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Dr. Thomas Geelhaar, Merck, plädiert für steuerliche Forschungsförderung

17.06.2011
Dr. Thomas Geelhaar, Chief Technology Officer des Unternehmensbereichs Chemie bei  Merck, plädiert für steuerliche Forschungsförderung der Merck KGaA
Dr. Thomas Geelhaar, Chief Technology Officer des Unternehmensbereichs Chemie bei Merck, plädiert ... Weiter

Mit der Inbetriebnahme eines neuen Forschungszentrums setzte das Pharma- und Chemieunternehmen Merck nach eigenen Aussagen ein Ausrufezeichen hinter die chemische Forschung an seinem Stammsitz in Darmstadt. Das im September eröffnete Material Research Center soll zum Kristallisationspunkt von Forschung, Wissen und Innovatio­nen innerhalb der Chemieforschung bei Merck werden. In der Chemieforschung arbeitet Merck an Lösungen für Zukunftsfragen wie Energie, Kommunikation, Mobilität und Gesundheit. Dr. Michael Reubold sprach darüber und über die Rahmenbedingungen für Chemieforschung in Deutschland mit Dr. Thomas Geelhaar, Chief Technology Officer des Unternehmensbereichs Chemie der Merck KGaA.

Herr Dr. Geelhaar, welchen Stellenwert hat die Chemieforschung im Pharma-und-Chemie-Mischkonzern Merck?

Dr. T. Geelhaar: Wir sind als diversifiziertes Unternehmen in beiden Bereichen aktiv: im Bereich Pharma in den Sparten Merck Serono und Consumer Health und in der Chemie mit Performance Materials und der neuen Sparte Merck Millipore. Durch die Akquisition von Millipore haben wir die Chemie gestärkt. Vor der Akquisition hatten wir etwa 140 Mio. € im Jahr in die Chemieforschung investiert. Das sind über 7 % vom damaligen Umsatz von etwa 1,9 Mrd. €. Mit Merck Millipore zusammen werden wir dieses Jahr etwa 240 Mio. € in die F&E im Unternehmensbereich Chemie investieren, damit wird die Quote weiter deutlich über 7 % liegen. Und das ist ein starkes Bekenntnis für die beiden Chemiebereiche Life Sciences und Hightech-Materia­lien, in denen wir auch künftig eine wesentliche Rolle spielen wollen.

Der Name des neuen Forschungszentrums für die Chemie - Material Research Center - suggeriert, dass dort vor allem neue Materialien entwickelt werden sollen. Was versteht Merck unter dem Begriff Materials?

Dr. T. Geelhaar: Unter Materialforschung verstehen wir die Entwicklung von Hightech-Materialien für Anwendungen in den Bereichen Display, Kommunikation, Beleuchtung und Energie, aber auch im Umfeld von Life Science beim Thema Mi­krobiologie. Da wir uns hier in der Anwendungstechnik interdisziplinär zwischen Chemie/Physik auf der einen und Biologie/Medizin auf der anderen Seite bewegen, ist für uns dieser Begriff Materialforschung der zentrale Ansatzpunkt gewesen, um deutlich zu machen, dass es uns um die Wertschöpfung aus der Forschung geht, und die findet letztlich mit den von uns entwickelten Materialien und Formulierungen bei unseren Kunden in den unterschiedlichsten Anwendungen statt.

Deshalb auch die deutlich über dem Branchendurchschnitt liegende F&E-Quote?

Dr. T. Geelhaar: Ja, wir investieren deshalb so viel in diese neuen Themen, weil wir verstehen wollen, wo zukünftige Anwendungen und mögliche Märkte für unsere Forschungsergebnisse sind.

Wenn wir das nicht betrachten würden, wären wir nur ein Chemielieferant, so sind wir Materialhersteller und -formulierer, der mit höherwertigen Materialien mit einer Charakterisierung in der Anwendung den Kunden eine höhere Wertschöpfung ermöglicht. Das erfordert aufgrund der dafür notwendigen Ausstattung z. B. mit Reinräumen und Messtechnik wesentlich höhere Investitionen.

Kommt es auch auf Geschwindigkeit - Time-to-market - an?

Dr. T. Geelhaar: Natürlich! Denken Sie an die kurzen Innovationszyklen im Hightech-Bereich. Unsere Flüssigkristalle oder Pigmente gehen z. B. in Anwendungen, wo neue Gerätegenerationen zwei- oder gar dreimal im Jahr auf den Markt gebracht werden, weil es immer noch ein bisschen besser, schneller oder energieeffizienter geht. Und jedes Mal müssen wir mit einer Neuqualifikation unserer Produkte dabei sein. Wir sehen uns nicht nur als Innovationsmotor oder Katalysator neuer Anwendungen, sondern als der Partner unserer Kunden, der es ihnen ermöglicht, Innovationen in einer Geschwindigkeit in den Markt zu bringen, die heute erforderlich sind.

Sie haben bereits einige Beispiele genannt. Welches sind denn die wichtigsten Anwendungen, für die Sie forschen?

Dr. T. Geelhaar: Wir haben im Materialforschungszentrum fünf Schwerpunkte. Da sind zunächst unsere beiden großen Themen Flüssigkristalle und OLED. Das dritte sind Materialien für Leuchtdioden, also LED-Materialien. Viertens beschäftigen wir uns mit der Forschung auf dem Gebiet mobiler Energie und fünftens mit mikrobiologischen Fragestellungen.

Woran orientieren sich die Themen, die Sie bearbeiten?

Dr. T. Geelhaar: Wir betrachten wie viele andere Unternehmen und wie die Bundesregierung im Rahmen ihrer Hightech-Strategie die Mega­trends. Und die wichtigsten Mega­trends für uns sind die oben angesprochenen fünf Gebiete: Kommunikation, Energieeffizienz, Mobilität und auch die Themen Ernährung und Gesundheit.

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