Wenn es um Investitionen geht, steht nach einer aktuellen Studie von Ernst & Young der Standort Deutschland im Ausland hoch im Kurs als attraktivster europäischer Standort und auf Platz 5 im weltweiten Standortranking. Pharmaindustrie und Biotechnologie haben dabei aus Sicht der 812 befragten internationalen Führungskräfte das zweitgrößte Wachstumspotenzial nach der Transport-und Automobilindustrie. China führt das Ranking der Investitionstandorte weiterhin an und löst die USA als stärksten Wettbewerber Deutschlands ab.
Welche drei Länder sind aus Ihrer Sicht die attraktivsten Investitionsstandorte weltweit?
Standort Deutschland ist attraktiv und Nr. 1 in Europa
Gegen den europäischen Trend ist die Attraktivität Deutschlands im Vergleich zum Vorjahr konstant hoch geblieben: 12% der befragten Manager bezeichnen Deutschland als einen der drei Top-Standorte weltweit. Großbritannien und Frankreich sind in der Gunst ausländischer Investoren hingegen gesunken und erhalten nur noch 4 bzw. 3% der Stimmen. Westeuropa insgesamt gilt unter Investoren dennoch immer noch als attraktives Investitionsziel: Im Ranking der wichtigsten Weltregionen belegt es mit 35%(Vorjahr 38%) den zweiten Platz hinter China (38%).
Gute Zukunftsaussichten
47% der Befragten erwarten, dass Deutschlands Attraktivität in den kommenden drei Jahren zunehmen wird, nur 5% erwarten eher eine negative Entwicklung. Anders als viele andere europäische Länder habe Deutschland frühzeitig Reformen eingeleitet, um die eigene Wirtschaft international wettbewerbsfähig zu halten, so Peter Englisch, Partner bei Ernst & Young. Diese Politik zahle sich nun aus: „Deutschland ist ein Global Player, während andere europäische Länder in die zweite Liga abzusteigen drohen".
Das zeigen auch die Befragungsergebnisse: Die wichtigsten Konkurrenten Deutschlands um die Ansiedlung ausländischer Unternehmen sind nicht etwa die europäischen Nachbarländer, sondern China und die USA.
Gute Infrastruktur, aber fehlende steuerliche F&E-Förderung
Besonders gute Noten erhält Deutschland vor allem für die Infrastruktur, das soziale Klima, die Lebensqualität und die Qualifikation der Arbeitnehmer. Relativ schlecht bewertet wird der Standort Deutschland insbesondere in Bezug auf die Arbeitskosten, die (mangelnde) Flexibilität des Arbeitsrechts sowie die Unternehmensbesteuerung. Besonders schädlich ist, dass es in Deutschland keinerlei steuerliche Erleichterungen für Investitionen in Forschung und Entwicklung (FuE) gibt. Fast alle anderen wichtigen europäischen Länder setzen durch zum Teil erhebliche steuerliche Erleichterungen Anreize für mehr Investitionen der Unternehmen im Bereich von FuE. „Wenn wir nicht gegensteuern, droht dem Land der Ideen der Ausverkauf des Know-how", warnt Englisch vor einem Abwandern bestehender Forschungs- und Entwicklungszentren ins Ausland.
Branchen mit Wachstumspotential
Als vielversprechendste Branchen in Deutschland bezeichnen ausländische Manager in erster Linie die Automobilindustrie, die Pharma- und Biotechnologiebranche sowie die IT-Branche. Relativ geringes Wachstumspotenzial billigen sie hingegen dem Banken- und dem Immobiliensektor zu.
Direktinvestitionen nach Europa steigen wieder
Nachdem im Krisenjahr 2009 ein deutlicher Rückgang der ausländischen Direktinvestitionen nach Europa zu verzeichnen war, konnten die europäischen Länder 2010 wieder deutlich mehr Auslandsinvestitionen anziehen: Die Zahl der Investitionsprojekte stieg um 14% auf 3.757, dabei wurden 137.400 Arbeitsplätze geschaffen - 10% mehr als im Vorjahr. Deutschland konnte einen überdurchschnittlich starken Zuwachs verzeichnen: Die Zahl der Investitionsprojekte stieg um 34% auf 560, die Zahl der geschaffenen Arbeitsplätze um 144% auf 12.000. Damit liegt Deutschland nun in der europäischen Rangliste etwa gleich auf mit Frankreich und hinter dem traditionellen Spitzenreiter Großbritannien.
Deutschland braucht den Euro
Vor allem dem Boom in den Schwellenländern ist es zu verdanken, dass die derzeitigen Turbulenzen im Zusammenhang mit der hohen Verschuldung einiger Mitglieder des Euroraums das Wachstum in Deutschland bislang nicht nachhaltig bremsen konnten, so Englisch: „Die negativen Effekte der Schuldenkrise werden durch die anhaltend starke Auslandsnachfrage mehr als kompensiert". Und trotz der derzeitigen Schwierigkeiten innerhalb der Eurozone sei der Euro eindeutig ein Gewinn für die deutsche Wirtschaft, so Englisch: „Deutschland braucht den Euro und den europäischen Binnenmarkt". Das sieht auch die Mehrheit der befragten Manager so: Drei von vier Befragten sind der Meinung, dass Deutschland von einem stabilen Euro abhängig ist. Nur jeder zehnte Investor hält Deutschland für unabhängig von der Stabilität der Gemeinschaftswährung. Und die Mehrheit der ausländischen Investoren (60%) sieht im Euro einen Vorteil für Europa als Investitionsstandort. Nur 17% werten die europäische Gemeinschaftswährung als Wettbewerbsnachteil für Europa.
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