Lebensmittelbetrügern auf der Spur

Eine Herausforderung für die Lebensmittelüberwachung

  • Abb. 1: Schematische Darstellung des Europäischen Food Fraud  Netzwerkes (FFN). Auf Grundlage des Durchführungsbeschluss (EU) Nr. 2015/1918 in Verbindung mit Artikel 35 der Verordnung (EG) Nr. 882/ 2004 über amtliche Kontrollen wurde das BVL durch die Europäische Kommission als nationale Kontaktstelle für Lebensmittelbetrug benannt. Abb. 1: Schematische Darstellung des Europäischen Food Fraud Netzwerkes (FFN). Auf Grundlage des Durchführungsbeschluss (EU) Nr. 2015/1918 in Verbindung mit Artikel 35 der Verordnung (EG) Nr. 882/ 2004 über amtliche Kontrollen wurde das BVL durch die Europäische Kommission als nationale Kontaktstelle für Lebensmittelbetrug benannt.
  • Abb. 1: Schematische Darstellung des Europäischen Food Fraud  Netzwerkes (FFN). Auf Grundlage des Durchführungsbeschluss (EU) Nr. 2015/1918 in Verbindung mit Artikel 35 der Verordnung (EG) Nr. 882/ 2004 über amtliche Kontrollen wurde das BVL durch die Europäische Kommission als nationale Kontaktstelle für Lebensmittelbetrug benannt.
  • Abb. 2: Detailaufnahme von der Honig-Fälscherwerkstatt am BVL-Stand auf der Internationalen Grünen Woche 2018. Durch die Zugabe von Maissirup erfolgt eine Verdünnung des Honigs. Die Standbesucher durften testen, ob sie die Fälschung vom Original unterscheiden können.
  • Abb. 3: Übersicht der an der OPSON Operation VII beteiligten Stakeholdern in Deutschland, sowie deren Aufgaben. Abkürzungen: BL: Bundesland; BY: Bayern; DE: Deutschland; EU-MS: Europäische Mitgliedstaaten; HH: Hamburg; HE: Hessen; MV: Mecklenburg-Vorpommern; NW: Nordrhein-Westfalen; SN: Sachsen; StA: Staatsanwaltschaft; TRACES: Trade Control and Expert System

Vor fünf Jahren war der Pferdefleischskandal in aller Munde. Vor allem Fertigprodukte aus Rinderhackfleisch, denen illegal Pferdefleisch hinzugefügt wurde, waren damals betroffen. Dieser Skandal trug aufgrund seines internationalen Ausmaßes, des medialen und öffentlichen Interesses wesentlich dazu bei, dass ein schon immer dagewesenes altes Problem in den Fokus der Öffentlichkeit rückte: Lebensmittelbetrug.

Doch was ist Lebensmittelbetrug? Eine lebensmittelrechtlich festgelegte Definition gibt es nicht. Der Begriff Lebensmittelbetrug ist ein Sammelbegriff, der die vorsätzliche und unerlaubte Substitution, Addition, Manipulation oder Falschdarstellung von Lebensmitteln, Lebensmittelbestandteilen oder Lebensmittelverpackungen und darüber hinaus auch täuschende Aussagen über ein Produkt umfasst - mit der Absicht, dadurch einen monetären Gewinn zu erzielen. Der Vorsatz und die Absicht einen wirtschaftlichen Gewinn zu erzielen, sind wichtige Schlüsselkriterien um einen Fall entsprechend als Lebensmittelbetrug zu kategorisieren. Aufgrund der großen möglichen Gewinnspannen finden sich die Täter nicht zwingend nur in der Lebensmittelbranche, sondern auch im Bereich der organisierten Kriminalität.
 
Gemeinsame Herausforderungen
Die Herausforderungen im Kampf gegen Lebensmittelbetrug bestehen demnach darin, die Fälschungen zu erkennen, die betrügerischen Strukturen aufzuklären und die Verantwortlichen angemessen zur Rechenschaft zu ziehen. Eine (gute) Fälschung als diese zu bemerken ist allerdings sehr schwierig und wenn überhaupt nur durch aufwendige Analytik im Labor oder indirekt durch Betriebskontrollen, Warenstrom- bzw. Kapitalstromanalysen zu identifizieren. Dies ist aufgrund der globalisierten Warenströme eine große Herausforderung. Weder die Industrie noch die Lebensmittelüberwachungs- und die Strafvollzugsbehörden können sich dieser Aufgabe in vollem Umfang alleine stellen. Es bedarf funktionierender Netzwerke und Strategien, um in Zeiten komplexer globaler Warenströme Lebensmittelbetrug zu entdecken und gemeinsam dagegen vorzugehen.
Der Pferdefleischskandal wurde auf europäischer und nationaler Ebene zum Anlass genommen, die behördlichen Strukturen zur Bekämpfung von Lebensmittelbetrug systematisch auszubauen.

So wurde auf europäischer Ebene, neben der Gründung des Food Fraud Network (FFN) im Jahr 2013, ein europaweites System für Amtshilfe und Zusammenarbeit (Administrative Assistance and Cooperation) zum schnellen staatenübergreifenden Austausch von Informationen eingerichtet (Abb. 1). Um das Fälschungspotential einzelner Warengruppen einschätzen zu können, werden koordinierte Kontrollpläne (KKP) initiiert, so wurde beispielsweise ein KKP zu Honig in 2015 durchgeführt.

Die Komplexität bei der Erkennung von Fälschungen lässt sich anhand des KKP Honig sehr gut verdeutlichen: Die Fälschung des Honigs erfolgt hauptsächlich entweder durch den Zusatz von geeigneten Zuckersirupen (Verdünnungseffekt) oder durch täuschende Angaben bezüglich botanischer oder geographischer Herkunft (Abb. 2). Die im Rahmen des KKP Honig genommenen Proben wurden in 2 Stufen untersucht. Im ersten Schritt wurden klassische Parameter aus der so genannten Honigrichtlinie (2001/110/EG) zur Untersuchung herangezogen, eine mikroskopische Analyse und eine Isotopenanalyse als Screening zum Nachweis eines möglichen Zuckerzusatzes durchgeführt. Im zweiten Schritt wurden die im Rahmen der ersten Untersuchung nicht beanstandeten aber als auffällig identifizierten Proben (insgesamt 893 Proben) einer sensitiveren Isotopenanalytik unterzogen mit dem Ergebnis, dass bei 127 Proben ein Zusatz von Zuckern stattgefunden hat. Das Gesamtergebnis wurde in einem Bericht Ende 2016 veröffentlicht [1].
 
Gemeinsame Lösungen
Die Europäische Kommission hat eine Top 10-Liste [2] der Lebensmittel erstellt, die das größte Potential haben, gefälscht zu werden. Neben Honig, gelistet auf Platz 6, steht an erster Stelle Olivenöl. Ähnlich wie beim Honig, wird Olivenöl hauptsächlich verdünnt (günstiges Pflanzenöl) oder das Produkt durch täuschende Aussagen bezüglich der Herkunft bzw. der Qualitätsstufen vermeintlich aufgewertet. Um im analytisch-wissenschaftlichen Bereich optimal aufgestellt zu sein, wurde in Deutschland das Nationale Referenzzentrum für authentische Lebensmittel (NRZ-Authent) am Max Rubner-Institut errichtet [3].
Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) als Bundesoberbehörde im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) übernimmt auf nationaler Ebene wichtige Aufgaben im Kampf gegen Lebensmittelbetrug, so z.B. in der Wahrnehmung der Kontaktstellenfunktionen in den europäischen Netzwerken (FFN und AAC-System). Im Rahmen der Entwicklung der „Nationalen Strategie zur Bekämpfung von Lebensmittelbetrug“ wurde am BVL der „Expertenbeirat für Lebensmittelbetrug“ angesiedelt. Dieses rein behördliche, interdisziplinäre Gremium berät den Bund beim Aufbau der nationalen Strategie. Weiterhin besteht am BVL eine Kooperation mit dem Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) und der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) zur Etablierung eines Frühwarnsystems zur Erkennung von Betrug. Die Softwarelösung ISAR (Import Screening for the Anticipation of Food Risks) als Ergebnis einer Forschungskooperation von LGL und LMU ist dabei der Ausgangspunkt [4].
Ein Beispiel, wie sich das BVL für den Aufbau und die Stärkung der Behördennetzwerke einsetzt, ist die Operation OPSON. Bei der seit 2011 jährlich stattfindenden Operation OPSON, die von INTERPOL und Europol koordiniert wird, handelt es sich um eine weltweite Operation zur Bekämpfung von irreführenden und betrügerischen Praktiken. Auf nationaler Ebene nimmt seit 2015 regelmäßig ein Teil der Bundesländer unter Koordination des BVL an der Operation teil (Abb. 3). Thema der letztjährigen Operation OPSON VII in Deutschland und zehn weiteren europäischen Staaten war die illegale Färbung von Thunfisch. Durch die Farbmanipulation wird dem Verbraucher eine nicht mehr vorhandene Frische vorgetäuscht, die zur Gesundheitsgefahr werden kann, wenn das ältere Fischfleisch hohe Mengen an Histamin aufweist. Allein in Deutschland konnten in 15 Fällen irreführende Praktiken nachgewiesen werden [5].
Neben diesen behördlichen Aktivitäten stellt sich die Frage wie sich der Verbraucher gegen Lebensmittelbetrug schützen kann? Grundsätzlich kann festgehalten werden, dass es für Verbraucher in der Regel schwer möglich ist, gute Fälschungen zu erkennen, zumal der vermeintlich nächstliegende Anhaltspunkt, der Preis, nur mit Vorsicht zu bewerten ist. Weder sehr niedrige, noch sehr hohe Preise sind ein Anhaltspunkt für eine eventuelle Fälschung. Das Wissen um die Herstellung und den entsprechend marktüblichen Preis sind wichtige Parameter, ob der verlangte Preis für ein Produkt realistisch ist. Weiterhin ist die Aufmerksamkeit bezüglich Auffälligkeiten der Verpackung und der für dieses Lebensmittel typischen organoleptischen Eigenschaften eine gute Herangehensweise, um Fälschungen zu erkennen.
Es gibt also noch viel zu tun, um den Lebensmittelbetrügern auf die Spur zu kommen. Wichtige Schlüssel zum Erfolg sind die Sensibilisierung und Aufmerksamkeit bezüglich der Problematik Lebensmittelbetrug und das Ausbilden und aktive Leben von Netzwerken, um so eine Zusammenarbeit über fachliche und regionale Grenzen hinweg gewährleisten zu können.
 
 
Authoren
Dr. Silke Schimanski1, Silvia Raschke1
 
 
Zugehörigkeiten
1Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL), Berlin, Deutschland
 
Kontakt 
Dr. Silke Schimanski
Bundesamt für Verbraucherschutz
und Lebensmittelsicherheit (BVL)
Berlin, Deutschland
LM-betrug@bvl.bund.de
 
 

Referenzen:

[1]        Scientific support to the implementation of a Coordinated Control Plan with a view to establishing the prevalence of fraudulent practices in the marketing of honey                                                             N° SANTE/2015/E3/JRC/SI2.706828. E. Aries, J. Burton, L. Carrasco, O. De Rudder, and A. Maquet. JRC Technical Report 2016, JRC104749, 38 p.

[2]        Report on the food crisis, fraud in the food chain and the control thereof (2013/2091/(INI)) Committee in the Environment, Public Health and Food Safety. Esther de Lange.

[3]        https://www.mri.bund.de/de/nrz/forschung/ [zuletzt abgerufen am 07.06.19]

[4]        Anticipation of food safety and fraud issues: ISAR - A new screening tool to monitor food prices and commodity flows; Food Control 94 (2018) 93–101

[5] https://www.bvl.bund.de/DE/01_Lebensmittel/03_Verbraucher/16_Food_Fraud/06_OPSON_Operationen/OpsonVII/OPSON_Operationen_node.html [zuletzt abgerufen am 07.06.19] 

 

Kontaktieren

Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL)


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