Antikörpertherapie gegen Covid-19

Forscher finden neutralisierende Antikörper gegen Sars-CoV-2

  • Der Virologe Luka Cicin-Sain erforscht SARS-CoV-2-neutralisierende Antikörper, die von der Technischen Universität Braunschweig und YUMAB isoliert wurden. (Bild: HZI / Jan Brinkmann)Der Virologe Luka Cicin-Sain erforscht SARS-CoV-2-neutralisierende Antikörper, die von der Technischen Universität Braunschweig und YUMAB isoliert wurden. (Bild: HZI / Jan Brinkmann)

Neutralisierende Antikörper sind die Abfangjäger unseres Immunsystems. Sie binden passgenau an Krankheitserreger und verhindern, dass diese in unsere Zellen eindringen können. Das Immunsystem benötigt nach einer Infektion etwa zwei Wochen, um reife Antikörper zu produzieren. Bei schweren Verläufen von Covid-19 kommt die Immunreaktion des Körpers oftmals zu spät für die Patienten. Eine Möglichkeit der Akutbehandlung wäre es daher, den Patienten Antikörper zu verabreichen, die sofort wirksam sind. Aktuelle Ergebnisse des CORAT Konsortiums, insbesondere des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) in Kooperation mit der Technischen Universität Braunschweig und dem Unternehmen YUMAB, haben einen Durchbruch bei der Entwicklung von menschlichen Antikörpern für Immuntherapien gebracht.

Einem Team von Virologen des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) ist es gemeinsam mit der Technischen Universität Braunschweig und dem Biotech-Unternehmen YUMAB gelungen, menschliche Antikörper aus einer firmeneigenen Antikörperbibliothek zu identifizieren, die das neuartige Coronavirus Sars-CoV-2 neutralisieren. Die Forscherinnen und Forscher der TU Braunschweig sowie der YUMAB haben dafür mehr als 6.000 Antikörper untersucht. Das auf dem Science Campus Braunschweig-Süd angesiedelte Biotechnologieunternehmen YUMAB, eine Ausgründung der Technischen Universität Braunschweig, ist auf die Entwicklung und Optimierung humaner Antikörper spezialisiert.

Neutralisierender Wirkstoff verhindert Virus-Aufnahme 

Im ersten Schritt entdeckten die Wissenschaftler mehr als 700 Kandidaten, die an das Coronavirus binden. Diese wurden zur weiteren Testung an das HZI übergeben. In den Laboren der biologischen Sicherheitsstufe 3 wurde mit lebenden Zellen validiert, ob die Antikörper das Eindringen der Viren in die Wirtszellen verhindern können. Diese sogenannte Neutralisation ist entscheidend dafür, ob ein Antikörper die Virusinfektion bekämpfen kann.

„Wir haben bei uns am HZI mit einem Labor der biologischen Sicherheitsstufe 3 sowohl die Infrastruktur als auch die Expertise für diese Studien“, sagt Prof. Luka Cicin-Sain, Leiter der Abteilung „Immunalterung und Chronische Infektionen“. Mit seinem Team konnte er aus den Antikörpern der YUMAB-Bibliothek einen Kandidaten identifizieren, der Sars-CoV-2 effizient neutralisiert und die Aufnahme in die Zellen verhindert. Dies stoppt die Verbreitung des Erregers im Körper.

Klinische Studie für Herbst geplant

Dieser Antikörper muss nun noch zahlreiche Sicherheitsprüfungen durchlaufen, bevor er in Patienten zum Einsatz kommen kann. „Das CORAT Konsortium geht davon aus, dass klinische Studien im Herbst bereits beginnen können“, sagt Cicin-Sain. Der Durchbruch bei der Entwicklung von Antikörpertherapien beruht auf der Kombination der in Braunschweig vorhandenen Expertise zur Antikörperherstellung und Virusneutralisation. „Ich freue mich außerordentlich über diesen großen Erfolg der niedersächsischen Forschungseinrichtungen, der auf bessere Heilungserfolge bei Covid-19 hoffen lässt“, sagte der niedersächsische Wissenschaftsminister Björn Thümler gegenüber der Braunschweiger Zeitung.

Weitere Informationen:

Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung

 

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