21.11.2012
NewsInterviews

Christiane Riefler-Karpa, eine Unternehmerin im Interview

In der Ruhe liegt die Kraft

  • Abb.1: Christiane Riefler-Karpa, MemmertAbb.1: Christiane Riefler-Karpa, Memmert
  • Abb.1: Christiane Riefler-Karpa, Memmert
  • Abb.2: Christiane Riefler-Karpa mit Chrissie Wellington, Weltrekordhalterin im Damen-Triathlon in Roth
  • Abb. 3: Teamwork
  • Abb. 4: Eröffnung der Memmert Niederlassung in Shanghai.

Christiane Riefler-Karpa ist schnell, sehr schnell. Unter ihrer Führung legt Memmert, ein weltweit führendes Unternehmen im Bereich Inkubatoren und Wärmeschränke für Labore, trotz einer schwierigen weltwirtschaftlichen Lage, ein rasantes Wachstum hin. Sie zeigt, dass sich verantwortungsbewusstes unternehmerisches Handeln und wirtschaftlicher Erfolg nicht gegenseitig ausschließen.

Christiane Riefler-Karpa beweist einmal mehr, dass es sich im wahrsten Sinne des Wortes „lohnt" mit den geschäftlichen Partnern ebenso wie mit den eigenen Beschäftigten respektvoll, umsichtig und einfühlsam umzugehen. Der „Lohn" dafür ist, neben einer sehr starken geschäftlichen Entwicklung, persönliche Lebensfreude. Und dies ist die beste Motivation um unter hoher Belastung herausragende Leistungen zu erbringen, ganz gleich in welcher Position. Wie so oft ist es auch hier der eigentümergeführte Mittelstand der belegt, dass soziales und gesellschaftliches Verantwortungsbewusstsein ein großer Vorteil sein kann, insbesondere wenn man Wert auf motivierte und leistungsfähige Mitarbeiter legt.

GIT Labor-Fachzeitschrift: Frau Riefler-Karpa, Sie leiten ein mittelständisches Unternehmen in Deutschland. Was sind Ihrer Meinung nach die Vor- und die Nachteile des Standortes Deutschland für ein Unternehmen wie Ihres?

C. Riefler-Karpa: Das größte Plus des Standortes Deutschland sind sicher die hervorragend ausgebildeten Fachkräfte. Abgesehen davon ist Deutschland ja auch einer unserer wichtigsten Märkte, da ist es nur von Vorteil, wenn man in nächster Nähe zum Kunden entwickeln und fertigen kann. Natürlich gibt es auch in unserer Branche, vor allem aufgrund der in Asien gefertigten Geräte, in manchen Bereichen Preisdruck. Wir fangen die höheren Lohnkosten daher mit einem intelligenten Mix aus Automatisierung und menschlicher Arbeitskraft sowie einer effi zienten Organisation auf. In den vergangenen Jahren haben wir kräftig in die wertstromoptimierte Umstellung unserer Fertigung sowie in Bearbeitungszentren investiert und werden in den nächsten Wochen noch ein weiteres Blechbearbeitungszentrum in unserer zentralen Fertigung in Büchenbach in Betrieb nehmen.

Memmert bleibt also made in Germany.

Wie gestalten Sie ein Arbeitsumfeld, das Ihren Angestellten deren hohe Motivation ermöglicht?

C. Riefler-Karpa: Sport und Bewegung halten in erster Linie gesund, in zweiter Linie sind sie aber meiner Meinung nach wesentliche Faktoren für mehr Leistungsfähigkeit und Lebensfreude. Daher unterstützen wir unsere Mitarbeiter nach Kräften. Wir bieten zwei Mal pro Woche einen Lauftreff in der Mittagspause an, der von einem professionellen Trainer betreut wird, sowie eine Nordic Walking-Gruppe. Wir übernehmen einen Zuschuss zum Abo in einem lokalen Fitnessstudio, wir übernehmen die Startgebühren für Triathlon-Wettkämpfe oder Wettkämpfe der Laufgruppe. Die Beteiligung nimmt stetig zu. Neben unserem Werk in Büchenbach haben wir einen wunderschönen Fußballplatz angelegt und unser Memmert-Fußballteam spielt und trainiert regelmäßig. Ich freue mich sehr, dass diese Angebote angenommen werden, denn natürlich profitieren auch wir als Unternehmen von motivierten und ausgeglichenen Mitarbeitern.

Bitte skizzieren Sie Ihre Karriere, die Sie in diese Position geführt hat.

C. Riefler-Karpa: Da meine Eltern in der Geschäftsleitung gearbeitet haben, war für meine Schwester und mich das Unternehmen Memmert natürlich von klein auf Spielplatz und Kinderstube. Aber ich habe mich nie als Tochter gesehen, deren weiterer Lebensweg durch das Firmenunternehmen vorbestimmt ist, sondern wollte mir eine unabhängige Karriere aufbauen. Bevor ich ab dem Jahr 2005 Schritt für Schritt die Verantwortung von meinen Eltern übernommen habe, hatte ich bereits mehrere Jahre Erfahrung in Vertrieb, Einkauf und Logistik in nationalen und internationalen Unternehmen gesammelt. Dazu kommt natürlich noch die sehr lehrreiche Zeit als Familienmanagerin, denn ab dem Jahr 2002 hatte ich mich voll und ganz der Erziehung meiner drei Töchter gewidmet.

Wie schaffen Sie es, Ihren anspruchsvollen Beruf und Ihre Familie unter einen Hut zu bekommen?

C. Riefler-Karpa: Eines der Privilegien, das ich für mich als Geschäftsführerin in Anspruch nehme ist, dass ich, wenn meine Kinder krank sind, Besprechungen auch einmal kurzerhand nach Hause verlege. Wenn die Kinder unserer Mitarbeiter nicht anders betreut werden können, werden sie auch mal in die Firma und zu Besprechungen mitgebracht - übrigens durchaus auch von Männern.
Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist mir sehr wichtig. Das hat bei Memmert große Tradition, da ja auch schon meine Mutter viele Jahrzehnte das Unternehmen mitgeprägt hat. Wenn einmal die Kinder krank waren, dann hat sie ihre Mitarbeiterinnen nach Hause geschickt. In vielen Firmen trauen sich die Mitarbeiterinnen nicht, die freien Tage in Anspruch zu nehmen, die ihnen aufgrund der Krankheit ihrer Kinder zustehen. Bei uns ist das kein Problem, die Mütter (und hoffentlich auch immer mehr Väter) haben dadurch weniger Stress.

Sie bestreiten regelmäßig Triathlon-Wettkämpfe. Woher nehmen Sie, nach einem anstrengenden Arbeitstag, die Kraft für das Training?

C. Riefler-Karpa: Ich trainiere bis zu zehn Stunden pro Woche, vor einem Wettkampf können es auch mal zwölf oder dreizehn Stunden sein. Das ist sicher viel Zeit aber Sport ist für mich kein Luxus, sondern notwendig, um die Doppelbelastung als Geschäftsführerin und dreifache Mutter überhaupt bewältigen zu können. Ich ziehe daraus die Kraft für den Job und die Familie.

Mit welchen besonderen Widerständen und Vorurteilen hatten Sie in Ihrer Position als Geschäftsführerin zu kämpfen?

C. Riefler-Karpa: Glücklicherweise gab es da überhaupt keine Probleme. Ich werde überall gleichermaßen akzeptiert. Natürlich hilft mir dabei auch, dass unsere Kunden daran gewöhnt sind, mit Frauen zu verhandeln. Wir waren schon immer ein sehr exotisches, weil frauenlastiges Unternehmen. Schon mein Vater hat sehr viele Frauen im Vertrieb eingestellt und meine Mutter war als Tochter des Firmengründers und als technische Leiterin bei Memmert hoch angesehen. Als dritte Generation musste ich da also keine neuen Strukturen schaffen oder um meine Akzeptanz kämpfen, sondern konnte auf gewachsene Beziehungen aufbauen. Wir sind bei Memmert traditionell anders geprägt und beweisen schon seit vielen Jahrzehnten, dass es keine „Trinkgelage" braucht, um Kundenbeziehungen langfristig aufzubauen und über viele Jahrzehnte aufrechtzuerhalten. Der respektvolle Umgang mit Kollegen, Kunden, aber auch Lieferanten, ist uns schon immer wichtig gewesen - der hohe Frauenanteil ist sicher ein klein wenig dafür verantwortlich.

Memmert ist in China sehr stark positioniert. Auf welche Schwierigkeiten muss sich ein deutscher Unternehmer einstellen, wenn er auf den asiatischen Märkten aktiv werden möchte, und wie sind Sie mit diesen Schwierigkeiten fertig geworden?

C. Riefler-Karpa: Bekanntermaßen liegen die größten Hürden für einen erfolgreichen Marktausbau in der unterschiedlichen Mentalität und Kultur. Man muss viel Geduld aufwenden, um mit chinesischen Geschäftspartnern eine langjährige und vertrauensvolle Beziehung aufzubauen. Vor allem die persönliche Beziehung von Mensch zu Mensch ist wichtiger als in anderen Märkten. Daher legen wir viel Wert auf regelmäßige Besuche bei unseren Kunden vor Ort. Kaufentscheidungen dauern oft länger, es wird viel von einem Lieferanten erwartet und auch die Verhandlungen gestalten sich völlig anders. In China schätzt man die direkte Art vieler Europäer nicht unbedingt, da bewegt man sich eher spiralförmig um ein Thema herum, bis man ans Ziel gelangt. Wir haben daher unsere Mitarbeiter ganz langsam mit Schulungen und Coachings an die Bearbeitung des chinesischen Marktes herangeführt. Ein wichtiger Schritt war natürlich der Aufbau einer einheimischen Mannschaft mit der Eröffnung der Memmert-Niederlassung in Shanghai im Jahr 2010 (Abb. 4).

Welche Zukunftspläne haben Sie für sich und Ihr Unternehmen?

C. Riefler-Karpa: In zwei Worten ausgedrückt: gesundes Wachstum. Wir haben in den vergangenen Jahren ein Rekordergebnis nach dem anderen eingefahren, mit jährlichen Umsatzsteigerungen im hohen zweistelligen Bereich. Jetzt beginnt die Phase weiteren qualitativen Wachstums. Wir möchten in geografischer Hinsicht noch näher zu unseren Kunden, sei es mit „preferred partnerships", Repräsentanten oder Niederlassungen. Und dieses Wachstum steht auf gesunden Beinen: So haben unsere Mitarbeiter mit großem Engagement und viel Begeisterung die neue Memmert Gerätegeneration 2012 entwickelt, die auf der Achema erstmals vorgestellt wird. Wir wollen mit anwendungsbezogenen Geräten nah an unseren Kunden dran sein. Einige Features unserer neuen Gerätegeneration, wie das intuitiv bedienbare Touchscreen-Display, die völlig überarbeitete Programmiersoftware sowie die komfortable Türkonstruktion, unterstreichen diesen Anspruch. Wir sind ein ständig lernendes Unternehmen, das tagtäglich seine Kunden und deren Träume und Wünsche noch ein Stückchen besser verstehen möchte.

Follow Memmert on facebook: www.facebook.com/memmert.family

 

Kontaktieren

Memmert GmbH & Co. KG
Äußere Rittersbacherstr 38
91126 Schwabach
Germany
Telefon: +49 9122 9250
Telefax: + 49 9122 14585

Jetzt registrieren!

Die neusten Informationen direkt per Newsletter.

To prevent automated spam submissions leave this field empty.