Elektromobilität „Nein Danke“

Editorial GIT 01/17

Warum mit Strom Mist machen, wenn man aus Mist Strom machen kann?, fragt ein Plakat aus den 80er Jahren, das ein Atomkraftwerk und eine Kuh zeigt. Wo der Strom herkommt, muss heute wieder öfter berichtet werden, denn leider kommt er für viele wieder aus der Steckdose. Da passt es gut, dass die Gesellschaft für deutsche Sprache „postfaktisch“ zum Wort des Jahres gewählt hat. Es scheint keine Rolle mehr zu spielen, ob eine Behauptung wahr oder falsch ist. Es ist für viele wichtiger, wer sie von sich gibt und wieviele Menschen das Behauptete mögen und bestätigen.
Elektroautos seien umweltfreundlicher als Verbrennungsmotoren. Oft heisst es sogar „emissionsfrei“. Nicht einmal das oft bemühte Milchmädchen vor über hundert Jahren hätte das geglaubt. Bereits vor dem Verbrennungsmotor wurden Elektromotoren in Fahrzeugen verwendet. 1881 stellte Gustave Trouvé das batteriegetriebene Elektroautomobil „Trouvé Tricycle“ vor und 1882 entstand „Elektromote“ von Werner Siemens. Dieses Fahrzeug sah dem verbrennungsmotorgetriebenen Fahrzeug aus dem Hause Benz (1885) recht ähnlich, hatte aber bereits 4 Räder und war an eine Oberleitung gebunden.
Warum hat sich damals der Verbrennungsmotor gegen den Elektromotor duchgesetzt? Bereits Werner Siemens kannte die Antwort und hat sein Fahrzeug deshalb durch eine externe Energiequelle gespeist: Die Speicherung des Stromes ist schwierig und Batterien sind schwer. Am Elektromotor selber liegt es nicht.
Aufgrund des simplen Prinzips hatten bereits frühe Elektromotoren einen höheren Wirkungsgrad als Verbrennungsmotoren. Zwar ließ sich der Wirkungsgrad von Elektromotoren seither steigern, bei Verbrennungsmotoren hat er sich aber mehr als verhundertfacht. Auch die Speicherkapazität (Wh/kg) von Batterien hat sich nur mäßig steigern lassen.
Karl Benz‘s Verbrennungsmotor des Motorwagens (Typ 1) leistete etwa 0,7 PS aus 1,1 L Hubraum bei einem Verbrauch von 10 L Ligroin pro hundert Kilometer. Ein Hundai I10, der sicher nicht das Ende der Entwicklung im Bereich Automobil ist, leistet aus dem gleichen Hubraum etwa 70 PS und verbraucht die Hälfte. Die technische Entwicklung der Antriebskonzepte hat demzufolge die Nachteile des Elektroantriebs einseitig verstärkt, was sich auch heute im Vergleich zeigt.

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Elektroautos sind noch immer schwer, teuer, haben eine geringe Reichweite und müssen lange geladen werden. Zudem müssen die Batterien regelmäßig ausgetauscht werden. 

Natürlich muss auch der Strom erzeugt werden. Er stammt überwiegend aus fossilen Energieträgern (weltweit 70 %) oder aus Atomkraftwerken (20 %). Nur in etwa die verbleibenden 10 % stammen aus regenerativen Energiequellen, die zudem in ihrer Energie- und Umwelteffizienz umstritten sind. Auf dem Weg aus dem Kraftwerk über Ladestationen in Batterien geht zudem viel Energie verloren, bevor sie vom Elektromotor in Bewegung umgewandelt werden kann.
Der mit Abstand größte Teil der Umweltverschmutzung, die ein Auto verursacht, entsteht bei der Herstellung. Gerade diese ist bei Elektrofahrzeugen, vor allem aufgrund der Batterien, aufwendiger als bei einem Verbrennungsmotor. In Elektrofahrzeugen werden heute Lithium Ionen Akkus eingesetzt. Lithium ist schwer zu gewinnen. Zwar kommt es auf der Erde relativ häufig vor, allerdings sehr gleichmäßig verteilt. Man muss also sehr viel Material verarbeiten, um Lithium zu gewinnen. Die größten Vorkommen der Erde (~30 %) befinden sich mitten in der Atacama Wüste in Chile, der trockensten Ecke der Welt. Für die Lithium Gewinnung wird aber viel Wasser benötigt. Neben einigen kleinen sehr salzigen Tümpeln, befindet sich das Wasser dieser Region unter der Erde. Salzablagerungen in den ausgetrockneten Seen an der Oberfläche enthalten Lithium in niedrigen Konzentrationen. Das salzhaltige Wasser aus der Tiefe wird in flache Lagunen mit den Ablagerungen gepumpt und verdunstet, zurück bleibt angereichertes Salz. So wurde der Grundwasserspiegel bereits abgesenkt. Das einzige Feuchtgebiet in der Atacama steht vor der Vernichtung.
Bis Speichertechnologien für Energie und zugleich umweltfreundliche Technologien zur Stromerzeugung in ausreichender Menge verfügbar sind, sind Elektrofahrzeuge nicht umweltfreundlicher als herkömmliche.
Ein Verbrennungsmotor wandelt komplexere Kohlenwasserstoffe stöchiometrisch in CO2 um, Benzinverbrauch und CO2 Produktion sind direkt proportional. Daher ist die Berechnung der CO2 Produktion, wie wir sie den Fahrzeugdaten entnehmen können, postfaktisch. Wenn Ihnen die Umwelt am Herzen liegt, kaufen Sie kein Elektroauto und erst recht keinen Hybrid. Wenn Fahrrad und öffentliche Verkehrsmittel keine Alternative sind, behalten Sie Ihr altes Auto, vor allem wenn es klein, leicht, gut gepflegt und sparsam ist. Je länger ein Auto (mit funktionierendem Kat) auf der Straße bleibt, desto umweltfreundlicher wird es, das ist ein Fakt. 
 
 
Dr. Arne Kusserow
Chefredakteur
GIT Verlag

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