Beobachtung des Klimawandels anhand von Milben

Tiere sind von Anstieg des Meeresspiegels als erstes betroffen

  • Tobias Pfingstl bei der Feldforschung in Japan: Der Biologe hat mit seinem Team Biodiversität und Klimawandel untersucht. Bild: Heinrich Schatz.Tobias Pfingstl bei der Feldforschung in Japan: Der Biologe hat mit seinem Team Biodiversität und Klimawandel untersucht. Bild: Heinrich Schatz.

Als attraktive Tierchen würden Milben wohl bei den wenigsten durchgehen. Tobias Pfingstl vom Institut der Biologie der Universität Graz kann ihnen allerdings sehr viel abgewinnen. Er beschäftigt sich vor allem mit Arten, die in Küstenregionen beheimatet sind und damit sowohl unter Wasser als auch an Land überleben können. Vom Anstieg des Meeresspiegels sind diese als erste betroffen – und damit auch anfällig für die Folgen des Klimawandels. Die neuesten Forschungsergebnisse über Genetik und Verbreitung der Spinnentiere an der Japanischen Küste sind kürzlich in den Scientific Reports des Fachmagazins Nature erschienen und geben Aufschluss über geografische und klimatische Veränderungen.

„Wir haben mehrere Milbenarten analysiert, die in den warmen Klimazonen beheimatet sind. Ihre Verbreitungsgebiete haben sich während der letzten 1,5 Millionen Jahre markant verschoben, woraus wir zweifelsfrei auf klimatische Veränderungen schließen können“, berichtet Tobias Pfingstl. Genetische Vergleiche haben außerdem gezeigt, dass die Spinnentiere ihren Lebensraum in den letzten 100 000 Jahren sehr stark ausgeweitet haben. „Da sie weder fliegen noch weit krabbeln können, sind sie auf Wasser angewiesen, das sie in neue Regionen spült“, so der Wissenschafter. Die Forschungsergebnisse sind also ein Beweis für die starke Schwankung des Meeresspiegels – die seit der letzten Eiszeit bis zu 200 Meter betragen haben soll.
Die Beobachtungen, die die BiologInnen anhand der Milben gemacht haben, sind auch auf viele andere Tiergruppen übertragbar. Pfingstl und sein Team dokumentieren nun weiterhin Veränderungen im Verbreitungsgebiet, um daraus Prognosen für die gesamte Küstenfauna abzuleiten.

Die japanischen Küstenregionen sind für WissenschafterInnen besonders interessante Biotope, da sie sich über mehrere Klimazonen ziehen und die Tierwelt aufgrund der Insellage kaum Möglichkeiten hat, in andere Gegenden abzuwandern. „Viele Arten haben nur dort überlebt beziehungsweise sind überhaupt erst dort entstanden“, erklärt Pfingstl. In dem vom Wissenschaftsfonds FWF geförderten Forschungsprojekt untersuchen die BiologInnen die gesamte Biodiversität entlang der Küsten des ostasiatischen Staates.

Originalveröffentlichung:

Tobias Pfingstl, Maximilian Wagner, Shimpei F.

Hiruta, Stephan Koblmüller, Wataru Hagino, Satoschi Shimano: Phylogeographic patterns of intertidal arthropods (Acari, Oribatida) from southern Japanese islands reflect paleoclimatic events, Scientific Reports (2019) 9:19042; DOI: 10.1038/s41598-019-55270-z.

Weitere Informationen:

Institut für Biologie der Universität Graz

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