Geschmacksrezeptoren für Fett auf der menschlichen Zunge identifiziert

  • Geschmacksrezeptoren für Fett auf der menschlichen Zunge identifiziert. Bild: Arnold ReinholdGeschmacksrezeptoren für Fett auf der menschlichen Zunge identifiziert. Bild: Arnold Reinhold

Forscher des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung (DIfE), der TU München und der Charité Berlin haben Geschmacksrezeptoren für Fett auf der menschlichen Zunge identifiziert. Eine erstaunliche Entdeckung, ging man doch bislang davon aus, dass unsere Geschmacksvorliebe für Fett hauptsächlich auf die Beschaffenheit fetthaltiger Nahrung und im Fett gelöste Aromastoffe zurückzuführen ist und nicht auf Geschmackssensoren wie wir sie z.B. für Süßes haben.

"Künstliche Zunge" weist Geschmacksrezeptor nach
Studien an Nagern sowie sensorische Tests erhärteten in jüngster Zeit den Verdacht, dass auch Geschmacksrezeptoren an der sensorischen Wahrnehmung von Fett beteiligt sind und damit indirekt die Fettaufnahme beeinflussen können. Daher untersuchte das Team um Maria Mercedes Galindo und Maik Behrens, ob die in Nagerstudien identifizierten Rezeptorkandidaten auch beim Menschen eine Rolle als Fettgeschmackssensor spielen könnten. Der Rezeptor GPR120 (GPR = G-Protein-gekoppelter Rezeptor) erwies sich dabei als vielversprechend, denn die Wissenschaftler konnten ihn in menschlichen Geschmacksknospen nachweisen, also dort, wo man einen Geschmacksrezeptor erwarten würde. Zudem zeigten funktionelle Untersuchungen an einem zellulären Testsystem - einer "künstlichen Zunge" -, dass langkettige Fettsäuren, die in sensorischen Versuchen bei Probanden einen typischen Fettgeschmack hervorrufen, den Rezeptor deutlich aktivieren.

Gibt es eine sechste Geschmacksqualität "fettig"?
„Dies als Beweis für die Existenz einer sechsten Grundgeschmacksqualität "fettig" zu sehen, wäre aber sicher vorschnell", sagt Wolfgang Meyerhof, Leiter der Abteilung Molekulare Genetik am DIfE. „Hierfür müsste man nachweisen, dass das durch den Fettrezeptor ausgelöste Signal über spezialisierte Geschmackszellen und nachgeschaltete Nervenbahnen als Geschmackssignal ans Gehirn weitergeleitet wird", erklärt Maik Behrens. Dennoch seien die Ergebnisse sehr interessant, da sie erstmalig zeigten, dass auch der Mensch in seinen Geschmacksknospen über einen Fettrezeptor verfügt. Zudem sei der identifizierte Rezeptor ein aussichtsreicher Kandidat, da er zu einer Rezeptorfamilie gehöre, die auch andere chemosensorische Rezeptoren umfasst, wie etwa Bittergeschmacks- oder Geruchsrezeptoren.
Zukünftig wollen die Forscher ihre Ergebnisse als Basis für weitere Forschungsarbeiten nutzen, um zu klären, ob es nun eine sechste Grundgeschmacksqualität gibt oder nicht.

 

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