EHEC-Infektion: Infos zu bakteriellen Erregern, HUS und Labordiagnostik

  • Enterohämorrhagische E. coli (EHEC). Bild: HZIEnterohämorrhagische E. coli (EHEC). Bild: HZI

Seit Mitte Mai sind vermehrt Patienten mit blutigem Durchfall und dem so genannten hämolytisch-urämischen Syndrom (HUS) gemeldet worden, wobei sowohl die Zahl der schweren Verläufe in einem kurzen Zeitraum als auch die betroffene Altersgruppe (vor allem Erwachsene, überwiegend Frauen) ungewöhnlich ist. Das HUS ist eine schwere, unter Umständen tödliche Komplikation, die bei bakteriellen Darminfektionen mit sogenannten enterohämorrhagischen Escherichia coli auftreten kann. Enterohämorrhagische E. coli (EHEC) sind Bakterien, die bestimmte Zytotoxine (Zellgifte), die Shigatoxine (Stx - auch Shiga-like-Toxine SLT oder Verotoxine VT) bilden können. Die von EHEC produzierten Shigatoxine werden zwei Hauptgruppen (Stx 1 und Stx 2) zugeordnet, von denen wiederum unterschiedliche Varianten existieren (z.B. Stx 2c). Schwere Erkrankungen, wie z.B. das HUS, werden überwiegend durch Stx 2 (oder Stx 2c) produzierende EHEC hervorgerufen. Die Shigatoxine binden sich an spezielle Zellwandrezeptoren, vor allem im kapillaren Endothel, blockieren dort die Proteinsynthese und führen zum schnellen Zelltod. Zusätzlich besitzen viele EHEC eine sog. Pathogenitätsinsel (LEE - locus of enterocyte effacement), die für einen Typ-III-Sekretionsapparat verantwortlich ist. Mit dessen Hilfe können EHEC zelltoxische bzw. inhibierende oder modulierende Proteine direkt in die Zielzelle applizieren. Das kann zu weiteren klinisch-pathogenen Effekten führen und dadurch die Virulenz der EHEC erhöhen. Leitmerkmal für diesen Typ-III-Sekretionsapparat ist das eae-Gen. Dessen Genprodukt, das Protein Intimin, befähigt den Erreger, sich eng an Darmepithelzellen anzuheften. EHEC, die kein eae-Gen besitzen, bilden andere Adhärenzsysteme aus, sind aber seltener in der Lage, ein HUS auszulösen. Neben ihrer besonderen Virulenz besitzen EHEC eine relativ große Umweltstabilität und eine gute Überlebensfähigkeit in saurem Milieu.


RKI-Empfehlungen zur Labordiagnostik von EHEC-Infektionen
Das wichtigste diagnostische Merkmal ist der Toxingen- bzw. Toxinnachweis. Daher ist das Ziel der Labordiagnostik die Erregerisolierung mit Toxingen- bzw. Toxinnachweis. Der Toxingennachweis soll mittels PCR (konventionell oder im Light-Cycler) aus Kolonieabschwemmung oder Stuhlanreicherung erfolgen; der Toxinnachweis soll mittels ELISA (EIA) aus der E.-coli-Kultur erfolgen (der Nachweis von Stx mittels ELISA direkt aus dem Stuhl ist zu unspezifisch). Die weitergehende Charakterisierung der Erreger, insbesondere für epidemiologische Fragestellungen, sollte in Abhängigkeit von der Herkunft der Isolate in einem der unten aufgeführten spezialisierten Laboratorien erfolgen. Bei HUS sollte zusätzlich eine Untersuchung des Serums auf LPS-Antikörper gegen E. coli O157 (die weltweit am häufigsten isolierte EHEC-Serogruppe) erfolgen.


Infektionsweg
Wiederkäuer, vor allem Rinder, Schafe und Ziegen, werden als wichtiges Reservoir und Hauptinfektionsquelle für EHEC beim Menschen angesehen. Die Übertragung der EHEC-Infektionen erfolgt durch unbeabsichtigte orale Aufnahme von Fäkalspuren, wie z.B. bei Kontakt zu Wiederkäuern oder beim Verzehr kontaminierter Lebensmittel. Weitere Risikofaktoren sind der Konsum von Rohmilch und das Vorkommen von Durchfall bei Familienmitgliedern. Darüber hinaus können EHEC durch kontaminiertes Wasser (z.B. beim Baden) übertragen werden. Auch Mensch-zu-Mensch-Übertragungen sind im Gegensatz zu anderen bakteriellen Gastroenteritis-Erregern ein bedeutender Übertragungsweg. In Deutschland gab es in den letzten Jahren mehrfach größere Häufungen von HUS-Erkrankungen - alle verursacht durch eine sorbitol-fermentierende Variante von EHEC der Serogruppe O157, ohne dass bislang eine Infektionsursache ermittelt werden konnte.


Im aktuellen Fall wird rohes Gemüse bzw. Salat als Infektionsquelle vermutet, allerdings wurden hierzu noch keine gesicherten Ergebnisse veröffentlicht. Derzeit werden in den betroffenen Bundesländern einzelne Betriebskantinen, in denen die EHEC-Patienten gegessen haben, und deren Zulieferer untersucht.


http://www.rki.de


 


GIT Webtipp:


Update vom 31.5.2011: Hygieniker Prof. Dr. Dr. h.c. Helge Karch und sein Team am Uniklinikum Münster haben Screening- und Bestätigungstests für den EHEC-Ausbruchsstamm HUSEC041 entwickelt.


Update vom 29.5.2011: Eculizumab - Antikörper wurden erfolgreich bei der Behandlung von HUS durch EHEC-Infektion eingesetzt.


Update vom 26.5.2011: Das Hamburger Institut für Hygiene und Umwelt (HU) hat eine Salatgurke aus Spanien eindeutig als Träger von EHEC identifiziert und den Serotyp O104 bestimmt. Weitere Infos und eine genaue Beschreibung der Serotyp-Bestimmung


Bundesinstitut für Risikobewertung BfR:
Verbrauchertipps zum Schutz vor Infektionen mit enterohämorrhagischen E. coli (EHEC)


 


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