Pest: Genom des Schwarzen Todes vollständig rekonstruiert

  • Pest: Todestanz von Michael Wolgemut aus Liber chronicarum (Hartmann Schedel, 1493).Pest: Todestanz von Michael Wolgemut aus Liber chronicarum (Hartmann Schedel, 1493).
  • Pest: Todestanz von Michael Wolgemut aus Liber chronicarum (Hartmann Schedel, 1493).
  • Pest: Genom des Schwarzen Todes vollständig rekonstruiert. Für die Studie wurden menschliche Überreste von Pestopfern untersucht, die auf dem Londoner Pestfriedhof 'East Smithfield' bestattet wurden. Dafür wurden Proben aus den Zähnen von fünf Skeletten verwendet, die bereits positiv auf die Anwesenheit von Y. pestis getestet worden waren. Die Pathogen DNA wurde mit einer Methode des „molekularen Angelns“ spezifisch angereichert, um so den Hintergrund aus menschlicher DNA und der von Pilzen und anderer Bakterien zu verringern. Bild: Ausgrabung auf dem East Smithfield Cemetery (1986-88); Museum of London

Ein internationales Forscherteam um die Genetiker Johannes Krause und Verena Schünemann von der Universität Tübingenhat das Genom des "Schwarzen Todes" vollständig rekonstruiert und hat dadurch nun die Möglichkeit, Veränderungen in der Evolution und der Virulenz des Pathogens zurückzuverfolgen und zu einem besseren Verständnis der Evolution moderner Infektionskrankheiten zu gelangen.

DNA-Sequenzierung
Mit Hilfe eines neuen methodischen Ansatzes, winzige DNA-Fragmente des Krankheitserregers der Pest aus mittelalterlichen Skeletten anzureichern, konnten die Wissenschaftler bestätigen, dass Yersinia pestis-Bakterien für den Schwarzen Tod verantwortlich waren - einer Epidemie bei der zwischen 1347 und 1351 die Hälfte aller Europäer ums Leben. „Um zu verstehen warum die mittelalterliche Pest so katastrophale Auswirkungen hatte, entschlüsselten wir nun das gesamte Erbgut des mittelalterlichen Pesterregers mit Hilfe neuester DNA-Sequenziermethoden", erklärt Johannes Krause, Juniorprofessor an der Universität Tübingen und Spezialist für Paläogenetik.
„Die genetischen Informationen zeigen uns, dass der mittelalterliche Peststamm der Vorläufer aller heute noch vorkommenden Pestbakterien ist. Jeder heutige Pestausbruch auf der Erde geht auf einen direkten Nachfahren der mittelalterlichen Pest zurück", fügt Hendrik Poinar hinzu, einer der Hauptautoren dieser Studie. Die direkten Nachfahren der mittelalterlichen Beulenpest existieren bis heute und töten in etwa 2000 Menschen jährlich.
Die Wissenschaftler fanden heraus, dass sich in 660 Jahren Evolution relativ wenige Veränderungen im Genom des Pesterregers ereignet haben. Ob diese Veränderungen zu der beobachteten höheren Virulenz der historischen Pest im Vergleich zu modernen Pesterregern führten, bleibt jedoch ungeklärt. Im nächsten Schritt wollen wir herausfinden, warum die mittelalterliche Pest so tödlich war", sagt Poinar.


Originalliteratur:
Kirsten I. Bos, Verena J. Schuenemann et al.; A draft genome of Yersinia pestis from victims of the Black Death; Nature (2011), published online 12 October 2011, doi:10.1038/nature10549

http://www.uni-tuebingen.de

Jetzt registrieren!

Die neusten Informationen direkt per Newsletter.

To prevent automated spam submissions leave this field empty.