04.08.2014
ForschungUmwelt

Eine Bilanz der Biogasproduktion. Gut oder Schlecht?

Quo Vadis

  • Abb. 1: Stroh ist in großen Mengen als Abfallsubstrat verfügbar. © Günter Menzel - Fotolia.comAbb. 1: Stroh ist in großen Mengen als Abfallsubstrat verfügbar. © Günter Menzel - Fotolia.com
  • Abb. 1: Stroh ist in großen Mengen als Abfallsubstrat verfügbar. © Günter Menzel - Fotolia.com
  • Abb. 2: Kumulierte Anbauflächen für die stoffliche und energetische Nutzung in Deutschland. © Umweltbundesamt
  • Abb. 3: Biogas (Biomethan) hat die größte Reichweite. © FNR (Fachagentur für Nachwachsende Rohstoffe)

Biogas unterscheidet sich wesentlich von anderen erneuerbaren Energiequellen oder -trägern. Die biologisch-chemische Energiegewinnung aus biologischen Energieträgern ist komplexer als beispielsweise aus Wasser, Wind oder Sonnenlicht. Eine Vielfalt verschiedenster Energieträger muss jeweils optimal verarbeitet werden. Andererseits kann Biogas vor Ort oder in vorhandenen Gasspeichern jederzeit gelagert werden. Aus Biogas können direkt unterschiedliche Energiearten wie Wärme und/oder elektrischer Strom erzeugt werden.

Zunehmend wichtig ist die energetische Verwertung von biologischem Abfall, wie Gülle, Stallmist, Stroh und Gemüse- oder Lebensmittelabfällen. Die Kosten für die Entsorgung entfallen weitgehend. Der erzeugte Strom ist speicherbar, kann rund um die Uhr produziert werden und seine Verfügbarkeit ist im Vergleich zu Wasser und Sonne jahres- und tageszeitunabhängig.

Bei Energiegewinnung aus Wasserkraft, Wind oder Sonnenenergie sind die Baukosten sowie Material- und Maschinenkosten auf noch relativ einfache Art zu ermitteln. Bei Biogas ist eine Gesamtbilanz sehr viel schwieriger zu errechnen. Auf jeden Fall kann dies nicht pauschal mit einer einzigen Musteranwendung geschehen. Wichtig für alle Arten von Energiebilanzen ist die Rechnung ohne Anrechnung von offenen/versteckten Subventionen, öffentlich finanzierter Forschung sowie unter Ignorierung der Rückstands-/Abraumbeseitigung. Die Umweltbelastung wird bisher meist gar nicht eingerechnet. Das trifft insbesondere für Kernreaktoren und Kohlekraftwerke zu. Die Forschung zur Anwendung der Kernkraft wurde jahrzehntelang öffentlich finanziert. Die Beseitigung des radioaktiven Abfalls ist noch nicht geklärt. Die extrem hohen Kosten dafür sollen dem Steuerzahler aufgebürdet werden. Bei der Energiegewinnung aus Kohle werden große Mengen an Kohlendioxid und Schwefel in sehr kurzer Zeit freigesetzt. In Gebieten mit stillgelegten Kohlengruben und -schächten besteht Einsturzgefahr für darüber gebaute Straßen und Gebäude. Grundwasserschäden müssen ebenfalls berücksichtigt werden.

Biogasgewinnung
Biogas entsteht durch anaerobe Vergärung, dies ist ein komplexer biologischer Prozess (GIT 08/12 und GIT 6/13).

Im Bereich der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) kann zurzeit die größte Effizienz bei der Energieumwandlung von Biogas erzielt werden.

Der Gesamtwirkungsgrad liegt heute bei dem Einsatz modernster Technologie bei etwa 85 % bis 90 % der eingesetzten Energie. Für die Erzeugung können sehr unterschiedliche biologische Energiequellen (Biomasse) genutzt werden. Heute werden noch sehr häufig die Früchte von Mais, Getreide oder andere Nahrungspflanzen genutzt. Diese wertvollen Ressourcen an Ackerflächen und Nahrungsmitteln sollten längerfristig aber nicht mehr zur Energiegewinnung eingesetzt werden.

Ursprünglich wurden Biogas-Anlagen entwickelt um die durch intensive Viehhaltung generierten großen Mengen an festen und flüssigen Ausscheidungen von Tieren umweltverträglich zu verwerten. In der früher üblichen Landwirtschaft gab es weder Überdüngung noch Abfallprobleme. Die Mengen des biologischen Abfalls waren nach Umwandlungsverlusten sowie der Erzeugung von Milch, Fleisch oder Arbeitsleistung durch die Tiere, geringer als die geerntete Biomasse. Es blieben also geringere Mengen an Rückständen übrig als durch die Ernte entnommen wurden. So war eine Überdüngung oder Verseuchung von Boden oder Grundwasser mit Nitraten nicht möglich. Die Intensivierung der Tierhaltung durch Mechanisierung, große Mengen von Mineraldünger und durch den Zukauf von Futtermitteln, wie Sojaschrot, hatte zur Folge, dass viel mehr tierische Abfälle erzeugt wurden, als im eigenen Betrieb boden- und umweltverträglich genutzt werden können. Die Rückführung der anteiligen Abfälle in die Lieferländer der zugekauften Futtermittel ist nicht wirtschaftlich. Daher wurde mit deren Verwertung in Biogasanlagen begonnen. Die Fokussierung zur Einkommenserzielung entstand erst durch die fast gleichzeitig einsetzende Subventionierung des Anbaus von Mais-, Getreide- und Futterpflanzen zur Energiegewinnung aus Biogasanlagen.

Biogas aus biologischem Abfall
Biomasse aus landwirtschaftlichem Abfall, wie tierische Ausscheidungen, Silagereste, Getreideabfall oder Stroh sowie Biomasse aus Alkoholschlempe, Biertrebern, Lebensmittelresten, Schlachthausabfällen oder Zuckerrübenmelasse und anderen Abfallstoffen, wie Totholz, Heckenschnitt oder Faulschlamm, kann zur Biogasgewinnung genutzt werden. Anlagen, die mit Biomasse aus Tierausscheidungen, vergorenen Stoffen oder Lebensmittelresten betrieben werden, arbeiten zuverlässiger als solche mit Getreide oder Mais, weil diese schon Bakterien enthalten, die die Biogaserzeugung vorbereiten und fördern. Die Gärreste nach der Biogasproduktion können noch als biologischer Pflanzendünger verwendet werden. Die Düngung mit der verbleibenden Biogasgülle wirkt sich sehr positiv auf das Bodenleben und die Wasserrückhaltefähigkeit des Bodens aus. Da die Erzeugung in geschlossenen Behältern abläuft, wird die Geruchsbelästigung im Vergleich zur Kompostierung minimiert.

Beispiele für abfallbasierte Biogasanlagen
Anlagen, die Biogas ganz oder zu einem großen Teil aus Abfall erzeugen gibt es bereits im Routinebetrieb. Zur weiteren Optimierung sind viele Anlagen in der Praxiserprobung.

Abfallstoffe aus der Olivenölproduktion
Mit einer Jahresproduktion von fast 2,2 Millionen Tonnen stellt die Olivenölproduktion in Europa einen der wichtigsten Sektoren der Lebensmittelindustrie dar [1]. Bei der Herstellung entstehen in Ländern wie Spanien, Griechenland und Italien in einem zwei- oder dreiphasigen Separationsprozess innerhalb kurzer Zeit große Mengen an flüssigen und festen Reststoffen. Die Einleitung flüssiger Abfälle in Flüsse erzeugt aufgrund des hohen Gehalts an Phenolen, Fettsäuren und organischen Substanzen eine toxische Wirkung in den Gewässern. In einigen Regionen werden die Reststoffe in Lagerbecken gesammelt, was ebenfalls zu erheblichen Umweltbeeinträchtigungen führen kann.

Schon seit vielen Jahren wird nach einer effizienten und umweltgerechten Lösung zur Entsorgung dieser Reststoffe gesucht. Zusammen mit europäischen Partnern entwickelte das Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik (IGB) ein Verfahren, mit dem zunächst die in hohen Konzentrationen in den Reststoffen enthaltenen organischen Substanzen, beispielsweise Polyphenole, extrahiert und als natürliche Antioxidantien eingesetzt werden (siehe Crossmediabalken). Abwässer und Abfälle aus der Olivenölproduktion stellen eine besondere Herausforderung für die anaerobe biologische Behandlung, den Organikabbau und die Biogasproduktion dar [3]. Daher müssen in mehreren Stufen verschiedene Mikroorganismen die organische Kohlenstoffverbindungen unter Sauerstoffausschluss zu Biogas umwandeln [2].

Die festen Olivenreststoffe aus der Ölmühle bestehen zum Großteil aus wertvollen Proteinen. Diese Abfälle können innerhalb von 20 - 30 Tagen bis zu 720 Liter Biogas pro Kilogramm organischer Trockensubstanz (oTS) bilden. Bei den flüssigen Abfällen sind innerhalb von 10 Tagen 680 bis 980 Liter Biogas pro Kilogramm organischer Trockensubstanz angefallen. Eine konventionelle Biogasanlage mit Maissilage liefert im Schnitt 680 Liter Biogas pro Kilogramm organischer Trockensubstanz.

Flüssiges Biogas aus Bioabfällen
In der Nähe von Oslo in Norwegen wird Biogas aus jährlich rund 50.000 Tonnen Lebensmittelabfällen von Haushalten gewonnen. Wegen der besseren Transportmöglichkeit wird das Biogas verflüssigt und nach Oslo transportiert um dort städtische Busse anzutreiben. Damit sollen jährlich mehrere 10.000 Tonnen CO2 gespart werden.

Kraftstoffe aus Restbiomasse
Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) hat zusammen mit dem Chemieanlagenbau Chemnitz und anderen Partnern umweltfreundliche Kraftstoffe (Benzin, Diesel, Kerosin) aus Restbiomasse hergestellt [6]. Alle Teile der Anlage sind in Betrieb. Derzeit wird die Anlage für die industrielle Produktion optimiert. Als ‚Input‘-Biomasse wird hier hauptsächlich Stroh verwendet.

In der Prozesskette werden Schnellpyrolyse und Flugstromvergasung genutzt. Nach der Heißgasreinigung wird das synthetische Gas zu hochwertigem Kraftstoff verarbeitet. Dieses Verfahren konkurriert nicht mit der Lebensmittelproduktion. In der ersten Stufe wird die dezentral, räumlich weit verteilt, anfallende trockene Restbiomasse (Stroh) mit niedrigem Energiegehalt durch die Pyrolyse in eine Art rohes Öl (bioliqSynCrude) umgewandelt, das gut und über weite Strecken transportfähig ist. Das Synthesegas kann dann bedarfsgerecht in unterschiedliche Kraftstoffe umgewandelt werden.

Bioethanol aus Reststoffen
Weltweit werden bereits große Mengen an Bioethanol aus Zucker und Stärke (Mais und Getreide) in direkter Konkurrenz zu Nahrungsmitteln gewonnen. Die Einsparung an Emissionen ist relativ gering. Wird Bioethanol jedoch aus Restbiomasse (Zellulose aus Stroh von Getreide, Zuckerrohr oder Mais) gewonnen, dann gehen die Emissionen drastisch (bis zu 95 %) zurück. In einer Pilotanlage des Schweizer Chemieunternehmens Clariant in Straubing werden große Mengen an Strohabfällen zu Bioethanol umgewandelt. Durch die simultane Fermentation von unterschiedlichen Zuckern wird die Ausbeute um etwa 50 % erhöht. Die notwendigen Enzyme werden hierbei im Produktionsprozess selbst erzeugt. Der integrierte Prozess benötigt keine externe Prozessenergie. Das Bioethanol kann nicht nur als Kraftstoff sondern in der chemischen Industrie als Grundstoff genutzt werden. In der EU ist Getreidestroh mit etwa 140 Mill. Tonnen jährlich der wichtigste Agrarreststoff.

Forschung
Nachfolgend werden einige Beispiele aus der Forschung beschrieben. Die Forschungsintensität bei der Verwertung von Abfallstoffen ist besonders hoch. Ein Grund hierfür ist die Tatsache, dass in den bisher üblichen Biogasanlagen nur bis etwa 65 % der Biomasse in Gas umgewandelt werden.

Biowasserstoff aus Abwasser
Das Abwasser, insbesondere aus industrieller Produktion (Chemie- oder Lebensmittelproduktion usw.) enthält häufig große Mengen an organischen Stoffen. Deren Entsorgung ist aufwändig und teuer. Die TU Wien nutzt in einer Bioraffinerie die ‚Waste to Value‘-Technologie zur Umwandlung von Abfall in Wertstoffe. Durch besondere Verfahren kann die Produktivität bis um das Zehnfache gesteigert werden. Neben Stoffen für die Lebensmittel-, Kosmetik- oder Chemieindustrie kann auch Biowasserstoff als Energielieferant erzeugt werden. Etwa 95 % der im Abwasser enthaltenen organischen Stoffe kann in nützliche Wertstoffe umgewandelt werden.

Optimierung der Biogasproduktion
Das Technische Forschungszentrum in Finnland (VTT) gilt als die größte Forschungseinrichtung in Skandinavien. Einen Schwerpunkt bilden biologische Verfahren und Anwendungen. In einem Forschungsprojekt am VTT wird die Optimierung der Produktion von Biogas und „flüchtigen Fettsäuren" optimiert. Dazu werden Fabry-Perot-Interferomter, „Science Based Calibration" (SBC) sowie effektive Steuer- und Regelalgorithmen in einem Verbundprojekt mit vielen Partnern in einer AD-Anlage (Anaerobic Digestion) eingesetzt und analysiert.

Forschung und Praxis in Triesdorf
Die ‚Landwirtschaftlichen Lehranstalten‘ in der Landmaschinenschule Triesdorf (Mittelfranken) betreiben seit 1992 Biogasanlagen zur Forschung und als Musteranlage für ganz Deutschland. Heute ist Triesdorf mit seinen mehr als 50 Gebäuden der erste europäische Hochschulstandort, der seit 2009 komplett mit Wärme und Strom aus erneuerbarer Energie versorgt wird. Damit ist das Bildungszentrum energetisch autark. Inzwischen wird auch der ‚Milchwirtschaftliche Verein‘ in Triesdorf mit Wärme versorgt. In der Heizperiode wird noch eine Hackschnitzelanlage (Heckenschnitt usw.) zur Wärmeversorgung zugeschaltet. Ein Pufferwasserspeicher gleicht die Bedarfsspitzen aus. Außerdem wird Strom für 700 Haushalte zusätzlich in das öffentliche Netz eingespeist.

Labor-Analyse
In einem Projekt (FKZ 03KB032A/B) des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit ergab die Analyse [1], dass ein großes Hemmnis bei der Betriebsoptimierung nicht das Fehlen technologischer Möglichkeiten, sondern die systematische Analyse der Anlagen das Hauptproblem ist.

Wegen der Vielfalt der Substrate, deren Mischung und der Aufbereitungsmöglichkeiten, sowie der Vielfalt der Mikroorganismen müssen im Forschungslabor, im Untersuchungslabor und vor Ort an der Biogas-Anlage umfangreiche Laboranalysen nach den Anforderungen der entsprechenden Normen durchgeführt werden. Es gibt zahlreiche Analysenverfahren, mit denen eine Biogasanlage analysiert werden kann. Im störungsfreien Routinebetrieb einer reinen Gülleanlage und bei Anlagen mit langen Verweilzeiten genügen wenige Routinemessungen. Wenn der Prozess allerdings gestört ist oder wenn die erzeugte Methanmenge unerwartet zurückgeht, muss detailliert und schnell untersucht werden.

Ökologische Bewertung der Biogasgewinnung aus Abfällen
Das Gesamtziel einer detaillierten Analyse [2] des Deutschen Biomasseforschungszentrums (DBFZ) ist es die klimarelevanten Emissionen bei der Bioabfallbehandlung mit Biogaserzeugung zu ermitteln und die Bewertung des Prozesses in Form von Ökobilanzierungen vorzunehmen. Die Art von Bioabfall sowie das genutzte Erfassungssystem sind wesentliche Kriterien für die Wahl der Behandlungsmethoden.

Ziel eines weiteren Forschungsprojekts [3] ist es eine nachhaltige stoffliche Biomassenutzung als Beitrag zu den Klima- und Ressourcenschutzzielen der Bundesregierung zu entwickeln. Bisher lag der Schwerpunkt auf der energetischen Nutzung. Für die stoffliche Biomassenutzung existieren noch keine verbindlichen Ziele und unterstützenden Maßnahmen. Fossile Rohstoffe sollen verstärkt durch biogene Rohstoffe ersetzt werden, weil die Industrie noch weitgehend von fossilen Ressourcen abhängig ist. Bei der Nutzung von Biomasse muss genauso wie bei anderen Methoden auch, auf die Vermeidung von Treibhausgas-Emissionen, die biologische Vielfalt, die Bodenqualität und auf den Erhalt der Wasserressourcen geachtet werden.Seit 1994 hat die energetische Nutzung der Anbauflächen in Deutschland gegenüber der stofflichen Nutzung aufgrund der Förderung für die energetische Nutzung um das Zehnfache zugenommen. Die stoffliche Nutzung ist ungefähr gleich geblieben.

Kostenrechnung
Die Kostenrechnung für Biogasanlagen ist wegen der biologischen Vielfalt der Prozesse und Parameter erheblich aufwändiger als bei Wind- oder Sonneanwendungen. Für viele Parameter und Verfahren gibt es derzeit noch wenig gesicherte Werte. Hier ist noch viel Forschungsarbeit nötig. Biogasanlagen sollten grundsätzlich ohne primäre Biomasse aus der Nahrungsmittelproduktion betrieben werden. Bei der Nutzung von Bioabfällen aus Haushalt und Industrie müssen immer die eingesparten Entsorgungskosten angerechnet werden. Durch die Verwertung in Biogasanlagen können Abfallmengen reduziert und umweltschädigende Stoffe ausgesondert werden. Die stofflichen Restabfälle sind als Rohstoffe und wertvolle Düngemittel nutzbar.

Die Nutzung von Reststoffen aus biologischen Abfällen erbringt einen hohen Gasertrag bzw. Methangehalt. Zusätzlich kann ein Entsorgungserlös verbucht werden. Biologische Abfälle sind allerdings nur begrenzt verfügbar.

Biogasanlagen, die nur mit Gülle betrieben werden, haben meist die niedrigsten Betriebskosten. Ein Grund ist der geringe Energieaufwand wegen der geringen Trockensubstanzmasse. Bei üblichen Biogasanlagen mit Mais- oder Getreidesubstraten zur Stromerzeugung durch ein Blockheizwerk werden etwa 5 % bis 20 % der erzeugten Strommenge für den Eigenstrombedarf der Rührwerke, Pumpen sowie für Computer zur Anlagensteuerung, für Licht und anderen Eigenbedarf benötigt.

Bei der Berechnung der Gesamtkosten für die Biogas-Netzeinspeisung sind beispielsweise folgende Kostenarten zu berücksichtigen:

  • Anschlusskosten an die Übergabestation für das Gasnetz, Stromnetz oder Nahwärmenetz
  • Aufbereitungskosten, Investitions- und Betriebskosten für definierte Qualität Reinigung Methananreicherung Zusatz von Flüssiggas
  • Ausbringungskosten: Differenz aus Verkauf von Gärrückstand und Kosten für die Ausbringung
  • Gestehungskosten für die Vergärung, Investitionskosten und Betriebskosten für Vergärung zu Biogas, Errichtung und Betrieb der Fermenter
  • Substratkosten, Kosten für das Input Material, Gülle, Stallmist, nachwachsende Rohstoffe, biogene Reststoffe

Je nach Substrat und Anlagengröße ist natürlich mit unterschiedlichen Kosten und Gaserträgen zu rechnen. Besonders wichtig ist, ob das Substrat im eigenen Betrieb anfällt, zugekauft oder auf gepachteten Flächen erzeugt wird. Zu einer Gesamtkostenrechnung gehören auch Versicherungsprämien, beispielsweise für bauliche Risiken betriebliche Risiken (Gebäude; Maschinen, Betriebsunterbrechungen) und Schutz gegen Umweltschäden (Haftpflicht).

Den Kosten gegenüber stehen Erlöse aus Stromverkauf, Wärmenutzung und Abfallaufbereitung. Bei Wasser-, Wind- und PV-Anlagen gibt es nur Erlöse aus Stromerzeugung. Wegen der Möglichkeit Biogas zu speichern kann die Stromproduktion auf Zeiten optimiert werden zu denen die Strompreise höher sind als in Stromüberflusszeiten. Biogas wird überwiegend regional erzeugt. So entfallen lange und teure Stromtrassen für den Energietransport. Auch die Investitionen beim Bau von Anlagen bleiben zumeist in der Region.

Bisher wird elektrischer Strom konventionell vorwiegend in Großkraftwerken zentral erzeugt und über weite Strecken transportiert. Im Landkreis Donau-Ries (Nordschwaben), mit sehr hohem Biogasanteil und Speichermöglichkeiten, wird die regionale Nutzung der lokal erzeugten elektrischen Energie in einem langfristigen Projekt erprobt und optimiert. Ähnliche Projekte gibt es auch in einigen anderen Regionen.

Risiken
Im Jahr 2010 meldete der TÜV Süd noch bedeutsame Mängel an etwa 80 % der geprüften Anlagen. Mit großem Abstand sind die BHKW die häufigsten Fehlerquellen. Biogastechnik ist noch neu. Es ist also viel Schulung nötig für einen risiko- und problemfreien Betrieb.

Fazit
Biogaserzeugung aus Lebensmittelabfall (Supermärkte, Kantinen, Biomüll usw.) wird bereits kommerziell genutzt. Biogas hat einen großen Vorteil gegenüber Photovoltaik und Windenergie. Es ist speicherbar und kann daher je nach Bedarf genutzt werden, also auch dann wenn die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht. Mit Automatiksteuerung ist eine kurzfristige Anpassung von Blockheizkraftwerken (BHKW) beispielsweise im Halbstundentakt möglich. Bisher wird die zusätzlich anfallende Wärme bei der Biogaserzeugung noch wenig genutzt. Das ist ein weiteres Energiepotenzial, das so nicht bei PV oder Windkraftanlagen vorhanden ist. Für Biogasanlagen müssen keine Module in China gekauft und um die halbe Welt transportiert werden. Die Investitionen und die Wertschöpfung bleiben in der Region.

Literatur
[1] Bioabfallvergärung - Beiträge zur Prozessoptimierung und zur verbesserten Gasnutzung, FKZ 03KB032A/B http://bit.ly/Biomassenutzung
[2] Analyse von Emissionen klimarelevanter Gase durch Biogasanlagen im Hinblick auf die ökologische Bewertung der Biogasgewinnung aus Abfällen, 03KB027 http://bit.ly/Emissionen
[3] Mehr Ressourceneffizienz und Klimaschutz durch nachhaltige stoffliche Nutzungen von Biomasse, FKZ 3710 93 109 UBA-FB 001865 http://bit.ly/Ressourceneffizienz
[4] Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB, Abfallstoffe aus der Olivenölproduktion liefern Bioenergie http://bit.ly/Olivenölabfälle
[5] Wenn aus Essensresten Strom wird. Die Welt, 08.11.13 http://bit.ly/GIT-Reste
[6] First Gasoline Produced by KIT, www.kit.edu. http://bit.ly/Benzin-KIT

Weitere Beiträge zum Thema: http://bit.ly/GIT-Biogas
GIT8/12, S. 605: http://bit.ly/Strass1
Fraunhofer IGB: http://bit.ly/Reststoffe

Biographie
Hermann Strass
wuchs auf einem Bauernhof auf und arbeitete später als landw. Verwalter. Anschließend sammelte er Jahrzehnte lange Erfahrung in Computer-, Elektronik-, Schnittstellen- und Peripherietechnik für industrielle Anwendungen. Dazu gehören Hardware, Software, Systemtechnik und Standardisierung. Er hat maßgeblich an der Einführung des VMEbus für industrielle Computeranwendungen in den europäischen Markt mitgearbeitet. Weitere Schwerpunkte sind kommerzielle Speichersysteme und deren Schnittstellen. Hermann Strass ist seit nunmehr über 20 Jahren selbstständiger Berater (Technology Consulting) für neue Technologien in der Industrie, ist aktives Mitglied in mehreren nationalen und internationalen Normungsgremien, Autor von Büchern, Fachartikeln (u. a. in div. Zeitschriften des GIT-Verlags) sowie Mitorganisator von Seminaren und Konferenzen.

 

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