Editorial Oktober 2013: Wasserqualität

Wasser ist etwas ganz Besonderes: Es besitzt einige Materialeigenschaften, das keine andere Verbindung besitzt. Beispielsweise dehnt es sich nicht wie andere Stoffe aus, wenn die Temperatur steigt. Es weist seine geringste Dichte bei 4 °C auf. Wäre dies anders, gäbe es kein Leben auf der Erde. Die Entstehung des Lebens ist auf das Engste mit Wasser verknüpft. Es ist ebenfalls ein gutes Lösungsmittel für eine Vielzahl anderer Stoffe. Wie sonst könnten sie durch unsere Körper transportiert werden, seien es Nährstoffe, die aus dem Darm in die Zellen gelangen müssen oder Abfallprodukte, die über den Urin ausgeschieden werden.

Wie das Wasser auf die Erde gelangte, ist bis heute nicht vollständig geklärt. Tatsache ist, dass unter den Bedingungen, die auf der Erde herrschen, kein neues Wasser entsteht. Nahezu das gesamte H2O auf der Erde befindet sich in einem ständigen Kreislauf. Ein Teil hiervon ist die Destillation. Flüssiges Wasser verdunstet überwiegend aus den Ozeanen. Die gelösten Substanzen verbleiben im Meer. Der Wasserdampf kondensiert und regnet über dem Land ab, löst erneut Substanzen und transportiert diese wieder in die See. Der Wasserkreislauf ist ein Anreicherungssystem. Dieser Umstand hat auch zu den heutigen Salzkonzentration der Ozeane geführt, weshalb man annehmen kann, dass die Salzkonzentration in den Ur - Ozeanen deutlich geringer war, als sie heute ist. Vermutlich hat diese Salzanreicherung zu gravierenden oder gar katastrophalen Änderungen der Biosphäre Ozean geführt. Ein Hinweis darauf ist der Umstand, dass die Anzahl an ausgestorbenen Organismen, die der Rezenten um ein Vielfaches übersteigt. Auch die sehr verschiedene Fauna und Flora in Süß-und Salzwasser und die geringe Anzahl an Arten, die zwischen beiden Welten wechseln können, sprechen für große Umwälzungen der Lebensbedingungen in den Ozeanen. Geht dies langsam genug vonstatten, können sich viele Organismen den Veränderungen anpassen.

Wir Menschen betreiben ebenfalls vielfältige Anreicherungssysteme, die Substanzen in Konzentrationen erzeugen, die unter natürlichen Bedingungen nie zustande kämen. Die unerwünschten Reste lösen wir, schneller oder langsamer, in Wasser.

So werden durch den Menschen heute Substanzen in den Meeren viel schneller konzentriert als zu prä-historischen Zeiten. Dieser Umstand führt voraussichtlich zu schnelleren und somit katastrophaleren Auswirkungen auf die Biosphäre, als es die natürliche Salzanreicherung tat. Wie gravierend die Folgen werden, hängt direkt mit der Menge an Stoffen ab, die zusätzlich in den Wasserkreislauf eingebracht werden.

Die gelösten Substanzen haben das Bestreben, sich gleichmäßig zu verteilen. Alle Wasserdepots der Erde stehen über den Wasserkreislauf in direkter Verbindung zueinander. Daher besteht ein direkter Stofffluss zwischen allen „Wässern". Trink, Ab- und Klärwasser sind nicht vollständig voneinander getrennt und müssen als Gesamtheit betrachtet werden.

Das ist einer der Gründe, aus denen ich mich sowohl in meiner Freizeit als auch in meinem Berufsleben für die Qualität von Wasser engagiere. Die Analytik von in Wasser gelösten Substanzen ist ein wiederkehrendes Thema in der GIT Labor-Fachzeitschrift. In der Ausgabe 9, (Seite 586) war zum Beispiel die Analytik von Tributylzinn in Wasser ein Thema. In der Ausgabe, die Sie gerade in Händen halten, ist es der einfache aber wichtige Beitrag, den Angler in den Überwachung von Oberflächengewässer leisten (siehe S. 656). Auch das jährliche Treffen der Wasseranalytikspezialisten Deutschlands auf dem Langenauer Wasserforum am 11. und 12. November 2013 (siehe S. 623) gehört dazu.

Über Verbindung und Trennung von Privat- und Berufsleben kann man unterschiedliche Ansichten haben. Ich habe für mich die Entscheidung getroffen, dass ich diese Verbindung möchte. Ich hoffe, dass dies von Vorteil für die Qualität von Wasser sein wird; Wasser, welches Sie trinken, das Sie in Ihr Experiment oder in die Kanalisation geben, und für das Wasser, in dem ich angele.

Ich werde versuchen, mehr Menschen für dieses Thema zu interessieren und Danke denen, die wie ich oder mit mir an der Verbesserung und Erhaltung der Wasserqualität arbeiten.

Dr. Arne Kusserow
Chefredakteur
arne.kusserow@wiley.com

 

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