Neuartige Lichtquelle nutzt einzelne Farbstoffmoleküle als Photonenquelle

  • Neuartige Lichtquelle nutzt einzelne Farbstoffmoleküle als Photonenquelle. Bild: Benedikt StenderNeuartige Lichtquelle nutzt einzelne Farbstoffmoleküle als Photonenquelle. Bild: Benedikt Stender
  • Neuartige Lichtquelle nutzt einzelne Farbstoffmoleküle als Photonenquelle. Bild: Benedikt Stender
  • Schema des neuartigen Bauteils, mit dem sich bei Raumtemperatur einzelne Photonen (roter Pfeil) erzeugen lassen. Durch die kreisförmigen Kontakte fließt Strom, der die darunterliegenden Farbstoffmoleküle zum Leuchten anregt. Der optisch aktive Bauteilbereich beträgt circa zwei Millimeter im Durchmesser. Bild: Benedikt Stender
  • Chemische Struktur des Iridium-basierten Moleküls, das die Wissenschaftler zur Erzeugung einzelner Photonen eingesetzt haben. Bild: Physikalisches Institut Uni Würzburg

Neuartige Lichtquellen, die einzelne Lichtteilchen (Photonen) abgeben können, sind eine Grundvoraussetzung für neue Technologien zur Datenverschlüsselung: entsprechend ausgestattete Bauteile würden es möglich machen, dass sich Daten bei ihrer Übertragung nicht mehr unbemerkt „fischen" lassen, z.B. könnten dadurch Online-Bezahlsysteme noch sicherer werden. Ein innovatives Bauelement, das einzelne Photonen ausschickt, stellen Professor Jens Pflaum vom Physikalischen Institut der Uni Würzburg und seine Kooperationspartner aus Stuttgart und Ulm jetzt in der Zeitschrift Nature Communications vor.

Vorteile der neuartigen Lichtquelle
Sie besteht aus Standardmaterialien für organische Leuchtdioden, ist relativ einfach herzustellen und lässt sich elektrisch betreiben. Das Wichtigste: Sie funktioniert bei Raumtemperatur. Denn vergleichbare optische Bauelemente aus Halbleitermaterialien, wie etwa aus Galliumarsenid, können bislang nur bei Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt betrieben werden.

Einzelne Farbstoffmoleküle in einer Matrix
Das neue Bauteil ist im Prinzip ähnlich konstruiert wie der Pixel eines Displays, das jeder von seinem Handy kennt: Auf ein Trägermaterial - in diesem Fall ein Glasplättchen - wird eine elektrisch leitfähige Schicht aufgebracht. Darauf kommt eine Matrix aus organischem Kunststoff, in die einzelne Moleküle eines Farbstoffs eingebettet sind. Auf der Matrix wiederum werden elektrische Kontakte angebracht. Schließt man diese an eine Batterie an, fließt Strom zu den Farbstoffmolekülen und regt diese dazu an, beständig einzelne Lichtteilchen abzufeuern. Das haben die Physiker mit Photonenkorrelationsmessungen nachgewiesen.

Drei entscheidende Kniffe angewendet
Für diesen Fortschritt waren drei Kniffe entscheidend. Nummer eins: „Wir haben die richtigen Farbstoffmoleküle gewählt", sagt Maximilian Nothaft von der Universität Stuttgart. Es handelt sich dabei um chemische Strukturen, bei denen jeweils drei organische Komplexe um ein Iridium-Atom gruppiert sind.
Kniff Nummer zwei: Die Physiker haben für die richtige Verteilung der Farbstoffmoleküle in der Matrix gesorgt. Lägen die Moleküle zu eng beieinander, würden sie sich gegenseitig beeinflussen und keine einzelnen unabhängigen Photonen abgeben.
Kniff Nummer drei: „Wir haben die Grenzfläche zwischen den elektrischen Kontakten und der Matrix gut gestaltet", erklärt Professor Jörg Wrachtrup von der Universität Stuttgart.

Das sei wichtig, damit die erforderlichen Elektronen, die Träger der elektrischen Ladung, überhaupt in die Polymermatrix injiziert werden können. In diesem Fall hatten die Wissenschaftler mit einem Kontakt aus einer Doppelschicht Aluminium und Barium Erfolg.

Blick in die Zukunft
Was die Physiker als nächstes planen? „Wir werden versuchen, die Matrix mit den Farbmolekülen und den elektrischen Kontakten auf verschiedene Trägermaterialien aufzubringen, um dadurch auch flexible Unterlagen wie etwa Folien einsetzen zu können", so Professor Pflaum. Gelingen dürfte das mit einer Apparatur, die ähnlich wie ein Tintenstrahldrucker arbeitet und die seit Jahren standardmäßig in den Labors zum Einsatz kommt. Ein Vorteil dabei: Die Lichtquellen könnten noch besser auf einer Oberfläche positioniert werden.

Originalliteratur:
Maximilian Nothaft, Steffen Höhla, Fedor Jelezko, Norbert Frühauf, Jens Pflaum, Jörg Wrachtrup; Electrically driven photon antibunching from a single molecule at room temperature; Nature Communications 3 (628), 17. Januar 2012, doi:10.1038/ncomms1637

 

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