Spektroskopie: Magnetresonanztomographie der Prostata

  • Das Prostata-CA im linken Prostatalappen (Pfeil) lässt sich in der hochauflösenden MRT sicher darstellen. Durch eine zusätzliche Gewebeanalyse mittels Spektroskopie kann der Tumor in seiner Aktivität beurteilt werden. Die Verteilung in der rechten Grafik weist bei auf ein Prostatakarzinom hin. Es zeigen sich ein pathologischer Anstieg von Cholin und Creatin und ein Abfall von Citrat. Die Grafik auf der linken Seite zeigt eine normale Verteilung der Metabolite mit hohem Citrat und niedrigem Cholin und Creatin im rechten Prostatalappen (gestrichelter Pfeil).Das Prostata-CA im linken Prostatalappen (Pfeil) lässt sich in der hochauflösenden MRT sicher darstellen. Durch eine zusätzliche Gewebeanalyse mittels Spektroskopie kann der Tumor in seiner Aktivität beurteilt werden. Die Verteilung in der rechten Grafik weist bei auf ein Prostatakarzinom hin. Es zeigen sich ein pathologischer Anstieg von Cholin und Creatin und ein Abfall von Citrat. Die Grafik auf der linken Seite zeigt eine normale Verteilung der Metabolite mit hohem Citrat und niedrigem Cholin und Creatin im rechten Prostatalappen (gestrichelter Pfeil).

Die Prostata (= Vorsteherdrüse) ist eine Geschlechtsdrüse des Mannes und ist für einen wesentlichen Anteil an der Produktion des Spermas verantwortlich. Sie liegt unterhalb der Harnblase und gleicht in ihrer Form und Größe einer Kastanie. Die Prostata wird in einen zentralen und einen peripheren Drüsenanteil unterteilt. Diese Zonen können Ort unterschiedlicher Erkrankungen sein. Neben einer Entzündung der Prostata, einer gutartigen Vergrößerung, ist das Prostatakarzinom von wesentlicher Relevanz, da es als bösartige Erkrankung zu einer deutlichen Beeinträchtigung des Patienten führen kann.

Das Prostatakarzinom ist die häufigste Krebserkrankung des Mannes in der 6. – 9. Lebensdekade in Europa und Nordamerika. Die jährliche Tastuntersuchung durch den Enddarm und die Bestimmung des Prostataspezifischen Antigens (PSA) aus dem Blut werden daher als Vorsorgeuntersuchungen für Männer ab dem 50. Lebensjahr als Krebsvorsorgeuntersuchung empfohlen. Die PSA Serumkonzentration wird als wichtiger Indikator für die Früherkennung des Prostatakarzinoms betrachtet. Bei einem erhöhten PSA-Wert über 4 ng/ml sind weitere Untersuchungen zur Abklärung notwendig. Zu den häufig angewandten Verfahren gehören die Ultraschalluntersuchung sowie die Gewebeentnahme aus der Prostata, bei der mehrere Proben nach einem geordneten Schema aus der Prostata gewonnen werden.

Zur Diagnostik eines Prostatakarzinoms, wie aber auch anderer Erkrankungen der Prostata, stehen die oben aufgeführten Untersuchungsmethoden zur Verfügung, wobei die Magnetresonanztomographie (MRT) der Prostata als sensitivstes Verfahren den anderen Untersuchungsmethoden deutlich überlegen ist. Die Magnetresonanztomographie ist ein Verfahren, das nicht mit Röntgenstrahlen arbeitet. Vielmehr arbeitet es mit Hochfrequenz- und Magnetfeldern, um Bilder des Körperinneren zu erzeugen. Seit vielen Jahren werden in unserem Institut regelmäßig Prostata- MRT und auch MRT-gesteuerte Biopsien, Gewebeprobenentnahmen zum Tumornachweis, durchgeführt. Insbesondere die MRT der Prostata mit multimodalem Ansatz, bei dem funktionelle Verfahren eingesetzt werden, ist von besonderer Relevanz.

Neben der MRT-Diffusionsbildgebung und der dynamischen Kontrastmittel- MRT zählt auch die MRT-Spektroskopie als sensitives und spezifisches Verfahren zu den funktionalen Verfahren. Diese kann als risikoarme und genaue Ergänzungsuntersuchung zur Früherkennung und Diagnose des Prostatakarzinoms dienen.

Bei der Magnetresonanz-Spektroskopie werden die Werte von Citrat und Cholin im Gewebe gemessen. Citrat wird von gesundem Prostatagewebe produziert. Da Prostatakarzinome zur Energiegewinnung verstärkt Citrat verbrauchen, sinkt der intrazelluläre Citratgehalt von Prostatagewebe bei Prostataerkrankungen ab. Cholin ist ein Bestandteil der Zellmembran und bei bösartigen Prostataerkrankungen erhöht. Das Prostatakarzinom wird bei einer Magnetresonanz-Spektroskopie demnach an einer Citrat-Erniedrigung und einer Cholin-Erhöhung als Zeichen für einen verstärkten Zellumsatz und -untergang erkannt. Diese Methode bietet die höchste Erkennungsrate für Prostatakarzinome. Die Magnetresonanz-Spektroskopie wird angewendet bei Patienten mit einer PSA-Erhöhung, bei denen der Urologe mit seinen Untersuchungsverfahren keinen Tumor und keine anderweitige Erkrankungen feststellen konnte und weiterhin der Verdacht auf ein Karzinom besteht. Dies trifft auch zu, wenn sich die PSA-Werte im Verlauf immer weiter in den krankhaften Bereich verschieben oder wenn schon Biopsien (Gewebeprobenentnahmen) aus der Prostata erfolgt sind und kein Tumor gefunden werden konnte. Die Untersuchungszeit liegt für die multimodale MRT der Prostata bei ca. 40 Minuten. Die Prostata- MRT mit Spektroskopie erfolgt in 1,5 oder 3 Tesla Hochfeld-MRT-Geräten. Für die Untersuchung liegt der Patient dabei in bequemer Rückenlage im Kernspintomographen. Um eine höhere Bildqualität von der Prostata zu erlangen und insbesondere um eine störungsfreie MR-Spektroskopie durchzuführen, wird eine kleine Empfängereinheit vorsichtig in den Enddarm eingeführt und vor der Prostata positioniert. Danach werden hochauflösende MRT-Aufnahmen der Prostata in mehreren Ebenen angefertigt. Diese dienen in erster Linie zur Planung der spektroskopischen Messung, die im Anschluss erfolgt, sind aber auch zur Tumordiagnostik geeignet. Demnach wird eine Kombination aus Magnetresonanztomographie der Prostata und eine Magnetresonanz-Spektroskopie durchgeführt. Zum Abschluss der Untersuchung wird die Empfängereinheit entfernt. Neuere Studien zeigen, dass die Darstellung der Prostata mit der MRT und insbesondere der MR-Spektroskopie unter Nutzung einer endorektalen Empfängerspule die Erkennung von Tumorläsionen bei Patienten mit erhöhtem PSA-Spiegel verbessert. Detektionsraten zwischen 37 und 87 Prozent für die T2 gewichtete endorektale MRT werden beschrieben. Mit den Hochfeldtomographen (1.5 und 3.0 Tesla) sind auch kleine Läsionen gut zu beurteilen.

Die MRT der Prostata bietet sich als Verfahren nicht nur zu Vorsorge-Untersuchung oder zur Tumorerkennung an, sondern auch zur Planung von Gewebeentnahmen und Therapiemöglichkeiten sowie zur regelmäßigen Kontrolle des Therapieerfolges. In jedem Fall sollte vor einer schmerzhaften und invasiven Gewebeentnahme aus der Prostata eine Magnetresonanztomographie mit einer MRSpektroskopie als Alternative erwogen werden. Denn nach der Magnetresonanztomographie mit einer MR-Spektroskopie kann, sofern überhaupt noch erforderlich, eine millimetergenaue Anweisung zur Gewebeprobenentnahme erfolgen und damit die Anzahl der Punktionen vermindert oder eventuell sogar ganz vermieden werden.

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