13.12.2018
ForschungUmwelt

Urbane Artenvielfalt ist beliebt!

Gesellschaftliche Unterstützung für eine vielfältige Natur im besiedelten Bereich

  • Abb. 1: Die Studie zur Bewertung von biologischer Vielfalt in Städten wurde in fünf europäischen Stadtregionen durchgeführt. Dabei wurde den Befragten Bildmaterial vorgelegt, das unterschiedliche städtische Lebensräume zeigt. Von jedem Lebensraum gab es eine Variante mit geringer, mittlerer und hoher Artenvielfalt. Die Befragten konnten auf einer Skala von 1 bis 7 angeben, wie gut ihnen die jeweils gezeigte Szene gefiel. In die Studie wurden ganz gezielt verschiedene soziokulturelle Gruppen einbezogen, um die Einschätzung von möglichst vielen Stadtbewohnern abzubilden. Insgesamt wurden fast 4000 Menschen befragt. Abb. 1: Die Studie zur Bewertung von biologischer Vielfalt in Städten wurde in fünf europäischen Stadtregionen durchgeführt. Dabei wurde den Befragten Bildmaterial vorgelegt, das unterschiedliche städtische Lebensräume zeigt. Von jedem Lebensraum gab es eine Variante mit geringer, mittlerer und hoher Artenvielfalt. Die Befragten konnten auf einer Skala von 1 bis 7 angeben, wie gut ihnen die jeweils gezeigte Szene gefiel. In die Studie wurden ganz gezielt verschiedene soziokulturelle Gruppen einbezogen, um die Einschätzung von möglichst vielen Stadtbewohnern abzubilden. Insgesamt wurden fast 4000 Menschen befragt.
  • Abb. 1: Die Studie zur Bewertung von biologischer Vielfalt in Städten wurde in fünf europäischen Stadtregionen durchgeführt. Dabei wurde den Befragten Bildmaterial vorgelegt, das unterschiedliche städtische Lebensräume zeigt. Von jedem Lebensraum gab es eine Variante mit geringer, mittlerer und hoher Artenvielfalt. Die Befragten konnten auf einer Skala von 1 bis 7 angeben, wie gut ihnen die jeweils gezeigte Szene gefiel. In die Studie wurden ganz gezielt verschiedene soziokulturelle Gruppen einbezogen, um die Einschätzung von möglichst vielen Stadtbewohnern abzubilden. Insgesamt wurden fast 4000 Menschen befragt.
  • Abb. 2: Die Studie war so konzipiert, dass möglichst viele unterschiedliche soziokulturelle Gruppen einbezogen wurden. Dabei wurde Wert darauf gelegt, dass auch Menschen teilnahmen, die sonst oft in Umfragen unterrepräsentiert sind. Beispiel hierfür sind alte oder kranke Menschen, oder auch solche mit Migrationshintergrund. Die Karte zeigt, dass aus allen Erdteilen Menschen teilgenommen haben.
  • Abb. 3: Ein Beispiel für eine großflächige Grünfläche in Berlin, die viele Wiesen beinhaltet, ist das Tempelhofer Flugfeld.

Überall wachsen die Städte, immer mehr Menschen zieht es in die Metropolen. Dadurch werden Städte immer dichter. Es bleibt weniger Raum für Grünflächen und Natur in der Stadt. Auch außerhalb von Städten steigt der Druck auf vielfältige Lebensräume und deren Flora und Fauna, insbesondere durch die intensive Landwirtschaft. Damit stellt sich die Frage, wieviel Platz wir der Natur in Städten einräumen wollen.

Tatsächlich zeigen viele Untersuchungen, dass Grün in der Stadt kein Luxus ist, sondern Städte lebenswerter macht. Viele Studien zeigen, dass Natur im Lebensumfeld von Menschen hilft Stress besser abzubauen, sich zu erholen. Kurz gesagt: Natur macht gesünder und glücklicher! Daher ist die urbane Grünplanung heute auf die Bewahrung und Entwicklung einer „grünen Infrastruktur“ von Städten ausgerichtet. Im Zuge der Stadtverdichtung kommt es also darauf an, wie sich die Anforderungen von Mensch und Natur miteinander verbinden lassen. Dabei geht es nicht nur um die Menge an grünen Flächen, sondern auch um die Qualität des Grüns.

Viele Initiativen, Umweltverbände und Kommunen arbeiten schon daran, der Stadtnatur vermehrt Raum einzuräumen und Konzepte für eine vielfältige Natur im besiedelten Bereich zu schaffen. Eine offene Frage ist jedoch, inwieweit eine vielfältige Natur für Stadtbewohner überhaupt wichtig ist und ob artenreiche Grünflächen aus Sicht von Stadtbewohnern die Lebensqualität in Städten verbessert. Ob Stadtbewohner Artenvielfalt in urbanen Lebensräumen überhaupt Wert schätzen, war bislang eine weitgehend offene Forschungsfrage, zu der es nur wenige, methodisch schwer vergleichbare und auch oft widersprüchliche Aussagen aus der Wissenschaft gab.

Aktuelle Vergleichsstudie

Neue, repräsentative Antworten zur Frage nach der Wertschätzung urbaner Artenvielfalt durch Menschen in der Stadt gibt nun eine aktuelle Vergleichsstudie aus fünf europäischen Städten, darunter auch Berlin. Im Rahmen des EU-geförderten Forschungsprojekts „Green Surge“ wurden Methoden aus Vegetationsökologie und Umweltpsychologie kombiniert und ein umfassender Fragebogen konzipiert. Dieser wurde mit Bildmaterial kombiniert, das Ausschnitte aus vier lokaltypischen städtischen Lebensräumen zeigt.

Innerhalb jedes Lebensraumes wurden Varianten mit niedrigem, mittlerem und hohem Artenreichtum gezeigt (Abb. 1). Der Fragebogen wurde in viele Sprachen übersetzt, so dass auch Menschen mit geringen Kenntnissen der lokal gesprochenen Sprache teilnehmen konnten. In einem Zeitraum von mehreren Wochen wurden etwa 4000 Menschen in den fünf europäischen Städten befragt.

Das überraschende Ergebnis war, dass die Befragten die Varianten sehr unterschiedlich bewertet haben – und die höchste Artenvielfalt die größte Zustimmung fand. Hohe Artenvielfalt in städtischen Lebensräumen trifft daher auf große Unterstützung und Akzeptanz. Die Menschen in der Stadt mögen offenbar artenreiche Natur in ihrem Lebensumfeld! Dies traf auf die abgebildeten Wiesen in Parks ebenso zu wie auf die wilde Natur von Brachflächen. Was für Grünflächenämter vielleicht besonders interessant ist: Eine Baumscheibe, die in der Bilderserie ganz ohne Vegetation um den Baumstamm herum abgebildet wurde, wurde von der Mehrzahl der Befragten negativ bewertet, alle Varianten derselben Baumscheibe mit wenig bis viel wildwachsenden Pflanzen dahingegen eindeutig positiv. Die Wahrnehmung von „Unkraut“ hat sich offenbar gewandelt.

Hohe Wertschätzung der städtischen Artenvielfalt

Die Bedeutung dieser Hauptergebnisse wird dadurch gestärkt, dass die hohe Wertschätzung der städtischen Artenvielfalt von vielen unterschiedlichen soziokulturellen Gruppen geteilt wird. Diese Aussage wurde möglich, da in der Studie etwa 20 Variablen erhoben wurden, die den jeweiligen soziokulturellen Hintergrund der Befragten beleuchteten. Mit komplexen statistischen Modellen wurde dann geprüft, ob Menschen aus verschiedenen soziokulturellen Gruppen die Artenvielfalt in den gezeigten Varianten unterschiedlich bewerten. So konnte geprüft werden, ob Variablen wie der Bildungsstand, das Geschlecht, das Alter oder der Migrationshintergrund eine Rolle spielen – oder ob jemand gärtnert oder häufig mit dem Hund draußen ist (Abb. 2). Überdurchschnittlich viele positive Bewertungen gab es bei denjenigen, die der Natur insgesamt eine große Rolle zuweisen und sich zum Beispiel häufig draußen, in Grünflächen aufhalten oder gärtnern. Geringe Abweichungen gab es auch auf lokaler Ebene, beispielsweise für die Bewertung der Parkwiesen in Bari, Italien. Hier bevorzugten mehr Menschen als in den anderen Städten artenarme Varianten der Bildvorlagen. Die Vermutung der italienischen KollegInnen im Forschungsteam war, dass die Unterschiede u. a. dadurch entstehen könnten, da man im Innenstadtbereich dieser süditalienischen Stadt eher wenige Flächen vorfindet, die solche Wiesenflächen beinhalten – ganz im Gegensatz zu zum Beispiel Berlin, wo solche Wiesen traditionell zu vielen Parkanlagen gehören (Abb. 3).

Fazit

Daraus folgt die Empfehlung an die Praxis, Stadtplanung, Grünplanung und Förderung von Artenvielfalt in Städten miteinander zu verbinden. Auch wenn größere Flächen für die Stadtnatur und deren Erleben für die Städter wichtig sind, können auch kleine „Naturinseln“ wie grüne Baumscheiben zu einer artenreichen Stadtnatur verhelfen. Dabei werden Vorteile für Menschen gleichermaßen wie für die Natur geschaffen: eine Win-win-Situation!

Autor
Leonie K. Fischer

Zugehörigkeit

1Technische Universität Berlin, Institut für Ökologie, Fachgebiet Ökosystemkunde/Pflanzenökologie, Berlin, Deutschland

Kontakt
Dr. Leonie K. Fischer
Technische Universität Berlin
Institut für Ökologie
Fachgebiet Ökosystemkunde/Pflanzenökologie
Berlin, Deutschland

Ausgewählte Referenzen:

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Fischer, L.K., Honold, J., Botzat, A., Brinkmeyer, D., Cvejić, R., Delshammar, T., Elands, B., Haase, D., Kabisch, N., Karle, S.J., Lafortezza, R., Nastran, M., Nielsen, A.B., van der Jagt, A.P., Vierikko, K., Kowarik, I., 2018. Recreational ecosystem services in European cities: Sociocultural and geographical contexts matter for park use. Ecosystem Services; DOI 10.1016/j.ecoser.2018.01.015

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Kowarik, I., Bartz, R., Fischer, L.K. (2016): Stadtgrün pflegen, Ökosystemleistungen stärken, Wildnis wagen! Informationen zur Raumentwicklung 6 (2016)

 

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Berlin, Germany

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