16.07.2014
ForschungUmwelt

Schimmelpilze in Innenräumen

Ursachen und Bekämpfungen bei Schimmelbefall

  • Abb. 1: Schimmelpilzbefall nach einem schleichenden Wasserschaden durch eine Leckage an Trinkwasserrohren. Der Befall war unterhalb der Tapete stärker ausgeprägt als auf der Tapetenoberfläche.Abb. 1: Schimmelpilzbefall nach einem schleichenden Wasserschaden durch eine Leckage an Trinkwasserrohren. Der Befall war unterhalb der Tapete stärker ausgeprägt als auf der Tapetenoberfläche.
  • Abb. 1: Schimmelpilzbefall nach einem schleichenden Wasserschaden durch eine Leckage an Trinkwasserrohren. Der Befall war unterhalb der Tapete stärker ausgeprägt als auf der Tapetenoberfläche.
  • Abb. 2: Aufnahme eines Klebefilmpräparates von der Putzoberfläche (Abb. 1) bei 400-facher Vergrößerung im Lichtmikroskop nach Anfärbung mit Baumwollblau. Es sind Sporen und Hyphenstücke von Chaetomium sp. zu beobachten.

Schimmelpilze kommen in unserer Umwelt sowohl außerhalb als auch innerhalb von Innenräumen (Gebäude, Fahrzeuge usw.) natürlicherweise vor. Aber ein Befall mit Schimmelpilzen ist im Innenraum aus hygienischen und gesundheitlichen Gründen nicht zu tolerieren. Die wichtigste Grundvoraussetzung für ein Wachstum von Schimmelpilzen im Innenraum ist das Vorkommen ausreichender Feuchtigkeit im und am Material.

Ab einer Ausgleichsfeuchte (Wert des Wasserdampfes an der Grenzfläche zwischen Material und Umgebung) von ca. 70 % können xerophile („trockenliebende") Schimmelpilze wachsen [1]. Ab 80 % Ausgleichsfeuchte sind die Wachstumsbedingungen der meisten im Innenraum vorkommenden Schimmelpilzarten erreicht; einige Arten haben ihren Optimalbereich allerdings erst bei 90 bis 96 % [2]. Die erhöhte Feuchtigkeit kann durch den Nutzer selbst zustande kommen (erhöhte Feuchteproduktion, unzureichendes Lüften und Heizen, falsche Möblierung), baulich bedingt sein (z. B. Wärmebrücken, mangelnde Wärmedämmung) sowie durch Wasserschäden oder von außen ins Gebäude eindringendes Wasser (z. B. aufsteigende Feuchte, drückendes Wasser) verursacht werden [3].

Der Schimmelpilzbefall
Bei einem Befall im Innenraum kann es zur Anreicherung von Schimmelpilzsporen und anderen Schimmelpilzbestandteilen in der Raumluft kommen, die nach Einatmung zu schleimhautreizenden und/oder allergischen Symptomen führen können. Daneben geben betroffene Raumnutzer auch unspezifische Symptome wie Kopfschmerzen und Müdigkeit an [4]. Die kausalen und quantitativen Zusammenhänge zwischen Feuchtigkeitsschäden und Gesundheitsbeschwerden sind bisher nicht geklärt, aber die Anwesenheit von Feuchtigkeit und / oder Schimmel im Innenraum ist nach Angaben der WHO (2009) als potenzielle Gefährdung anzusehen [5]. Da die Mechanismen für die auftretenden Symptome nicht hinreichend bekannt sind, sind auch die diagnostischen Methoden zur Erfassung der gesundheitlichen Wirkung unzureichend, was für die Betroffenen entsprechend unbefriedigend ist. Die dadurch entstehende Verunsicherung wird außerdem durch das Internet und andere Medien mit Hilfe von reißerischen und angstschürenden Beiträgen enorm verstärkt [6].

Die Tatsache, dass die allergenen und reizenden Bestandteile von Schimmelpilzen unabhängig von der Keimfähigkeit wirksam sind, hat Auswirkungen auf die Sanierungsmaßnahmen und die Methodik zum Nachweis von Schimmelpilzen im Innenraum.

Das Abtöten von Schimmelpilzen mit Desinfektionsmitteln beseitigt aus dem genannten Grund nicht die gesundheitsbeeinträchtigenden Schimmelpilzbestandteile. Stattdessen sollte die Ursache für den Befall (gleichzusetzen mit der Ursache für die Feuchtigkeit) geklärt und beseitigt und die Schimmelpilze rein mechanisch entfernt werden [7]. Dies umfasst eine Reinigung oder den Ausbau der betroffenen Materialien und eine anschließende Feinreinigung des gesamten Sanierungsbereiches bzw. der gesamten Räumlichkeiten, um vorab verteilte Schimmelpilzsporen ebenfalls zu entfernen. Wenn Schimmelpilzen mit der Beseitigung der Feuchtigkeit die Lebensgrundlage entzogen und der Befall vollständig entfernt wird, ist der Einsatz von Desinfektionsmitteln überflüssig. Sie sollten nur in Ausnahmefällen oder für die Anwendung sehr kleiner Flächen verwendet werden.

Analyse des Schimmelpilzbefalls
Bei Untersuchungen von Innenräumen auf Schimmelpilzbefall werden die Oberflächen und Materialien direkt und/oder die Raumluft untersucht. Welche Methoden zur Anwendung kommen, hängt von dem Schadensbild und der Fragestellung des Auftraggebers ab. Die Methoden sind in der VDI 4300 Blatt 10 beschrieben [8]. Bei den kultivierenden Methoden werden grundsätzlich die Nährböden Malzextrakt-Agar und Dichloran-Glycerin-(DG18)-Agar verwendet. Die Inkubation erfolgt bei 25 ± 2 °C und bei speziellen Fragestellungen zusätzlich bei 36 ± 2  °C zur Erfassung von thermotoleranten Schimmelpilzarten. Die Proben werden ab dem 3. bis zum ca. 7. Tag, ggf. auch bis zum 10. Tag, ausgewertet. Die auf Kultivierung basierenden Methoden erfassen nur die keimfähigen und auf den verwendeten Nährböden kultivierbaren Organismen. Außerdem liegt das Ergebnis aufgrund der Wachstumszeit erst nach 7 bis 10 Tagen vor. Allerdings können die nachweisbaren Schimmelpilze bis zum Artniveau bestimmt werden. Die mikroskopischen Verfahren können in eiligen Fällen noch am Tag der Probenahme Ergebnisse liefern und erfassen neben den keimfähigen auch die nicht-keimfähigen und schwer kultivierbaren Schimmelpilzsporen und -hyphen (Zellfäden). Dies ist besonders bei Sanierungskontroll-Untersuchungen wichtig, da oft Zeitdruck herrscht und in der Praxis entgegen der Empfehlung des Umweltbundesamtes häufig Desinfektionsmittel eingesetzt werden. Mikroskopische Methoden können aufgrund der Erfassung auch der nicht-keimfähigen Schimmelpilzstrukturen den Erfolg von Reinigungsmaßnahmen besser belegen oder widerlegen als kultivierende Methoden.

Bei der Luftuntersuchung werden häufig diese beiden Methoden angewendet: ein definiertes Luftvolumen wird entweder über Nährböden (Luftkeimmessung, Kultivierung) oder über Objektträger mit klebriger Oberflächenbeschichtung (Partikelmessung, Mikroskopie) geleitet. Die Konzentration der nachweisbaren Schimmelpilze wird bei der Luftkeimmessung als koloniebildende Einheiten (KBE) und bei der Partikelmessung als Sporen pro Kubikmeter Luft angegeben. Aufgrund der schwankenden Konzentrationen und Zusammensetzungen der Außenluft in Abhängigkeit der Jahres- und Tageszeit sowie des Standorts erfolgt die Bewertung der Innenraumluft im direkten Vergleich zur Außenluft. Bewertungshilfen bietet das Umweltbundesamt im Schimmelpilzsanierungs-Leitfaden [3], die eine Einstufung in „Innenraumquelle unwahrscheinlich", „Innenraumquelle nicht auszuschließen" und „Innenraumquelle wahrscheinlich" ermöglichen.

Probenahme von Schimmelpilzen
Die Entnahme von Materialproben geht naturgemäß mit Zerstörung einher, hat aber den Vorteil, dass auch tiefere Schichten (z. B. von Putz) oder beide Seiten einer Tapete im Labor untersucht werden können. Dies gibt u. a. Aufschluss darüber, ob eine oberflächliche Reinigung des Materials ausreicht oder ob es vollständig entfernt werden muss. Das Material kann entweder direkt mikroskopiert oder im Suspensionsverfahren aufgearbeitet und kultiviert werden. Die Untersuchung einer Oberfläche kann hingegen zerstörungsfrei erfolgen. Dazu wird entweder ein Abklatsch mit Nährmedien in speziellen Petrischalen oder Kunststoffhüllen vorgenommen oder ein transparenter Klebefilm auf die zu untersuchende Oberfläche gedrückt, der anschließend mikroskopisch ausgewertet wird. Bei Oberflächen- und Materialproben geht es weniger um quantitative als um qualitative Aussagen zum Vorhandensein eines Befalls und zu den vorkommenden Schimmelpilzgattungen/-arten. Wie bei der Luftmessung liegen die Vorteile der mikroskopischen Methoden in der Schnelligkeit des Ergebnisses und in der Erfassung nicht-keimfähiger und schwer kultivierbarer Schimmelpilzstrukturen [1]. Ferner lässt die Beobachtung von Pilzmyzel den Schluss zu, dass auf der beprobten Stelle tatsächlich Pilzwachstum erfolgt und nicht nur Anflugsporen vorliegen, was durch kultivierende Methoden nicht unterschieden werden kann. Manche Materialien lassen sich allerdings nicht oder nur bedingt mikroskopieren und der Zustand der Pilzstrukturen lässt nicht immer eine Zuordnung zu Gattungen oder Arten zu, was bei der Kultivierung hingegen möglich ist.

Darüber hinaus finden andere Methoden für die Innenraumdiagnostik Anwendung: Nachweis von Schimmelpilzen im Hausstaub oder von mikrobiell gebildeten, flüchtigen, organischen Verbindungen (MVOC) in der Raumluft, Aktivitätsbestimmungen an Oberflächen mit Hilfe eines ATP-Schnelltests, Nachweis einzelner Spezies oder Myktoxine mittels ELISA-Schnelltests u. v. m.. Die Aussagekraft dieser Methoden wird umstritten diskutiert, weshalb diese Methoden seltener durchgeführt werden.

Fazit
Die Auswahl der für das Schadensbild und die Fragestellung sinnvollen Methoden, die Probenahme und die Auswertung der Proben erfordert sehr viel Erfahrung und Sachverstand. Zunehmend werden in Apotheken oder im Internet Schnelltests zur Selbstdurchführung angeboten. Allein die Fehler, die der Laie u. U. bei der Probenahme macht, und die nicht-standardisierten Transportbedingungen zum Labor können das Ergebnis stark verfälschen, so dass der Nutzen für den Anwender fraglich ist [6].

Literatur: http://bit.ly/Toepfer-Literatur

Weitere Beiträge zum Thema: http://bit.ly/Schimmelpilz
Mehr Informationen: http://bit.ly/Allergien

 

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