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Kohlenstoff-Nanoröhren und die Umwelt

01.04.2010
Rasterelektronenmikroskopische Aufnahme von Kohlenstoff-Nanoröhrchen auf einem Kernspurfilter. Deutlich zu sehen sind außer den Röhrchen auch die 50 nm großen Filterporen. Quelle: E. Christalle
Rasterelektronenmikroskopische Aufnahme von Kohlenstoff-Nanoröhrchen auf einem Kernspurfilter. ... Weiter

Kohlenstoff-Nanoröhren wecken einerseits Hoffnungen auf innovative Anwendungen von der Technik bis hin zur Medizin und versprechen damit auch ein erhebliches wirtschaftliches Potential. Andererseits muss noch viel genauer erforscht werden, inwiefern sie Umwelt und Gesundheit belasten könnten. Dafür plädieren Radiochemiker vom Forschungszentrum Dresden-Rossendorf (FZD). Sie weisen darauf hin, dass Kohlenstoff-Nanoröhren sog. Kolloide bilden, also quasi wasserlöslich sind. Dadurch können sie sich in der Umwelt verteilen und dabei Schwermetalle wie Uran binden.

Kohlenstoff-Nanoröhren haben in den vergangenen 15 Jahren eine steile Karriere gemacht, auch wenn Anwendungen bisher noch begrenzt sind. Neue Forschungsergebnisse zeigen, dass sie neben ihren günstigen mechanischen und elektrischen Eigenschaften aber auch problematische Eigenschaften aufweisen. Es wird weithin angenommen, dass sich Produkte, die Kohlenstoff-Nanoröhren enthalten, in Zukunft ausbreiten. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Röhren bei Herstellung, Gebrauch oder Entsorgung in die Umwelt gelangen, sich dort weiter verteilen und auf ihrem Weg Schadstoffe wie z.B. Schwermetalle binden.

Über das Wasser in die Umwelt

Ein wichtiger Weg, auf dem Kohlenstoff-Nanoröhren in die Umwelt gelangen könnten, ist der über das Wasser. In ihrem Originalzustand sind die hauchdünnen Kohlenstoff-Fäden mit einem Durchmesser von weniger als 50 nm zunächst kaum wasserlöslich. Auf den ersten Blick sollten sie also nicht im Grundwasser, Seen o.ä. mobil sein, sondern sich schnell absetzen oder abscheiden. Wenn sich jedoch ihre Oberflächenstruktur verändert, können sie kolloidale Lösungen bilden. Die Veränderung der Oberflächenstruktur kann während der Produktion der Röhren gezielt herbeigeführt oder, wenn sie einmal in die Umwelt freigesetzt worden sind, durch natürliche Prozesse ausgelöst werden.

In einer kolloidale Lösung ist - anders als bei echten wasserlöslichen Stoffen - der scheinbar gelöste Stoff in Form feiner Partikel im Lösungsmittel verteilt. Diese Partikel sind immer noch viel größer als die Moleküle eines gelösten Stoffes in einer echten Lösung. In Umweltgewässern könnten Kohlenstoff-Nanoröhren in Form von Kolloiden überall hin transportiert werden.

Seit kurzem weiß man auch, dass die Röhren sogar Zellwände durchdringen können. Sie könnten also theoretisch auch in tierische und menschliche Zellen vordringen. Die Oberflächenveränderung von Kohlenstoff-Nanoröhren bewirkt noch einen weiteren Aspekt: Sie erhöht ihre Neigung, Schwermetalle anzulagern.

Röhrchen mit veränderter Oberfläche

Die Rossendorfer Wissenschaftler haben sowohl Kohlenstoff-Nanoröhren im Originalzustand als auch mit oxidierenden Säuren (z.B. einem Gemisch aus Salpeter- und Schwefelsäure) veränderte Röhren untersucht. Sie stellten fest, dass Lösungen mit behandelten Kohlenstoff-Nanoröhren Licht stärker streuen. Für die Forscher ist dies ein Indiz dafür, dass sie Kolloide gebildet haben, die sich nicht absetzen. Sie konnten nachweisen, dass sich das Schwermetall Uran, das in geringsten Mengen überall in der Umwelt und damit auch im Wasser vorkommt, besonders an die Oberfläche behandelter Kohlenstoff-Nanoröhren anlagert. Sie stellten eine um eine Zehnerpotenz höhere Aufnahmekapazität für Uran als bei unbehandelten Kohlenstoff-Nanoröhren fest. Es ist deshalb plausibel anzunehmen, dass Kohlenstoff-Nanoröhren, wenn sie in die Umwelt gelangen, den Transport von Uran in Umweltwässern und sogar in biologischen Systemen beeinflussen können. Dr. Harald Zänker mutmaßt, dass man die möglichen Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit bisher generell zu wenig bedacht hat.

Andererseits legt die Bindungsfähigkeit von Uran und anderen Schwermetallen aber auch nahe, Kohlenstoff-Nanoröhren zur Entfernung von Schwermetallen aus Wässern einzusetzen. Laut Dr. Zänker stellen sie eine wirtschaftliche Alternative zu klassischen Reinigungsmitteln bisher aber noch nicht dar. Die Forscher halten es für wichtig, das Verhalten von Kohlenstoff-Nanoröhren in Wässern in Zukunft weiter zu untersuchen. Erst dann können die positiven und negativen Effekte der Kohlenstoff-Nanoröhren besser eingeschätzt werden.

Literatur:
[1] Schierz, A. und Zänker, H.: Environmental Pollution 157, 1088 - 1094 (2009)

Autor(en):
Dr. Harald Zänker

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Schlüsselwörter : Chemikalien Kohlenstoff-Nanoröhrchen Kolloide Material Materialwissenschaft Nanotechnologie Partikelanalyse Schwermetalle Umwelt Zellbiologie

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