Das Geheimnis des Alterns

Warum Lebewesen genau altern, ist noch nicht abschließend geklärt. Es ist allerdings bekannt, dass es viele Faktoren gibt, die unser Altern beeinflussen. Beispiele hierfür sind Gene, Umwelteinflüsse, die Ernährung oder aber auch freie Radikale.

Freie Radikale sind hochreaktive Moleküle, die sowohl in unserem Körper entstehen als uns auch durch die Umwelt zugeführt werden. In uns entstehen sie hauptsächlich während der Zellatmung und bei Immunreaktionen. Seit langem gibt es die Theorie, dass die Mitochondrien, worin die Zellatmung stattfindet, als eigentliche biologische Uhr fungiert. Dies konnte allerdings nie schlüssig gezeigt werden.

Somit war es eine kleine Sensation, als chinesische Forscher Anfang des Jahres in der Fachzeitschrift Nature verkündeteten, sie hätten das Rätsel gelöst. En-Zhi Shen und seine Kollegen konnten in der Publikation eine Korrelation zwischen der Lebenslänge von Fadenwürmern (Caenorhabditis elegans) und den freien Radikalen in den Mitochondrien aufzeigen [1]. Die freien Radikale visualisierten die Forscher mit dem Fluoreszenz-Farbstoff cpYFP als Radikal-Detektor und kamen zu folgendem Ergebnis: Je häufiger der Farbstoff in den „Jungtieren" aufleuchtete, d.h. je mehr freie Radikale diese also produzierten, desto kürzer lebten die Würmer [1].

Doch genau dieser Farbstoff könnte den Forschern nun zum Verhängnis werden, da nun eine weitere Studie von einem internationalen Forscherteam unter der Leitung der Universität Bonn in Nature veröffentlicht wurde, welche die Grundannahme des ersten Artikels widerlegt. Laut dieser Publikation ist der Marker cpYFP überhaupt nicht in der Lage, freie Radikale zu messen. Hier wurde gezeigt, dass die Signale des Farbstoffs auf Schwankungen des pH-Werts in den Mitochondrien zurückzuführen sind [2].

In einer Pressemitteilung von der Universität Bonn [3], sagt Dr. Markus Schwarzländer, Nachwuchsgruppenleiter an der Universität Bonn und Erstautor der Publikation hierzu, dass sich also nicht der Schluss ziehen lasse, dass die Menge der freien Radikale in Mitochondrien die Lebensspanne bestimme. Zur Beantwortung dieser Frage sei cpYFP ungeeignet. Dennoch sei der Zusammenhang zwischen der Intensität der Farbstoff-Signale und der Lebensspanne der Würmer äußerst spannend.

Nun möchte Herr Schwarzländer natürlich die wahre Bedeutung des im ersten Paper [1] gezeigten Zusammenhangs ergründen.

In der gleichen Ausgabe wurde den Autoren des ersten Artikels ebenfalls die Chance gegeben, sich zu diesem Fall zu äußern. In dieser Darstellung von Cheng et al., wird nochmals genau erklärt, wie die Experimente durchgeführt wurden, um die Reproduzierbarkeit dieser zu gewährleisten [4].

Es bleibt also spannend und die Gründe für das Altern sind weiterhin ungeklärt. Bis dahin halten wir uns in der BIOforum-Redaktion erst einmal wieder an unsere guten Vorsätze, welche wären: eine gesunde Ernährung, viel frische Luft, Entspannung und natürlich Sport als Ausgleich. Viel Spaß dabei.

Dr. Anja Gaugel

Literatur
[1] Shen E.-Z. et al.: Nature 508, 128-132 (2014). doi:10.1038/nature13012
[2] Schwarzländer M. et al.: Nature 514 E12-E14 (23 October 2014). doi: 10.1038/nature13858
[3] http://www3.uni-bonn.de/
[4] Cheng H. et al.: Nature 514 E12-E14 (23 October 2014). doi: 10.1038/nature13859

 

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