Analytische Chemie und die europäische Dimension

  • Prof. Dr. Wolfgang Lindner, Institut für Analytische Chemie und Lebensmittelchemie, Universität Wien
  • Prof. Dr. Wolfgang Buchberger, Institut für Analytische Chemie, Universität Linz

Analytische Chemie und die europäische Dimension. Der Fortschritt in einem wissenschaftlichen Fach hängt nicht nur von der Verwirklichung innovativer Ideen mit zugehörigen Publikationen einzelner Personen ab, sondern auch von deren Fähigkeit zur Kommunikation miteinander.

Wissenschafter (über)leben nicht alleine – und es ist wohl eine Selbstverständlichkeit die eigenen Forschungs­arbeiten bei Tagungen zu präsentieren und auch kritisch mit Kollegen zu diskutieren.

Wir haben es beinahe schon vergessen, dass die freie Kommunikation zwischen Wissenschaftern in Europa noch vor nicht allzu langer Zeit eine beschwerliche Sache war.

Unterschiedliche politische Systeme machten den Meinungsaustausch zwischen Ost und West nicht gerade einfach. Umso bemerkenswerter sind die verschiedenen Anläufe für gemeinsame Aktivitäten, die noch in Zeiten begonnen wurden, als die Europäische Union in ihrer heutigen Form nicht einmal als Möglichkeit ernsthaft diskutiert wurde.

Nachdem 1970 die Federation of European Chemical Societies (FECS) gegründet worden war, wurde 1972 unter deren Schirm die Working Party of Analytical Chemistry etabliert und im selben Jahr die erste Euroanalysis-Konferenz in Heidelberg organisiert.

Es war für die Organisatoren von Anfang an klar, dass Euroanalysis eine ­Tagung für das gesamte Europa sein müsste (und keine „West-Euroanalysis").

So fand Euroanalysis in den folgenden Jahren mitunter auch in osteuropäischen Ländern statt, wenn auch teilweise unter abenteuerlichen Bedingungen (etwa 1984 in Krakau, als die verbotene Solidarność im Untergrund agierte und die Reise nach Polen ein denkwürdiges Erlebnis war).

Dies alles ist Vergangenheit und die Europäische Union eine Realität, doch fühlen wir uns als analytisch tätige Wissenschafter ebenfalls als Union? Nun muss man zur Kenntnis nehmen, dass es - um bei der Analytischen Chemie zu bleiben - nach wie vor eine ansehnliche Zahl von verschiedenen nationalen wissenschaftlichen Gesellschaften in Europa gibt, welche die Förderung der Analytik als Ziel in ihren Statuten formulieren.

Wie leicht hierbei noch immer ­Eigeninteressen vor der Integration in einen ­europäischen Verbund stehen, sei dahingestellt.

Doch unbestritten dürfte die Tatsache sein, dass Kommunikation und Kooperation zwischen den verschiedenen wissenschaftlichen Gesellschaften weiter unterstützt und vorangetrieben werden müssen.

Die oben erwähnte Working Party of Analytical Chemistry agiert heute als Division of Analytical Chemistry (DAC) der European ­Association for Chemical and Molecular Sciences (EuCheMS), die aus der FECS hervorging, und in ihrer Bedeutung als Brückenbauer nicht zu unterschätzen ist.

Das Konzept der Euroanalysis-Konferenzen hat daher seit der Gründung vor fast vierzig Jahren nichts an Bedeutung verloren, im Gegenteil. Europa hat sich gewandelt und das Konzept der Euroanalysis hat als „Breitband"-Tagung für die gesamte Analytische Chemie ­offenbar ihren Reiz beibehalten - jedenfalls zählten die letzten Konferenzen in Salamanca (2004) und Antwerpen (2007) zwischen 600 und 800 Teilnehmer.

Es mag richtig sein, dass Spezialkonferenzen, die auf einzelne Teilgebiete der Analytischen Chemie fokussiert sind sehr attraktiv sind; umso wichtiger sollte es sein, die Analytische Chemie bzw. Analytical Sciences auch in voller Breite zu ­sehen und einem Zerfall in Einzelbereiche entgegenzuwirken.

2009 wird Euroanalysis vom 6. bis 10. September in Innsbruck (Österreich) stattfinden.

Mit dem Motto „The Impact of Analytical Chemistry on Quality of Life" soll die Schlüsselrolle der Analytischen Chemie in ihrer Gesamtheit für unterschiedlichste Aspekte unserer Lebensqualität betont werden.

Die spektakuläaren und raschen Fortschritte in Medizin, Umweltschutz oder ­Materialwissenschaften wären ohne hochentwickelte Analytik kaum möglich gewesen. Wenn ­Europa auf internationaler Ebene eine führende wissenschaftliche Rolle spielen will, muss über die bestehenden nationalen Gesellschaften hinausgedacht und eine starke europäische Plattform unterstützt werden.

Die Österreichische Gesellschaft für Analytische Chemie (ASAC) als Organisator der Euroanalysis 2009 freut sich in Innsbruck ein Forum für die Analytische Chemie in Europa gestalten zu dürfen.

 

Kontakt

Prof. Dr. Wolfgang Buchberger
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Tel.: +43 732 2468 8724
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Wolfgang.Buchberger@jku.at


Prof. Dr. Wolfgang Lindner
Institut für Analytische Chemie und
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Universität Wien, Österreich
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wolfgang.lindner@univie.ac.at
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