Brauchen wir die Chromatographie wirklich?

Die Rolle der Chromatographie und anderer Nachweistechniken im Kontext der MS

  • Abb. 1: Jeder Analyt, der von der Software automatisch erkannt wurde, ist anhand eines Peak-Markers (grau) hervorgehoben. Die schwarze Kurve stellt das Totalionenstrom-Chromatogramm dar. Die anderen Farben stellen die extrahierten Ionenchromatogramme dar.Abb. 1: Jeder Analyt, der von der Software automatisch erkannt wurde, ist anhand eines Peak-Markers (grau) hervorgehoben. Die schwarze Kurve stellt das Totalionenstrom-Chromatogramm dar. Die anderen Farben stellen die extrahierten Ionenchromatogramme dar.
  • Abb. 1: Jeder Analyt, der von der Software automatisch erkannt wurde, ist anhand eines Peak-Markers (grau) hervorgehoben. Die schwarze Kurve stellt das Totalionenstrom-Chromatogramm dar. Die anderen Farben stellen die extrahierten Ionenchromatogramme dar.
  • Abb. 2: Es wurde ein QTrap 3200 MS-System mit einer Eksigent ExpressLC-Ultra Mikro-HPLC u. einer monolithischen Nano-Säule (Merck Nano Chromolith RP18, 150x0,1 mm) verwendet. Gradient von 1%-99% Acetonitril innerhalb von 15 Min. Flussrate: 5 μl/min
  • Abb. 3: Online-SPE-LC-MS/MS-Chromatogramm für den Nachweis von Atenolol, Metoprolol, Bisoprolol und Carbamazepin mit Spark Holland Symbiosis Pico und AB Sciex QTrap 3200.
  • Abb. 4: Schematische Darstellung eines Online-Raman-Detektors auf Basis eines Flüssigkern- Lichtwellenleiters.
  • Dr. Thorsten Teutenberg
  • Dr. Jochen Türk

Mit der zunehmenden Steigerung der Leistungsfähigkeit moderner Massenspektrometer (MS) steigt auch der Bedarf für die sensitive und simultane Erfassung einer Vielzahl an Analyten in komplexen Matrices. Vor diesem Hintergrund kann die hier gestellte Frage als rein rhetorisch betrachtet werden, da Matrixeffekte zu einer ausgeprägten Ionensuppression führen und somit die Analysenergebnisse stark verfälschen [1].

Herkunft und Prinzip der Massenspektrometrie
Seit den ersten grundlegenden Experimenten durch Sir Joseph John Thomson im Jahr 1897 (Nobelpreis 1902) und der Entwicklung des ersten echten Massenspektrometers (1912) durch Thomsons Schüler Francis W. Aston (Nobelpreis 1922) wurde eine Vielzahl unterschiedlicher Massenspektrometer (z. B. Quadrupol-MS, Flugzeit- MS, Sektorfeld-MS, Ionenfalle, Orbitrap) entwickelt. Das Grundprinzip hat sich seit dem ersten Schema von Thomson nicht verändert. Zunächst werden geladene Teilchen oder Ionen in einer Ionenquelle erzeugt. Anschließend erfolgt die Trennung der Ionen im unter Vakuum stehenden Analysator nach ihrem Masse-zu-Ladungs-Verhältnis (m/z), bevor sie mit einem Detektor nachgewiesen werden.

Da alle massenspektrometrischen Untersuchungen in der Gasphase stattfinden, war es zunächst naheliegend, die Gaschromatographie (GC) als vorgeschaltete Trennmethode mit der Massenspektrometrie zu koppeln. Erst zu einem späteren Zeitpunkt erfolgte die Kopplung mit der Flüssigkeitschromatographie (LC), da zunächst das Problem gelöst werden musste den Eluenten von den Analyten ohne Verluste abzutrennen und in den Hochvakuumteil des MS zu überführen. Mit dem Bandinterface (moving belt interface) war dies zwar bereits früh möglich, aufgrund des eingeschränkten Anwendungsbereiches und der mangelnden Robustheit spielt dieses heute jedoch keine Rolle mehr. Der Durchbruch wurde durch die Entwicklungen von robusten Interfaces erzielt, die eine Ionisation unter Atmosphärendruck ermöglichen. Hervorzuheben sind hier die Arbeiten von John B. Fenn, der 2002 für die Entwicklung und Anwendung der Elektrosprayionisation (ESI) zur Identifikation und Strukturanalyse von biologischen Makromolekülen (er bezeichnete diese als „flying elephants“) den Nobelpreis erhielt.

Bis heute ist die ESI aufgrund ihrer Routinetauglichkeit und Anwendbarkeit für ein sehr großes Substanzspektrum das am meisten eingesetzte LC-MS-Interface. Im Gegensatz zur chemischen Ionisation bei Atmosphärendruck (APCI), bei der Lösungsmittelverdampfung und Ionisation getrennt sind, erfolgen Vernebelung der flüssigen mobilen Phase, Verdampfung und Ionisierung bei ESI in einem Prozess. Neuere Quellen wie APPI (atmospheric pressure photoionization) und APLI (atmospheric pressure laser ionization) erweitern das Anwendungsspektrum der MS. Die Massenspektrometrie kann daher zu Recht sowohl als universale als auch selektive Analysentechnik bezeichnet werden, da in Kombination mit einer GC- oder LC-Trennung polare und unpolare, sowie kleine und große (Makro-) Moleküle analysiert werden können.

Das Multimethoden Paradoxon
Während die ersten LC-MS-Multimethoden vor einigen Jahren nur bis zu 10 Verbindungen enthielten, können heutzutage mehr als 100 Komponenten in einem einzigen Analyselauf erfasst werden [2]. Es stellt sich deshalb die Frage nach der Rolle der Chromatographie bei „Multi-Target“-Methoden. Anhand des in Abbildung 1 dargestellten Chromatogramm-Ausschnitts der Trennung eines Pestizidstandards mittels UHPLC-TOFKopplung wird deutlich, dass es nicht möglich ist, alle detektierten Analyten durch die Änderung der Selektivität des Phasensystems chromatographisch zu trennen. Eine vollständige chromatographische Trennung wäre nur in Verbindung mit zweidimensionalen Trenntechniken, wie z. B. der Heart-Cut LC-LC oder der umfassenden LC x LC möglich [3].

Flugzeitmassenspektrometer und Triple-Quadrupol-MS
Während TOF-Analysatoren häufig für Screening-Experimente oder im Bereich der Non-Target Analytik eingesetzt werden, sind Triple-Quadrupol-Systeme die „Arbeitspferde“ für die Quantifizierung im unteren ng/l-Bereich in der Target-Analytik [4]. Der Messmodus ist in den meisten Fällen das sog. Multiple-Reaction-Monitoring (MRM), bei dem mindestens zwei spezifische Massenübergänge pro Analyt gemessen werden. Moderne Geräte bieten die Möglichkeit, die Anzahl der Massenübergänge an die Retentionszeit anzupassen (scheduled, targeted oder timed MRM). Bei älteren Geräten, die nicht über eine solche Option verfügen, aber immer noch in vielen Routinelaboratorien anzutreffen sind, müssen alle Massenübergänge über den gesamten chromatographischen Lauf erfasst werden. Die Grenzen dieses Ansatzes können der Abbildung 2 entnommen werden. Hier wurden 50 Analyten mit einem Triple-Quadrupol-MS in einer Multimethode detektiert, wobei pro Analyt nur ein Massenübergang aufgezeichnet wird. Während die Peak-Breite bei höheren Konzentrationen etwa 10 Sekunden beträgt, reduziert sich diese bei niedrigen Konzentrationen auf wenige Sekunden, sodass deutlich weniger als 10 Datenpunkte pro Peak generiert werden. Wird die Verweilzeit (dwell time) des Massenspektrometers auf den niedrigsten für das Gerät spezifizierten Wert eingestellt, so erhöht sich nur das Rauschen (Daten nicht gezeigt). Vor diesem Hintergrund können nur Geräte, die über eine zeitabhängige Erfassung der Massenübergänge verfügen, eine große Anzahl an Substanzen in einem Analysenlauf simultan messen. Eine alternative Vorgehensweise besteht in der Verlängerung der Gradientenzeit, um die Anzahl der Peaks, die pro Zeiteinheit eluieren, zu verringern, sodass mindestens 10 Datenpunkte pro Peak erhalten werden. Dadurch wird jedoch die Analysenzeit erhöht, was sich wiederum negativ auf den Probendurchsatz auswirkt.

Verwendung von monolithischen Säulen und Mikro-LC als Front-End Instrument
Für die in Abbildung 2 dargestellte Trennung wurde ein Mikro-LC-System als Front-End- Instrument mit einer monolithischen Nano- Säule verwendet. Die Art der stationären Phase spielt bei der Beschleunigung des Trennprozesses eine entscheidende Rolle. Seit einigen Jahren haben sich vollporöse sub- 2 μm Partikel etabliert. Aufgrund des kleinen Partikeldurchmessers verläuft der C-Term der van-Deemter-Kurve nahezu horizontal. Daher kann die Flussrate erhöht werden, bis der maximale Druck des Systems bzw. der Trennsäule erreicht wird, ohne dass es zu Einbußen in der Trenneffizienz kommt. In einigen Fällen werden jedoch bereits sehr hohe Drücke bei niedrigen Fließgeschwindigkeiten erreicht, insbesondere dann, wenn Methanol als organisches Co-Solvenz verwendet wird. Daher bilden Core-Shell-Phasen eine Alternative zu vollporösen sub-2-μm Teilchen. Der kleinere Diffusionsweg führt in vielen Fällen zu einer vergleichbaren Trennleistung bei geringeren Gegendrücken. Eine weitere Alternative sind monolithische Trennsäulen. Aufgrund ihrer einzigartigen Porenstruktur resultieren extrem niedrige Gegendrücke, so dass sehr hohe lineare Fließgeschwindigkeiten erzielt werden können. Da sich der Säuleninnendurchmesser ebenfalls auf den Gesamtdruck auswirkt, sind monolithische Trennsäulen besonders vorteilhaft, wenn Nano-Säulen mit einem Innendurchmesser bis 100 μm eingesetzt werden.

Die Nutzung von Trennsäulen mit kleinem Innendurchmesser macht es allerdings notwendig, dass speziell angepasste HPLCSysteme mit außerordentlich geringem System- bzw. Totvolumen verwendet werden müssen. Vor diesem Hintergrund sind Kapillar- bzw. Mikro-LC-Systeme die erste Wahl. Die Mikro-HPLC gewinnt in den letzten Jahren wieder an Bedeutung, da sie im Vergleich zu konventionellen (U)HPLC-Systemen zahlreiche Vorteile aufweist. Der Lösungsmittelverbrauch wird deutlich reduziert, wenn die Pumpen die mobile Phase im μl/min-Bereich fördern, ohne dass Flow-Splitter verwendet werden. Darüber hinaus können Volumina von 50 nl und weniger reproduzierbar injiziert werden, wenn nur eine begrenzte Probenmenge vorhanden ist. Allerdings gibt es seitens der Anwender immer noch viele Vorbehalte gegenüber der Mikro-LC, die deren Einsatz in Routinelaboratorien auf breiter Basis bis heute verhindert haben. Dies ist häufig der Tatsache geschuldet, dass Probleme bezüglich der Reproduzierbarkeit der Gradientenmischung bzw. der Flussrate beobachtet werden. Moderne Systeme sind jedoch in der Lage, die Flussrate ohne Split hochreproduzierbar zu fördern. Darüber hinaus verfügen diese Systeme über ein Gesamttotvolumen von weniger als einem Mikroliter. Selbst bei 100 aufeinanderfolgenden Gradientenläufen liegt die relative Standardabweichung für die einzelnen Läufe bei ca. 0,6 %, was als sehr gutes Ergebnis angesehen werden kann.

Der nächste Punkt betrifft das Gradientenverweilvolumen, das für das hier verwendete System zu 0,93 μl bestimmt wurde. Auch wenn die meisten Pumpen herkömmlicher UHPLC-Systeme für niedrige Flussraten bis 1 μl/min spezifiziert sind, ist es nicht möglich, mit diesen Systemen in diesem Flussbereich schnelle Zykluszeiten zu erreichen. Der Grund hierfür liegt darin, dass es zehn Minuten dauert (!) bis der Gradient die Säule erreicht, wenn die Flussrate auf 5 μl/ min eingestellt wird und das Verweilvolumen 50 μl beträgt. Im Gegensatz dazu beträgt die Gradientenverzögerung beim Mikro-LC-System nur 11,2 Sekunden.

Künftige Herausforderungen der LC-MS in der Umweltanalytik
Eine große Herausforderung für die LC-MS in der Umweltanalytik besteht in der sicheren Quantifizierung ausgewählter prioritärer Stoffe im Ultraspurenbereich. In 2012 erweiterte die EU die Europäische Wasserrahmenrichtlinie und schlug Umweltqualitätsnormen (UQN) vor. Neben der Aufnahme weiterer Schadstoffe wurden auch zwei hormonell aktive Substanzen, nämlich 17α-Ethinylestradiol (EE2) und 17β-Estradiol (E2) vorgeschlagen. Eine Aufnahme in die Liste der prioritären Stoffe erfolgte bisher nicht. Stattdessen sind EE2 und E2 in eine sogenannte Beobachtungliste („watch list“) aufgenommen worden (RL 2013/39 EU). Aufgrund der geringen Wirkungsdosis von Hormonen auf aquatische Systeme wurden als Umweltqualitätsnorm 0,035 ng/l für EE2 und 0,4 ng/l für E2 abgeleitet. Dies bedeutet, dass zur Erfüllung der genannten Anforderungen eine entsprechende Probenanreicherung verwendet werden muss. Eine Strategie könnte hier z. B. in der Direktinjektion großer Probevolumina auf die chromatographische Trennsäule und anschließender massenspektrometrischer Detektion bestehen. Abbildung 3 zeigt das resultierende Chromatogramm ausgewählter prioritärer Schadstoffe durch eine großvolumige Injektion auf eine SPE-Kartusche. Für die hier ausgewählten Stoffe ist es ohne weiteres möglich, eine Konzentration von 1 ng/l aus der Direktinjektion zu messen. Allerdings muss angemerkt werden, dass es sich hierbei um die Injektion einer Standardlösung handelt. Wird ein zusätzlicher Anreicherungsschritt von z. B. einem Liter über offline-SPE vorgenommen, muss das Clean-up optimiert werden, um störende Matrixkomponenten zu entfernen, die zu einer starken Ionensuppression führen können.

Neue Kopplungsstrategien
In den letzten 30 Jahren wurden auf den Gebieten der Flüssigkeitschromatographie und Massenspektrometrie große Fortschritte erzielt. Dies bedeutet, dass alternative Detektionsmethoden nicht innerhalb kurzer Zeit eine vergleichbare Leistungsfähigkeit wie die Massenspektrometrie erreichen können. Die Integration neuer und innovativer Detektionsverfahren ist jedoch immer dann sinnvoll, wenn zusätzliche spektroskopische Informationen erhalten werden können. Ein solches Verfahren ist die mit der Flüssigkeitschromatographie online gekoppelte Raman- Spektroskopie. Normalerweise wird die Raman-Spektroskopie nicht im Zusammenhang mit der Spurenstoffanalytik genannt. In den letzten Jahren hat die Verfügbarkeit leistungsstarker Systemkomponenten, wie z. B. verbesserter CCD-Kameras und Laser, zu einer deutlich größeren Anwendungsbreite der Raman-Spektroskopie in der Analytik geführt. In Abbildung 4 ist eine Detektionszelle auf Basis eines Flüssigkern-Lichtwellenleiters dargestellt, die wie eine UV-Zelle in den Fluss des HPLC-Eluats geschaltet wird. Die hier gezeigten Entwicklungsarbeiten beziehen sich auf ein Kooperationsprojekt, in dem die Hochtemperatur-HPLC mit der Raman- Detektion und Isotopenverhältnis-Massenspektrometrie gekoppelt wurde [5]. Mit Hilfe der Raman-Detektion können die getrennten Substanzen wie z. B. Steroide und Pharmazeutika eindeutig über ihr charakteristisches Raman-Spektrum identifiziert werden. Aufgrund der Tatsache, dass die Nachweisgrenze für viele Substanzen 500 μg/l beträgt, wird in einem aktuellen Forschungsprojekt die oberflächenverstärkte Raman-Spektroskopie (SERS, surface enhanced Raman scattering) genutzt, um die Nachweisgrenze zu verbessern. Bei erfolgreichem Projektverlauf stünde somit eine Technologie zur Verfügung, die für viele Labore eine kostengünstigere und einfachere Alternative zur Massenspektrometrie darstellt, wenn eine Identifizierung von Zielsubstanzen mittels UV-Detektion nicht möglich ist. Insbesondere bei den Steroiden ist die Ionisationseffizienz in der Massenspektrometrie so gering, dass die Detektion mittels Raman-Spektroskopie in einigen Jahren eine echte Alternative zur massenspektrometrischen Detektion sein könnte.

Für die oben genannte Kopplung zwischen Hochtemperatur-HPLC, Raman-Detektion und Isotopenverhältnis-Massenspektrometrie kann nur Wasser als mobile Phase verwendet werden. Wasser ist auch in Verbindung mit der Raman-Detektion ideal, da die Raman-Signale von Wasser keinen Störeinfluss auf die Signale der Analyten ausüben. Zur Erhöhung der Elutionskraft wird die Hochtemperatur- HPLC genutzt, die mittlerweile gut charakterisiert ist [6]. Im aktuellen Forschungsvorhaben wird jedoch auch der Einfluss von organischen Lösemitteln auf das Ausmaß der Raman- Streuung untersucht, da bislang noch nicht eindeutig geklärt ist, ob sich die mit SERS zu erwartenden Verstärkungseffekte auch auf das organische Lösemittel auswirken.

Quo vadis LC-MS?
Auch in den kommenden Jahren ist nicht mit einem Stillstand hinsichtlich der Weiterentwicklung immer selektiverer und empfindlicherer Geräte mit verbesserter Nachweisstärke zu rechnen. Ein Trend, der sich in den aktuellen Geräteentwicklungen abzeichnet, ist die Implementierung der Ionenmobilität, die einen zusätzlichen Trennschritt darstellt. Die Analyse immer komplexerer Proben, die zum Teil eine Vielzahl strukturähnlicher Verbindungen enthalten, macht eine weitere Steigerung der Selektivität des Massenspektrometers notwendig. Dies ist auch der Grund, warum viele Hersteller mittlerweile hochauflösende Hybridmassenspektrometer (Q-TOF, IT-TOF, QExactive etc.) entwickelt haben, die neben der Bestimmung der exakten Masse auch Fragmentierungsexperimente erlauben, um somit Rückschlüsse auf die Struktur isobarer Komponenten zu ziehen.

Darüber hinaus werden zweidimensionale chromatographische Trenntechniken in Zukunft eine immer größere Rolle spielen, wenn es um die Aufklärung komplexer Prozesse in der Abwasserreinigung, der Lebensmitteltechnik oder der Bioanalytik geht [7]. Neben einer entsprechenden Weiterentwicklung der Hardware ist auch die Software zur Steuerung und Auswertung ein wesentliches Element, um die „Benutzerfreundlichkeit“ weiter zu verbessern. In diesem Zusammenhang muss aber auch kritisch hinterfragt werden, ob die Qualifikation des Personals den Erfordernissen der Technologie entspricht. High-Tech-Geräte machen auch die Verfügbarkeit entsprechend geschulter Anwender erforderlich, wenn nicht Rauschen integriert werden soll. Leider ist zu beobachten, dass die Potenziale der LC-MS, die bereits heute zur Verfügung stehen, nur von einer sehr kleinen Anzahl an Experten überhaupt noch ausgeschöpft werden können. In Zukunft gilt es also auch diese Lücke zu schließen, damit die Technik nicht schlicht als „unbedienbar“ gilt. Den Ausbildungsstätten und Universitäten kommt hier eine besondere Rolle zu, die allerdings auch nur bei entsprechender finanzieller Ausstattung zu erfüllen ist.

Schlussfolgerung
Die mit der Flüssigkeitschromatographie gekoppelte Massenspektrometrie wird auch in Zukunft die Methode der Wahl bleiben, wenn es um die Bestimmung und Quantifizierung von Spurenstoffen geht. Ein vielversprechender Ansatz, Analysenzeiten zu beschleunigen und Ressourcen zu sparen, ist die Implementierung von Mikro-LC-Systemen und die Verwendung von monolithischen Trennsäulen. Um die Anforderungen aktuell diskutierter Umweltqualitätsnormen zu erfüllen, wird die Festphasenextraktion auch weiterhin unverzichtbarer Bestandteil des Analyseverfahrens bleiben. Aufgrund der sehr hohen Anwendungsbreite der LCMS in der Spurenstoffanalytik werden alternative Detektionstechniken wie z. B. die Raman- Spektroskopie in den nächsten Jahren nicht in der Lage sein, mit der Massenspektrometrie zu konkurrieren. Allerdings kann die Integration eines Raman-Detektors in ein System aus UV- und MS-Detektion ein wichtiges Werkzeug sein, um möglichst viele spektrale und spektroskopische Informationen aus komplexen Proben zu extrahieren, wenn eine Erfassung im Ultraspurenbereich nicht notwendig ist.

Danksagung
Das Forschungsvorhaben 17497 der Forschungsvereinigung der Arzneimittelhersteller (FAH) wird über die AiF im Rahmen des Programms zur Förderung der Industriellen Gemeinschaftsforschung und -entwicklung (IGF) vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages gefördert.

Darüber hinaus möchten die Autoren Norbert Wenkel und Dr. Andreas Bruchmann von Axel Semrau für die Leihgabe des Systems Spark Holland Symbiosis Pico (online SPE-HPLC) danken. Außerdem bedanken sich die Autoren bei Dr. Karin Cabrera und Dr. Stephan Altmaier von Merck für die Leihgabe monolithischer Säulen.

Literatur
[1] Stahnke H. et al.: Anal. Chem. 81, 2185 (2009)
[2] Vishwanath V. et al.: Anal. Bioanal. Chem 395, 1355 (2009)
[3] Eeltink S. et al.: J. Chromatogr. A 1216, 7368 (2009)
[4] Zedda M. und Zwiener C.: Anal. Bioanal. Chem. 403, 2493-2502 (2012)
[5] Jochmann M.A. et al.: GIT Labor-Fachzeitschrift 54, 182-185 (2010)
[6] Teutenberg T.: High-Temperature Liquid Chromatography – A User’s Guide for Method Development, Royal Society of Chemistry, Cambridge, 2010
[7] Haun J. et al.: Anal. Chem. 85, 10083 (2013)

Zusatzinformation Abb. 3:
Konzentration: 1 ng / l, Anreicherungsvolumen: 10 ml, SPE-Kartusche: Spark Hysphere C18HD, HPLC-Säule: Phenomenex Kinetex 50 x 2,1 mm, 2,6 μm C18 100 Å.

Autoren
Dr. Thorsten Teutenberg, Leiter des Bereichs Forschungsanalytik
Juri Leonhardt, Doktorand, Bereich Forschungsanalytik
Terence Hetzel, Doktorand, Bereich Forschungsanalytik
Sandy-Dominic Freihoff, wissenschaftlicher Mitarbeiter, Bereich Forschungsanalytik
Dr. Jochen Türk, Leiter des Bereichs Umwelthygiene und Spurenstoffe
Institut für Energie- und Umwelttechnik e. V.

Prof. Dr. Hans Bettermann, Leiter der Arbeitsgruppe für Flüssigphasen- Laserspektroskopie, Institut für Physikalische Chemie
Björn Fischer, Doktorand, Institut für Physikalische Chemie
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

 

Lebenslauf Dr. Thorsten Teutenberg

Dr. Thorsten Teutenberg hat Chemie an der Ruhr- Universität Bochum studiert. Er hat dort zum Thema „Hochtemperatur-HPLC“ am Lehrstuhl für Analytische Chemie promoviert.

2004 wechselte er an das Institut für Energie und Umwelttechnik e. V. in Duisburg als wissenschaftlicher Mitarbeiter.

Seit 2012 leitet er den Bereich Forschungsanalytik und beschäftigt sich vorwiegend mit allen Aspekten der Hochtemperatur-HPLC, miniaturisierten Trenn- und Detektionstechniken sowie multidimensionalen chromatografischen Verfahren.

Lebenslauf Dr. Jochen Türk

Dr. Jochen Türk absolvierte sein Chemiestudium an der TU Dortmund. Seit 2001 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Energieund Umwelttechnik e. V. (IUTA) und hat sich im Rahmen seiner Promotion an der Universität Duisburg-Essen mit der Entwicklung von LCMS/ MS Analyseverfahren in Arbeits- und Umweltschutz beschäftigt.

Von 2003 bis 2008 war er als Projekt- und Laborleiter im Bereich Umweltmedizin tätig. Als Bereichsleiter war er von 2009 bis 2011 für die Forschungsanalytik verantwortlich.

Seit 2012 leitet er den Bereich Umwelthygiene & Spurenstoffe und beschäftigt sich mit Biound Umgebungsmonitoring von Zytostatika. Der Schwerpunkt seiner Arbeit liegt bei der Spurenanalytik mittels LC-MS sowie der Entwicklung von oxidativen Abwasserbehandlungsverfahren. Dabei spielt insbesondere die chemisch- biologische Charakterisierung von Transformationsprodukten eine große Rolle.

 

 

Autor(en)

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Institut für Energie- und Umwelttechnik e.V. (IUTA)
Bliersheimer Str. 60
47229 Duisburg
Germany
Telefon: +49 2065 418 0
Telefax: +49 2065 418 211

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