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Ein erstklassiges Beispiel für eine strategische Akquisition

Merck Millipore

03.09.2010
Dr. Bernd Reckmann, Leiter der neu gegründeten Sparte Merck Millipore und Mitglied der Geschäftsleitung von Merck im Interview mit Dr. Arne Kusserow, Chefredakteur des G.I.T. Laboratory Journal.
Dr. Bernd Reckmann, Leiter der neu gegründeten Sparte Merck Millipore und Mitglied der ... Weiter

Es gibt verschiedene Gründe, Unternehmen zu erwerben, beispielsweise Wachstum, Investition, Innovation, Synergien, Ausschalten eines Wettbewerbers und nicht zuletzt die Unterstützung der Geschäftsstrategie des eigenen Unternehmens. Was die Strategie angeht, so ist die Übernahme von Millipore durch Merck ein Beispiel für eine perfekte strategische Akquisition. GIT sprach darüber mit Dr. Bernd Reckmann, Leiter der neu gegründeten Sparte Merck Millipore und Mitglied der Geschäftsleitung von Merck.

Herr Reckmann, Millipore ist eine nahezu perfekte Ergänzung des bestehenden Portfolios von Merck. Gab es für diese Transaktion Auflagen seitens der Behörden?
B. Reckmann: Nein, denn es ist tatsächlich eine perfekte Ergänzung. Die Akquisition ist äußerst komplementär. Es gibt nur sehr kleine Bereiche, in denen sich Produkte überlappen. Wir sind damit einer der führenden globalen Akteure im Life-Science-Markt geworden. Jetzt haben wir eine deutlich größere globale Reichweite als Millipore sie zuvor alleine hatte. Merck hat damit viele hoch attraktive und sehr innovative Produkte hinzu gewonnen. Andererseits bieten wir jetzt mehr Möglichkeiten für die Millipore-Produkte, insbesondere im Vertrieb über das globale Netzwerk von Merck an Kunden in aller Welt. Millipore ist spezialisiert auf Wachstumsmärkte, und das gesamte Geschäft wird durch Innovation getrieben. Millipore ist eine starke Marke, und die Produkte weisen gesunde Margen auf, was optimal zu Merck passt. Ich habe noch niemanden getroffen, der dies nicht für einen sehr logischen und intelligenten Abschluss hält. Glücklicherweise gab es keine Auflagen, keinerlei Probleme mit den Behörden, weder in den USA noch in Europa. Genau das hatten wir erwartet.

Wie wird Millipore in die Organisationsstruktur von Merck integriert?
B. Reckmann: Millipore verändert Merck Chemicals mit dem Endeffekt, dass wir zwei wachstumsstarke innovative Geschäftsbereiche erhalten. Zum einen das Life Science-Geschäft, das wir jetzt in der Sparte „Merck Millipore" zusammenführen. Das andere ist der Hightech-Geschäftsbereich „Performance Materials".

Dieser umfasst Flüssigkristalle, Pigmente, Kosmetika und andere materialorientierte Bereiche. In der Merck Millipore-Sparte werden wir drei Business Units haben, nämlich Bioscience, Lab Solutions und Process Solutions. Zu „Process Solutions" gehören die Produkte für die Produktion in der biotechnischen und pharmazeutischen Industrie, einschließlich der Verbrauchsmaterialien von Millipore, Nährmedien und Chemikalien. Der Bereich „Lab Solutions" umfasst das breite Angebot der Reagenzien von Merck, aber auch die Kombination unserer Testprodukte, mikrobiologischen Produkte und das Laborwassergeschäft. Nicht zu vergessen die Millipore-Produkte zur Prozessüberwachung, die uns eine führende Position in dem Geschäft ermöglichen, biologische Verunreinigungen zu verhindern. „Bioscience" bietet Produkte für die Forschung im akademischen Bereich sowie für alle pharmazeutischen und sonstigen Laboratorien, die sich mit Wissenschaft und Technologie befassen. Ich glaube, dass wir tatsächlich etwas sehr Besonderes in unserer Branche schaffen, und das ist auch für mich persönlich eine spannende Entwicklung.

Was bedeutet die Akquisition von Millipore für Merck Serono?
B. Reckmann: Merck Serono ist unser Pharmageschäft, das vollkommen anderes gelagert ist. Natürlich wird Merck Serono ein Kunde von Merck Milli¬pore sein, aber dies ist von untergeordneter Bedeutung. Es hat zumindest unsere Überlegungen nicht beeinflusst, als wir über den Kauf von Millipore entschieden haben. Im Bereich der Technologie gibt es natürlich Überschneidungen, so dass wir eine gemeinsame Basis in der Biotechnologie haben, wenn auch vielleicht mit einem anderen Schwerpunkt. Wenn Sie nach künftigen Perspektiven suchen, so stelle ich fest, dass wir in gewissem Umfang an denselben Themen und Herausforderungen arbeiten. So sind beispielsweise die Arbeiten an Biomarkern, dem Fingerabdruck auf Zellebene und im diagnostischen Bereich bei Merck Millipore und Merck Serono ein gemeinsames Thema.

Was bedeutet die Akquisition für die Präsenz von Merck in Nordamerika?
B. Reckmann: Wir haben jetzt die kritische Masse in Nordamerika erreicht. Wir hatten dort immer Schwierigkeiten, waren im Chemiegeschäft stets unterrepräsentiert. Nun wird Merck Millipore immerhin 35 Prozent des Umsatzes in Nordamerika erzielen.

Spiegelt diese Akquisition einen allgemeinen Trend zur Zusammenführung von Biotechnologie-, Pharma- und Chemieunternehmen wider?
B. Reckmann: Meiner Meinung nach treiben gemeinsame Faktoren diese Branchen an. Wenn man neue Medikamente entwickeln will, und das ist letztlich das, was unsere Kunden tun, braucht man ganz einfach mehr als nur eine einzige Disziplin. Heute ist alles komplizierter geworden, und man muss mit komplexen Netzwerken interagieren. Andernfalls wird man scheitern. Die Pharma- und die Biotech-Industrie stehen in den kommenden Jahren vor enormen Herausforderungen. Wir alle kennen die Diskussionen zum Thema Gesundheitswesen, die überall auf der Welt geführt werden. Wir alle müssen unser Geschäft und unsere Forschung neu erfinden, um effizienter zu werden. Wir müssen unsere Produktionsverfahren verbessern, um unnötige Kosten zu vermeiden. Der Veränderungsdruck wird enorm sein. Merck Millipore ist aber in einer sehr attraktiven Position, um unseren Kunden beim Bewältigen dieses Wandels zu helfen. Dabei kombinieren wir die Stärken beider Organisationen, um genau zu verstehen, was unsere Kunden brauchen. Mit unseren Dienst¬leistungen und Problemlösungen können wir unseren Kunden helfen, ihre Unternehmen auf globaler Basis zu verändern und anzupassen und dabei gleichzeitig auf jeder Ebene der Prozesskette zur Wertschöpfung beitragen.

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