Abwasserreinigung steht vor großen Problemen

Chemische Substanzen müssen künftig in der Umwelt schnell unschädlich werden

  • Abwasserreinigung steht vor großen Problemen. Bild: Kekyalyaynen/Shutterstock.Abwasserreinigung steht vor großen Problemen. Bild: Kekyalyaynen/Shutterstock.

Wie Forscher der Leuphana Universität Lüneburg anhand ihrer aktuellen Studie deutlich machen, müssen chemische Substanzen künftig in der Umwelt schnell unschädlich gemacht werden. Ansonsten steht die Abwasserreinigung vor fast unlösbaren Problemen. Viele chemische Stoffe bereiten Probleme, weil sie in den Wasserkreislauf und über diesen auch in die Nahrungskette gelangen.

Schon heute stößt die Abwasserreinigung an ihre Grenzen, wenn es darum geht, alle kritischen Stoffe zu entfernen. Immer aufwendigere Verfahren werden dafür benötigt. Dadurch steigen die Kosten und auch der Einsatz zusätzlicher Chemikalien wird erforderlich. Trotzdem wird das Wasser nicht immer sauber, manchmal sogar zusätzlich verschmutzt.

Ein weiteres Problem ergibt sich aus dem Klimawandel: Starkregenereignisse und in deren Folge Überschwemmungen können Kläranlagen beschädigen. Der Großteil des Wassers gelangt dann an der Kläranlage vorbei ungereinigt in die Oberflächengewässer. Das führt zu weiteren Gefahren für das Grundwasser. Hinzu kommt, dass in 80 % der Länder dieser Erde überhaupt keine Abwasserreinigungsanlagen existieren.

Laut Forschern ist es viel effektiver, die Verschmutzung der Umwelt schon an der Quelle zu bekämpfen, als immer aufwendigere Reinigungsverfahren zu entwickeln. Für die Industrie bedeute dies, die Anzahl der verwendeten Chemikalien in den Produkten zu reduzieren, nicht-abbaubare durch abbaubare Stoffe zu ersetzen und unterschiedliche Abwässer möglichst getrennt zu halten, um sie leichter und besser reinigen zu können.

Aus Produktionsabwässern lassen sich auch Stoffe zurückgewinnen und erneut verwenden, wie etwa Salz oder Farbstoffe bei der Textilfärbung. Mikroplastik, das in der Kosmetik-Industrie häufig eingesetzt wird und große Probleme in der Umwelt verursacht, kann durch ungefährliche Materialien problemlos ersetzt werden. In der aktuellen Diskussion um die Vermeidung problematischer Abwässer besteht ein aussichtsreicher Ansatz darin, die Funktion chemischer Substanzen für den Produktionsprozess und im Produkt genau zu analysieren und nach nicht-chemischen Alternativen zu suchen, die den gleichen Zweck erfüllen.

Leiter der Studie und Experte für nachhaltige Chemie Prof.

Dr. Klaus Kümmerer ist sich sicher: Der beste Weg, das Problem der damit einhergehenden Umweltverunreinigung zu lösen, lautet aber ‚benign by design’. Das Ziel müsse sein, chemische Stoffe so zu gestalten, dass sie in der Umwelt schnell und vollständig wieder abgebaut werden können. Damit das künftig besser zum Tragen kommen könne, benötige man neben guten Anreizsystemen auch eine entsprechende Regulierung, eine bessere Innovationskultur und ein Bewußtsein dafür, dass mit neuen, serviceorientierten Geschäftsmodellen und umweltverträglicheren Stoffen auch Geld verdient werden kann.

Originalveröffentlichung:

Klaus Kümmerer, Dionysios D. Dionysiou, Oliver Olsson, Despo Fatta-Kassinos: A path to clean water, Science (2018); DOI: 10.1126/science.aau2405.

Weitere Informationen:

Leuphana Universität Lüneburg

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