Editorial Mai 2014: Was das Leben wirklich erleichtert

„Das geht jetzt alles viel schneller und kostet auch gar nichts", sagt mein Nachbar. Whatsapp macht das Leben viel einfacher. Facebook hat das Chatprogramm gerade gekauft. Interessant, das Facebook etwas kaufen kann, denn es hat gar kein Produkt, mit dem es Geld verdient. Man hat dort die Mittel, weil Aktien gekauft werden. Ich frage mich, wer Aktien von einer Firma kauft, die nichts produziert. Das ist die Situation, bei der man hinterher von einer geplatzten „Blase" spricht. Zumindest ist ein solches Crowdfunding ein neues Konzept. Man geht erst an die Börse und entwickeln dann ein Produkt. Ich frage mich, ob die Leute noch bei Facebook sein werden, wenn es ein Produkt ist. Ich denke, viele Nutzer sind schon zu Whatsapp abgewandert, weil ihnen bei Facebook zu intensiv nach Produktmöglichkeiten gesucht wird und das irgendwie der Grundidee und dem Erfolgsrezept, nämlich dem freien Austausch von Informationen, widerspricht.

Also bei Facebook muss man sein, weil alle da sind oder waren. Bei Whatsapp muss man sein, weil da alle sind oder sein werden. Außerdem sind da die jungen Leute und wer möchte da nicht dazugehören. Twittern muss man. Bei Xing muss man sein, weil da die Businesspartner sind. Leider nur die Deutschen. Unsere Branche ist aber international also braucht man Linkedin. Ach ja, Skypen ist ja auch noch super, da kann man sich in die Augen schauen. Zumindest könnte man es, wenn das Bild gut und die Verbindung perfekt wäre. Nebenbei braucht man eine geschäftliche und eine private e-mail Adresse. Würde man die Kontaktdaten alle auf eine Visitenkarte schreiben, wäre diese riesig. Alle diese Kanäle müssen betreut werden, denn guckt man nicht jeden Tag in seine Konten und beantwortet die Fragen, kommt das nicht gut an. Braucht man eine Woche, gilt man als scheintot.

Privat kann jeder seine Zeit verbringen, womit er möchte. Im Geschäftsleben hingegen kostet das Betreuen dieser Kanäle Zeit und damit Geld. Wer darauf gesetzt hat, durch Online-Marketing und Social Media Ausgaben für Werbung zu sparen, hat auf das falsche Pferd gesetzt. Wer dabei das Geld aus dem Print-Budget genommen hat, hat seine Wirkung sogar reduziert. Will man alle Mitglieder seiner Zielgruppe erreichen, muss man auch alle Kanäle hochwertig versorgen.

Damit sind die Kosten für die gleiche Reichweite wie früher enorm gestiegen. So verhält es sich auch mit der Telekommunikation. Hat früher ein Telefon für die ganze Familie ausgereicht, benötigen wir nach wie vor den Festnetzanschluss und haben dazu noch für jeden ein Mobiltelefon. Die Durchschnittskosten für Telekommunikation haben sich dadurch in den Neunziger Jahren in etwa verzehnfacht. Mit den Smartphones steigen die Kosten weiter.

Auf meinem Schreibtisch liegt das Firmensmartpohne zwischen dem privaten und dem Tablet, gleich neben zwei Bildschirmen.

Die mobilen Geräte passen nicht in die Hosentasche, was meine Mobilität eher einschränkt. Die Vielzahl an Kanälen und Geräten erleichtern das Leben wohl eher nicht. Vielleicht muss man es doch nicht so wie alle anderen machen...

Dr. Arne Kusserow
Chefredakteur
arne.kusserow@wiley.com

Jetzt registrieren!

Die neusten Informationen direkt per Newsletter.

To prevent automated spam submissions leave this field empty.