Nachhaltigkeit von Laborgeräten

Wie aus einer gesellschaftlichen Forderung ein Prinzip wird

Laborbauten sind Arbeitsplätze, die aufgrund der Expositionen, der hohen Betreiberkosten und der Anforderungen an und durch die Forscher eine Fokussierung in allen Phasen der Planung und des Betriebes auf Nachhaltigkeit der Laborarbeitsplätze erforderlich machen. Kein Großgebäudetyp ist komplexer als Forschungsbauten und so stark von technischen Gewerken aber auch High-Tech-Geräten geprägt. Der Grad der Nachhaltigkeit von Gebäude und Einrichtung lässt sich mit Hilfe von Nachhaltigkeitszertifizierungen darstellen und nachweisen.

Unsere Gesellschaft erwartet die Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele in die tägliche Praxis und nicht allein plakative und oberflächliche Bekenntnisse ohne jeden Realitätsbezug. Dabei ist zu berücksichtigen, dass es sich bei Nachhaltigkeit um die Balance zwischen ökonomischer und ökologischer Qualität und sozio-kulturellen Aspekten, im Labor vor allem Humanfaktoren, handelt. Die weit verbreiteten Reduzierungsversuche von Energie sind bestenfalls ein Teil der Maßnahmen, unter Umständen aber sogar kontraproduktiv. Im Labor sind grundsätzlich alle Maßnahmen der Nutzersicherheit unterzuordnen. Es gilt daher einen Mix an Maßnahmen anzuwenden und zu bewerten.

Warum Nachhaltigkeit von Laboratorien?

Produkte unseres täglichen Lebens, Verfahren und Prozesse, es gibt nahezu kein Gut mehr, das nicht in einem Forschungsprozess im Labor entwickelt und verbessert wurde oder einer Qualitätssicherung im Labor unterliegt. Die geschilderte Erwartung der Gesellschaft an die Forschung im Allgemeinen umfasst nachhaltige Güter zu entwickeln, die „alte“, wenig nachhaltige, ersetzen. Es ist daher naheliegend, dem Forscher eine nachhaltige, in diesem Sinne inspirierende Umgebung zu geben. Weiterhin sind Labore tatsächlich extreme Verbraucher von Energien und Ressourcen und zugleich gefährlich und soziologisch anspruchsvoll.

Gemäß Artikel 5 des Grundgesetzes ist die Forschungsfreiheit zusammen mit der Wissenschaftsfreiheit und der Lehrfreiheit ein Grundrecht. Das bedeutet jedoch nicht, dass Forschung ohne jeden Budgetzwang agieren kann. Insofern ergeben sich durchaus Grenzen aus dem Betrieb mit einem nachhaltigen Szenario, die gewisse technische Beschränkungen für den Forschungsbetrieb bedeuten.

Verständlicherweise sind Betreiber sehr zurückhaltend, wenn es darum geht, Forscher über Budgets zu beschränken. Aber der ungehemmte Verbrauch von Ressourcen aller Art ist nicht akzeptabel. Das nachhaltige Labor und sein Betrieb sind eine obligatorische Forderung unserer Zeit, die auch nicht unter Verweis auf Forschungsfreiheit aufgegeben werden darf. Der Forscher im Labor muss die Inhalte seiner Forschung weiterhin selbst bestimmen können aber sollte sich wie alle wirtschaftlich agierenden Menschen nachhaltiger Arbeitsweisen bedienen.

Das Labor

Das Labor ist ein sozio-technisches System, bestehend aus den Wechselwirkungen zwischen den Labornutzern, dem Gebäude und seiner technischen Ausstattung, die, so definieren wir, mit dem Gebäude untrennbar verbunden sind. Demnach sollten neben dem Gebäude auch die umfangreichen Geräte und Einrichtungen, die Laborprozesse erst ermöglichen, der Nachhaltigkeitsbewertung unterworfen sein. Das sind u.a. Tiefkühlgeräte, Autoklaven, Reinigungs- und Sterilisationsgeräte oder Abzüge.

Bauherren sind heute gehalten, den ökologischen Fußabdruck ihres Gebäudes vorzulegen. Dazu gehört zweifelsohne auch die Einrichtung. Es ergibt wenig Sinn, einerseits an Konzepten zu Reduzierung des Wasserverbrauchs in den Toilettenräumen zu arbeiten, an den unverhältnismäßig höheren Wasserbedarf der Reinigungsgeräte aber keinen Gedanken zu verschwenden. Daher sind reproduzierbare und transparente Zertifizierungssysteme der Nachhaltigkeit genannter Gerätegruppen unverzichtbar.

Tatsächlich ist ein Problem vor allem für die Einkäufer und Beschaffungsabteilungen, die den Laborbetrieb ermöglichen, gegeben. Dem schließt sich der professionelle Planungsprozess an. Nach welchen Kriterien soll ausgeschrieben, vergeben und eingekauft werden. Viele Großbetreiber von Labor- und Forschungsgebäuden haben selbst Differenzierungs- und Entscheidungskriterien ermittelt, die Ihnen wichtig erscheinen. Manche haben in Vergleichstests Verbrauchswerte gemessen, weil sie Anbietern nicht vertrauen oder die Werte nicht verfügbar sind. Die Ergebnisse spiegeln die individuelle Betrachtung der Betreiber zwar wieder, halten aber einer umfassenden Nachhaltigkeitsbetrachtung, vor allem im Vergleich mit den Ergebnissen anderer Organisationen oder gar der Hersteller, nicht Stand.

Wesentliche Voraussetzung für die Qualität einer Nachhaltigkeitsprüfung (und anschließender Zertifizierung) ist einerseits die Erfüllung des § 34, Abs.2, Nr 1-5 VGV und andererseits eine balancierte Bewertung der Nachhaltigkeitskriterien, die einer Struktur folgen, wie sie beispielsweise von DGNB (Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen) oder BNB (Bewertungssystem nachhaltiges Bauen des Bundes) ermittelt wurden. Die Komplexität der Aufgabe macht es für den einzelnen Betreiber unmöglich, die Vielzahl an Kriterien zu formulieren und die Ergebnisse zu bewerten. Weiterhin muss nach VGV sicher gestellt sein, dass ein Zertifizierungssystem in einem transparenten Prozess unter Beteiligung der Fachwelt und der Anbieter entstanden ist. Alle anderen Bemühungen sind zwar ehrenwert aber willkürlich und wenig transparent.

Zertifizierung

In Kooperation mit Planern und Geräteherstellern hat die European Association of Sustainable Laboratories e.V. (Egnaton) ein Zertifizierungssystem für Laborgeräte entwickelt, wie es oben postuliert wurde. Die Bewertungskriterien folgen den Kategorien:
Ökonomische Qualität
Ökologische Qualität
Humanfaktoren (z. B. Sicherheit)
Technische Qualität und
Prozessqualität (Fertigung)

Das Produkt kann je nach Erfüllungsgrad die Level Bronze, Silber, Gold oder Platin erzielen und korreliert so mit dem gewünschten Erfüllungsgrad des Gebäudes. Ein wesentliches Merkmal der Zertifizierung ist die ausbalancierte Bewertung und im Rahmen der ökonomischen Qualität die Berücksichtigung der Lebenszykluskosten zu Ungunsten der Investitionssumme. War bisher der Anschaffungspreis das am höchsten gewichtete Bewertungskriterium eines Angebots, ist mit den Lebenszykluskosten ein Kriterium gefunden, welches die Wirtschaftlichkeit eines Produktes vollständig beschreibt. Allerdings erfordert das einen ganzheitlichen Ansatz auf der Nachfrageseite. Es muss der Wille obsiegen, Betriebsbudgets angemessen zu berücksichtigen, auch wenn die Mittel dazu aus anderen Töpfen kommen.

Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit ist eine holistische Betrachtung gesellschaftlichen, politischen und sozialen Wirkens, die weder örtliche noch zeitliche Beschränkungen kennt. Es kann also keine Tätigkeit privaten oder beruflichen Charakters ausgenommen werden. Insofern gibt es auch im Umfeld von Forschungslaboratorien keine Bereiche, die davon nicht betroffen sind.

Der Laborumzug ist ein Vorgang, der in der Wahrnehmung der Labornutzer und Betreiber ein notwendiges, vor allem zeitlich limitiertes, Übel darstellt und insofern nicht unter Nachhaltigkeitsüberlegungen subsumiert wird. Wenn man jedoch die Komplexität des Umzugs, die Herausforderungen, die sich aus dem Umgang mit Gefahrstoffen und vor allem sehr teurem Inventar ergeben, realisiert, wird schnell klar, dass der Laborumzug nur einer höchst professionellen nachhaltig arbeitenden Organisation überlassen werden kann. Infolgedessen wurde die Zertifizierung mit dem Ziel, die Nachhaltigkeit von Umzugsunternehmen zu bewerten, auf den Laborumzug umgeschrieben.

Die Zertifizierung der Nachhaltigkeit ist eine neue Definition für die Qualität eines Produktes oder einer Dienstleistung, wie im Fall des Laborumzugs und verschafft dem Labornutzer die Gewissheit, mit seiner Entscheidung nachhaltig arbeiten zu können.

Autor
Egbert Dittrich

Kontakt
Dipl. Wirtsch. Ing. Egbert Dittrich
Geschäftsführer
European Association of Sustainable Laboratories e.V. – EGNATON
Bensheim, Deutschland
egbert.dittrich@egnaton.com

 

Kontaktieren

Europäische Gesellschaft für Nachhaltige Labortechnologien e.V., Egnaton
Mühltalstr. 61
64625 Bensheim
Deutschland
Telefon: +49 (0)6251/704720
Telefax: +49 (0)6251/7047220
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