis hin zu Konzeption, Bau und Wartung von kompletten Anlagen. Herr Wechsler ist zudem in der Sila-Arbeitsgruppe Certification tätig und kümmert sich um den Aufbau einer zertifizierten Sila-Test-Site am Fraunhofer IPA.

Lebenslauf
Benjamin Schulz
arbeitet am Fraunhofer IPA in der Abteilung Laborautomatisierung und Bioproduktionstechnik in der Gruppe Labor-IT. Seine Schwerpunkte liegen in der Entwicklung von Process Management-Software (PMS) in automatisierten Laborlösungen sowie in der Modifikation existierender Gerätetreiber hin zu Sila konformen Treibern. Herr Schulz ist zudem in der Sila-Arbeitsgruppe Certification sowie in der SilaArbeitsgruppe PMS tätig.

Lebenslauf
Dr. Martin Koch
Nach Promotion in Bioinformatik an der Universität Bonn ist Dr. Koch am Fraunhofer IPA in der Abteilung Laborautomatisierung und Bioproduktionstechnik tätig in der Gruppe Labor-IT. Neben der Entwicklung intuitiver graphischer Oberflächen für Software im Bereich Laborautomatisierung, zählt die Projektleitung in öffentlich geförderten Projekten zu seinen Aufgabengebieten. Herr Dr. Koch leitet zudem die Sila-Arbeitsgruppe Process Management Systeme.

Autor(en)

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