03.04.2012
ForschungUmwelt

Hessenfischer: Die Neunaugen, Ein Portrait

Fisch des Jahres 2012

  • Erwachsenes BachneunaugeErwachsenes Bachneunauge
  • Erwachsenes Bachneunauge
  • Aufstieg zum Laichgewässer
  • Ausgeschlagene Laichgrube
  • Die Paarung
  • Eier im Kies
  • Junge Querder im Sand
  • Querder beim Filtrieren
  • Mundscheibe eines Flussneunauges
  • Flussneunauge an Wirtsfisch
  • Erwachsenes Neunauge und Querder
  • Junger Querder

Verband Hessischer Fischer (VHF) : Erneut belegen die Hessenfischer ihre Kompetenz in Sachen Gewässer- und Umweltschutz. Mit der neuen Broschüre "Die Neunaugen" (pdf) wird die erfolgreiche Serie an Informationsschriften über das Leben im Wasser fortgesetzt. Der VHF setzt sich für den Erhalt dieser faszinierenden Tiere aus der Familie der Rundmäuler ein. Ein bereits sichtbarer Erfolg dieser Arbeit ist die Rückkehr des Bachneunauges in unsere heimischen Gewässer. Angler sind schon seit Jahrzehnten im Umweltschutz aktiv, sie halten sich aber meist im Hintergrund. Angler räumen den Dreck aus den Gewässern, besetzen Jungfische gefährdeter Arten und kämpfen für den Naturschutz am Wasser. Meist bezahlen sie diese Aktionen aus der eigenen Tasche. Erfolge im Naturschutz der Gewässer sind daher immer auch Erfolge der Angler. Natürlich ist dabei jede Unterstützung erwünscht, die Angler warten aber nicht darauf, sondern packen an.

Einblicke
Die „Fische" des Jahres 2012, die Neunaugen, zeigen, dass wir den Lebewesen, die wir nicht angeln können, ebenso viel Aufmerksamkeit zukommen lassen, wie allen anderen. Die Hauptursache für den Rückgang der Neunaugen und anderer Wanderfischarten ist die Verbauung der Flüsse und Bäche durch Kleinwasserkraftanlagen. Angler kämpfen gegen die Errichtung von neuen und die Wiederinbetriebnahme bestehender Wasserkraftanlagen unter 1 MW Jahresleistung. Diese Anlagen erzeugen sehr ­wenig Strom, richten aber großen ökologischen Schaden an.

Ganz gleich ob es sich um die Wiederansiedlung der Neunaugen, des Eisvogels, den Arterhalt der Süßwassermuscheln oder um Aufzuchtprogramme für heimische Krebsarten handelt, Angler packen an. Mit rund 35.000 Mitgliedern ist der Verband Hessischer Fischer (VHF) einer der größten Naturschutzverbände Hessens.

Fisch des Jahres 2012
Die Neunaugen sind urtümliche fischähnliche Wirbeltiere. Sie gehören nicht zu den Knochenfischen wie die anderen in unseren Gewässern vorkommenden Fische.

In Deutschland leben vier Arten. Nach ihren Lebensräumen heißen sie Bachneunauge (Lampetra planeri), Flussneunauge (Lampetra fluviatilis) und Meerneunauge (Petromyzon marinus). In einem kleinen Zipfel Bayerns kommt außerdem noch das Donauneunauge (Eudontomyzon vladykovi) vor.

Ihren deutschen Namen bekamen sie von den neun augenähnlichen Punkten, die man von der Seite an ihrem Kopf sehen kann. Die hinteren sieben Punkte sind Kiemen­öffnungen. Sie sind nicht wie bei Knochenfischen von einem Kiemendeckel geschützt, sondern offen wie bei den Haien. Davor befindet sich das Auge und davor die Nasenöffnung. Die paarigen Flossen der Knochenfische fehlen den Neunaugen. Ihr Skelett ist nicht verknöchert, sondern besteht überwiegend aus Knorpel. Im Gegensatz zu Knochenfischen besitzen die Neunaugen auch keinen Kiefer, sondern eine runde Mundscheibe. Deshalb werden sie auch Rundmäuler genannt.

Die Lebensweise
Die Larven aller Neunaugen, die sogenannten Querder, leben in Sandbänken von Flüssen und Bächen. Sie filtern sich zersetzende Pflanzenteile, Algen und Kleinstlebe­wesen aus dem Sediment. Erwachsene Bachneunaugen nehmen gar keine Nahrung mehr zu sich und leben nur kurz, um sich zu paaren. Fluss- und Meerneunaugen leben als erwachsene Tiere von Fischen. Mit Ihren runden, mit Zahnreihen versehenen ­Mäulern saugen die Meerneunaugen als Parasiten Körperflüssigkeiten der Wirtsfische. Die Flussneunaugen dagegen verzehren auch Haut und Fleisch von Fischen. Ihre ­Lebensweise ist daher eher als räuberisch zu bezeichnen.

Die unterarmdicken, laichreifen Meerneunaugen steigen in den Flüssen ins Binnenland auf, um zu laichen. Im Rhein schwimmen sie bis nach Basel. Nur weit flussaufwärts finden sie geeignete Kiesbänke, in denen sie Ihre Eier ablegen. Nach einigen Tagen schlüpfen die Larven, die keine Augen besitzen. Nach sechs bis acht Jahren als Filtrierer ziehen die Tiere ins Meer, wo sie weitere zwei bis drei Jahre als Parasiten leben, um dann an ihre Geburtsstätte zurückzukehren.

Flussneunaugen ziehen für die Paarung noch weiter flussauf bis in die Quellbäche, wo sie ebenfalls auf Kies und Steinen ihre Eier ablegen. Die Larven leben dann drei bis vier Jahre als Filtrierer im Sand, bevor sie ins Meer wandern.

Bachneunaugen leben nur in den saubersten Bachoberläufen, wo sie ihr gesamtes ­Leben verbringen. Ihre Larven benötigen feineren Bodengrund als die anderen Arten. Nach drei bis fünf Jahren als filtrierender Querder beginnt die Umwandlung. Alle Neunaugen durchleben eine Metamorphose, in der ihr Kiemendarm, der kleine Lebewesen aus dem Wasser filtert, ab- beziehungsweise umgebaut wird. Bei dieser Umwandlung werden dann auch die Augen, die Geschlechtsorgane sowie Eier und Spermien ausgebildet. Diese Metamorphose kann bis zu einem Jahr dauern. Beim Bachneunauge wird kein neuer Darm gebildet wie bei den anderen Arten. Daher können erwachsene Bachneunaugen nichts fressen. Nach der Eiablage sterben alle Neunaugen.

 

Gefährdungen
Wie alle anderen Wanderfische sind auch die wandernden Neunaugen in Europa sehr stark gefährdet. Die Wehre der Wasserkraftanlagen verbauen den Fluss- und Meerneunaugen die Wege ins Meer und zurück in die Oberläufe der Flüsse. Können sie die großen Stauanlagen in Rhein, Weser und Elbe noch umgehen, verhindern tausende von kleinen Wasserkraftwerken an den Nebenflüssen das Erreichen der Laichplätze. Die durch Stauwehre verringerte Fließgeschwindigkeit verhindert auch die Entstehung von geeigneten Kiesbänken für die Eiablage.

In vielen heimischen Bächen sind die Bachneunaugenbestände heute auf dem Wege der Erholung, denn Bachneunaugen wandern nicht. Durch die Arbeit der Angler ­konnten die Ursachen ihres Rückgangs, wie die Begradigung der Bäche, die Verringerung der Fließgeschwindigkeit durch Stauanlagen und die Verschmutzung der Kleingewässer, teilweise rückgängig gemacht werden.

Ihr lokaler Angelverein
Wir werden auch weiterhin alles dafür tun, diese faszinierenden Tiere vor dem Aussterben zu bewahren. Bitte unterstützen Sie uns dabei und werden Sie in Ihrem örtlichen Angelverein aktives oder förderndes Mitglied des VHF. Helfen Sie uns dabei, unsere einmalige Natur zu erhalten und genießen Sie wunderbare Einblicke in die Gewässer Ihrer Heimat.

Mehr Informationen zur Arbeit des Verbands Hessischer Fischer finden Sie unter: www.Hessenfischer.net

 

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