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Hochgiftiges Bromcyan kontrolliert Biofilm-Bildung am Meeresgrund

31.01.2012
Hochgiftiges Bromcyan kontrolliert Biofilm-Bildung am Meeresgrund. Der Chemiker Prof. Dr. Georg Pohnert von der Friedrich-Schiller-Universität Jena überprüft Algenkulturen, die in einem speziellen Container gehalten werden. Bild: Jan-Peter Kasper/FSU
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Hochgiftiges Bromcyan kontrolliert die Biofilm-Bildung am Meeresgrund. Die nur wenige Mikrometer großen Kieselalgen Nitzschia cf pellucida hüllen sich und ihre Umgebung in das hochtoxische Gift (wesentlich giftiger als Blausäure), das andere Mikroorganismen gründlich entfernt und so den Meeresgrund, auf dem die Kieselalgen wachsen, "desinfiziert". So können sie selbst ideal gedeihen und halten direkte Konkurrenten um Licht und freie Fläche in Schach.

Erstmals biogenes Bromcyan entdeckt
Bromcyan (BrCN) ist ein hochtoxisches Stoffwechselgift und wird u. a. zum Auslaugen von Golderzen eingesetzt. Während des ersten Weltkriegs kam es auch als chemische Waffe zum Einsatz. „Bisher war nicht bekannt, dass dieses Gift in der belebten Natur überhaupt vorkommt", sagt Prof. Dr. Georg Pohnert von der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Für Nitzschia cf pellucida scheint die Produktion von Bromcyan aber eine leichte Übung zu sein. Sobald die ersten Sonnenstrahlen durch das Wasser dringen, beginnt es in der zelleigenen Giftküche zu arbeiten. „Zwei bis vier Stunden nach Tagesanbruch ist die Konzentration des abgegebenen Bromcyans am höchsten, später nimmt sie schnell wieder ab", erläutert Prof. Pohnert ein Ergebnis der aktuellen Studie.

Zukünftige Forschungsziele
Warum das Gift dabei den Kieselalgen selbst nichts anhaben kann, darüber rätseln die Forscher derzeit noch. Fest steht: Während die Algenkonkurrenz nach spätestens zwei Stunden unter Bromcyan die Waffen streckt, macht das Gift in dieser Zeit Nitzschia cf pellucida nichts aus. Die Gründe dafür zu finden, ist eines der Forschungsziele, das die Jenaer Wissenschaftler und ihre belgischen Partner als nächstes verfolgen wollen. Das sei jedoch reine Grundlagenforschung, wie Chemiker Pohnert betont. Für eine praktische Anwendung - etwa um unliebsamen Algenbewuchs einzudämmen - sei Bromcyan gänzlich ungeeignet. Denn fest steht, dass dabei nicht nur die Algen Schaden nehmen würden.

Originalliteratur:
Vanelslander B et al.; Daily bursts of biogenic cyanogen bromide (BrCN) control biofilm formation around a marine benthic diatom; PNAS 2012

 

 

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