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Von Nanobiotechnologie zur Nanomedizin: Nanotechnologische Anwendungen und ihre Bedeutung

03.08.2011
Abb. 1: Die Nanobeschichtung macht die Oberfläche der High-Tech-Beinprothese kratzfest und extrem beständig Quelle: cc-Nanobionet e. V. .
Abb. 1: Die Nanobeschichtung macht die Oberfläche der High-Tech-Beinprothese kratzfest und extrem ... Weiter
Abb. 1: Die Nanobeschichtung macht die Oberfläche der High-Tech-Beinprothese kratzfest und extrem ... Abb. 2: Ferrofluide – magnetische Flüssigkeiten – kommen in der Krebstherapie zum Einsatz. Quelle: ... Abb. 3: Nanopartikel (rot) dringen in eine menschliche Zelle (grün) ein. Der Zellkern (blau) ist ... Christoph Schreyer, cc-Nanobionet Dr. Rainer Hanselmann, Sarastro 

Aus der Nanobiotechnologie, dem Schnittbereich von Nanotechnologie und Biotechnologie, sind in den vergangenen Jahren vielversprechende Entwicklungen hervorgegangen, die in der Medizin eine wachsende Rolle spielen. Der Artikel soll einen Überblick über aktuell wichtige Forschungsthemen in der Nanomedizin geben.

Drug-Delivery-Systeme

Der Wunsch, einen Wirkstoff gezielt zum kranken Gewebe zu transportieren, treibt die Entwicklung so genannter Drug-Delivery-Systeme voran. Eine Lösung ist die Verwendung von liposomalen Carrier-Systemen im Nanometermaßstab, um den Transport von Medikamenten für die Behandlung von z. B. Krebs, Pilzinfektionen und Augenerkrankungen zu ermöglichen. Da Liposome aus natürlichen Grundbausteinen bestehen, sind sie wenig oder gar nicht immunogen und werden aus dem Organismus problemlos eliminiert. Obwohl sie zu den am besten untersuchten Drug-Delivery-Systemen gehören, ist die Anzahl der darauf basierenden Arzneimittel relativ gering. Gründe hierfür sind die kurze Verweildauer im Blutkreislauf, die geringe Lagerstabilität und der hohe Preis.

Eine Alternative sind Drug-Delivery-Systeme aus Polymer-Nanopartikeln. So bieten diese Nanopartikel die Option, Medikamente während des Transports zu schützen und sie im erkrankten Gewebe gezielt und kontrolliert abzugeben. So könnten zum Beispiel Medikamente, die bisher nur gespritzt werden konnten, zukünftig in FOrm einer Tablette eingenommen werden. Derzeit werden auch Polymer-Nanopartikel für den Einsatz in der Tumor- und AIDS-Therapie und für die Applikation von Antibiotika entwickelt.

Ferrofluide in der Krebstherapie

Ferrofluide sind Suspensionen aus ferromagnetischen nanoskaligen Teilchen. Sie entfalten starke magnetische Kraftwirkungen, die ihren Nutzen z. B. in der magnetischen Hyperthermie zur Krebsbekämpfung entfalten. Tumorzellen sind sehr temperaturempfindlich. Temperaturen über 43 °C über einen längeren Zeitraum sind für sie meist tödlich. Diese Eigenschaft nutzt man bei der Hyperthermiebehandlung mit magnetischen Nanopartikeln. Diese werden in ausreichend großer Menge in und um das Tumorgewebe platziert. Dann wird ein magnetisches Wechselfeld angelegt und es erfolgt eine Spinumkehr.

Durch diesen Effekt erhitzen sie sich und die umliegenden Tumorzellen. Dies führt dazu, dass deren Proteine denaturieren und ihre Funktion einstellen. Die Tumorzelle stirbt. Diese Behandlungsmethode zur Therapie von bösartigen Hirntumoren wurde zwischenzeitlich intensiv untersucht und ist für bestimmte Anwendungen zugelassen.

Nano in der Zahnmedizin

Schmerzempfindliche Zähne werden oft durch freiliegende Zahnhälse verursacht. Geht das Zahnfleisch zurück, liegen die Zahnhälse offen, und der Zahnzement bildet sich zurück. Durch kleine Kanäle im Zahn (Dentin-Tubuli) können dann unerwünschte Heiß-Kalt- oder Süß-Sauer-Reize an die Nerven im Zahninneren gelangen und so Schmerzen verursachen. Die offen liegenden Dentinkanälchen können durch Nanopartikel, die in eine herkömmliche Zahncreme eingearbeitet sind, verschlossen und die Schmerzempfindlichkeit maßgeblich reduziert werden.

Nanomaterialien eignen sich aber auch als Füll- oder Zahnersatzstoffe, die klassische Materialien wie Amalgam und Keramiken ersetzen könnten. So wurden in den letzten Jahren zahlreiche Hybridkomposite mit Füllpartikeln auf den Markt gebracht. Deren Einsatz ermöglicht z. B. die Erhöhung der Festigkeit, die Verbesserung der Handhabbarkeit des Materials und nicht zuletzt die Ausnutzung der Röntgenopazität. Die Füllpartikel müssen eine gute chemische Beständigkeit aufweisen, farblos und bioinert und nicht toxisch sein. Als solche Materialien eignen sich Gläser, Glaskeramiken sowie einige Silicate. Bei dieser technologisch sehr vorteilhaften Errungenschaft der Nanofüller dürfen die möglichen Risiken durch Nanopartikel, die in die Mundhöhle und somit in den Körper eingebracht werden, nicht vergessen und intensiv untersucht werden.

Nanoimplantate

Durch die stetig steigende Lebenserwartung der Menschen nehmen degenerative Erkrankungen immer mehr an Bedeutung zu. Gelenke verlieren mit zunehmendem Alter ihre Flexibilität oder Funktionalität und müssen durch künstliche Materialien ersetzt werden. So beträgt die durchschnittliche Lebensdauer eines künstlichen Hüft- oder Kniegelenks etwa 10 bis 15 Jahre. Eine Verlängerung der Lebensdauer und eine verbesserte Bioverträglichkeit wären für die Patienten mit künstlichen Hüft- oder Kniegelenkimplantaten eine große Hilfe. Deshalb ist die Herstellung körperverträglicher Implantate ein wichtiger Anwendungsbereich der Nanobiotechnologie.

Früher wurden Hüftendoprothesen mit einer weitestgehend glatten Oberfläche hergestellt. Allerdings bemerkte man, dass die Haftung und dauerhafte Fixierung einer Prothese im Knochenschaft mit zunehmender Oberflächenrauigkeit verbessert werden konnte. Dies führte zur Entwicklung von „mikrorauen" Prothesen. Neuere Ansätze versuchen, durch nanostrukturierte Implantatoberflächen die Biokompatibilität und die Wechselwirkung zwischen Prothese und Gewebe zu verbessern und die Anlagerung von Proteinen zu ermöglichen. Einige Unternehmen arbeiten mit Nanobeschichtungen auf der Basis von Hydroxylapatit (HA).

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