Alles eine Frage der Perspektive?

  • Verstandene Wahrnehmung, Bild: Tereks/Shutterstock Verstandene Wahrnehmung, Bild: Tereks/Shutterstock

Und plötzlich dreht das Kleinkind den Kopf und folgte der Person, die den Raum verlässt. Karotten schmecken gut, aber Zucchini gehören nicht zu den Lieblingsgerichten. Der Schlüssel in der Haustür ruft Freude schon im Gesichtsausdruck hervor.

Wahrnehmung – ein  Prozess, der bereits im Kindesalter sehr differenziert erlernt wird. So zählt neben der haptischen, akustischen, olfaktorischen und gustatorischen auch die psychologische Wahrnehmung, die es zu erlernen gilt.
Häufig heißt es „Kinder leben in ihrer eigenen Welt“ – doch sind es nicht auch die Erwachsenen, die in ihrer eigenen Welt leben? Es scheint als erheben sich die erwachsenen Menschen über die kindlichen Menschen, um derart urteilen zu können.
Zwei nacheinander geschaltete Prozesse – der Prozess der Informationsaufnahme sowie der Prozess der Informationsverarbeitung, eingebettet sowohl in die innere als auch in die äußere Umwelt. So wird Wahrnehmung allgemein in der Psychologie beschrieben [1]. Werden also alle Umwelteinflüsse berücksichtigt, ist folglich klar, dass jeder Entwicklungsstatus zu einer unterschiedlichen Verarbeitung führt.
Vor allem aktuelle, und insbesondere auch politische Entwicklungen zeigen jedoch, dass Wahrnehmung nicht rein ein Lernprozess kindlicher Entwicklung sein kann.
Immanuel Kant sagte einst „Erfahrung ist verstandene Wahrnehmung“ [2]. Der erste Schritt liegt demzufolge in der Wahrnehmung. Diese muss verstanden werden, um Erfahrung zu erleben. Bereits hier wird ersichtlich, wie viele verschiedene Faktoren existieren, die objektiv korrekt ablaufen müssen, ehe das psychologische Konstrukt als Ganzes korrekt ist. Der erste große Stolperstein ist die Differenz der Realitäten. So kann die physikalische Realität sehr weit von der durch das Gehirn generierten abweichen. Der Eine nimmt etwas auf seine Art wahr, der Nächste schon wieder völlig anders. Und doch glauben beide die ihrige Version sei die richtige. Dabei ist jedoch bereits der Glaube daran, die Natur der Wahrnehmung durchschaut und erfasst zu haben, selbst ein Konstrukt unseres Gehirns und somit eine Wahrnehmung [3].
Die Wenigsten sind sich dessen bewusst und glauben deshalb, ihre Wahrnehmung sei das absolut und einzig Richtige.

Sie sehen keine Differenz zwischen subjektiver und objektiver Wahrnehmung. Im Gegenteil - ihre Art der Definition bestimmt in der Folge auch ihre Verhaltensweisen. Ihre Wahrnehmung entspricht ihrem Wissen, sie setzen es gleich!

Von großer Bedeutung und mitunter von schlimmem Ausmaß ist dieser psychischer Prozess, wenn Menschen, deren Wahrnehmung deutlich von der der Allgemeinheit abweicht, eine entscheidende Machtposition innehaben; wenn sie ihre Führungsgewalt ihrer Wahrnehmung entsprechend ausführen. Sie glauben ihr Handeln sei absolut. Sie drängen es nicht nur den Abgeordneten, nein viel mehr noch, ihrem ganzen Land und in der Konsequenz eben auch der ganzen Welt auf. Dabei auf immer größere Konfliktpunkte zu stoßen, scheint an der Wahrnehmung der anderen nicht aber an der eigenen zu liegen.
Letztlich liegt der Kern vieler Entwicklungen doch in der Tatsache, derer wir „Kinder“ beschuldigen: Jeder lebt in seiner eigenen Welt.
 
 
Corinna Herbst
 
 

Literatur:
[1] Vgl. Stangl, W. (2019). Stichwort: 'Wahrnehmung'. Online Lexikon für Psychologie und Pädagogik.
WWW: https://lexikon.stangl.eu/4674/wahrnehmung/ (2019-09-18)

[2] https://www.quotez.net/german/wahrnehmung.htm

[3] https://www.uni-kiel.de/psychologie/mausfeld/pubs/Mausfeld_Wahrnehmung_2010.pdf

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