Editorial August 2013: Zum Lächeln, aber nicht zum Lachen

In einigen Tagen ist es wieder soweit: die Nobel- Preise werden vergeben! Stimmt nicht? Doch! Allerdings handelt es sich um die sogenannten Ig Nobel-Preise [1]. Am 12. September im Sanders Theater der Harvard Universität würdigen diese Ehrungen bereits zum 23. Mal zehn skurrile, wissenschaftliche Errungenschaften, die uns zunächst zum Lächeln, dann jedoch zum Nachdenken bringen. Nicht selten enden die Resultate in einem Patent. Präsentiert werden diese Auszeichnungen während der unterhaltsamen und humorvollen Veranstaltung von einer Gruppe von Nobelpreisträgern.

Im vergangenen Jahr konnten beispielsweise die Japaner Kazutaka Kurihara und Koji Tsukada den Preis für Akkustik gewinnen, der für ihren sogenannten SpeechJammer vergeben wurde. Sie fanden heraus, dass die effektivste Methode, um Menschen in ihrem Redefluss zu unterbrechen, darin besteht, ihnen ihre eigene Stimme mit einer leichten zeitlichen Verzögerung vorzuspielen [2]. Das von den Forschern entwickelte Gerät wäre sicherlich der Traum eines jeden, um Kontrolle ringenden Moderators hitziger, politischer Gesprächsrunden im deutschen Fernsehen.

Und auch im Jahre 2004 ging einer der Preise an einen Japaner. Daisuke Inoue erhielt den Friedenspreis, weil er völlig neue Maßstäbe bezüglich zwischenmenschlicher Toleranz setzte. Seine Erfindung ist gemeinhin bekannt als Karaoke.

Bereits seit 1991 werden diese Preise verliehen, unter anderem für explodierende Hosen, nicht tropfende Teekannen oder Büstenhalter, die als Gasmasken verwendet werden können. Was zunächst amüsant klingt, hat durchaus ernsthafte Hintergründe. Die explodierende Hose von Mr. Richard Buckley beispielsweise war ein Resultat der Verwendung von explosivem Natriumchlorat, das als Unkrautvernichtungsmittel in Neuseeland in der Zeit zwischen den Weltkriegen verwendet wurde - nach dem Hosenereignis allerdings nicht mehr [3].

Gerüchten zufolge gibt es keinen offiziellen Nobel-Preis für Mathematik, da damals angeblich ein Mathematiker Untersuchungen zum menschlichen Paarungsverhalten zusammen mit Nobels Frau unternahm. Im Gegensatz dazu werden jedoch mit den Ig Nobel-Preisen auch regelmäßig Mathematiker geehrt. So erhielten Basile Audoly und Sebastien Neukirch von der Université Pierre et Marie Curie in Paris einen Preis für die mathematisch anspruchsvolle Begründung, warum trockene Spaghetti meist in drei oder vier Teile zerbrechen, selten aber in zwei [4].

Manch prominenter Wissenschaftler verbirgt sich ebenfalls unter den Preisträgern.

Andre Geim, der 2010 den Nobelpreis für die Entdeckung des Graphens erhielt, wurde bereits 10 Jahre vorher für seine Untersuchungen an in einem Magnetfeld schwebenden Fröschen mit einem Ig Nobel-Preis ausgezeichnet. Er sagt dazu, dass er diese Trophäe ebenso hoch einordne wie seinen Nobelpreis.

Die Preisträger werden vorab über ihre Nominierung informiert und gefragt, ob sie den Preis annehmen wollen. In den meisten Fällen stimmen sie zu und erscheinen bei der Zeremonie. Nur in einigen Fällen ist dies nicht so. Doch fraglich ist wohl kaum, warum beispielsweise im Jahre 2009 bei der Würdigung der Führungsriegen von vier isländischen Finanzunternehmen, die bewiesen, dass kleine Banken sehr schnell in große Banken verwandelt werden können (und umgekehrt), niemand den Wirtschaftspreis entgegen nehmen wollte.

Wer in diesem Jahr bei der Zeremonie zugegen ist, können Sie ab 18 Uhr Ortszeit (Mitternacht in Deutschland) live im Webcast auf www.improbable.com/ig/2013 verfolgen.

Vielleicht verbirgt sich auch ein zukünftiger (Ig) Nobel-Preisträger in unserer aktuellen Ausgabe. Lassen Sie es uns in der Redaktion gerne wissen, falls Sie einen Kandidaten erspähen. Bis dahin wünsche ich Ihnen eine schöne Sommerzeit mit der GIT.

Dr. Till von Graberg
Redakteur

Literatur
[1] www.improbable.com
[2] bit.ly/18OztcS
[3] Watson J.: Agricultural History 78, 346-360 (2004) bit.ly/15ff3up
[4] Basile A. und Neukirch S.: Physical Review Letters 95, 95505-1 (2005) bit.ly/14H7I0u

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