Prozesse im Yangtze River System

Bericht zu einem Workshop von chinesischen und deutschen Wissenschaftspartnern

Die stetig wachsende Weltbevölkerung und ein sich abzeichnender Klimawandel haben die Frage von Wasserverfügbarkeit und -qualität so stark wie noch nie in das globale Bewusstsein gerückt. Dies gilt naturgemäß auch für Deutschland, wo die Politik bilateralen wissenschaftlich-technischen Projekten eine große Aufmerksamkeit zumisst. Dabei steht nicht der Aspekt einer Entwicklungshilfe im Vordergrund, sondern das gemeinschaftliche Erarbeiten von Handlungsstrategien.

Unter diesem Gesichtspunkt untersuchen chinesische und deutsche Wissenschaftspartner die Auswirkungen des Drei-Schluchten-Damms in China am Yangtze unter anderem auf die Wasserversorgung der Bevölkerung, Landwirtschaft und Industrie. In Aachen fand hierzu Ende November ein chinesisch-deutscher Workshop statt, in dem eine Zwischenbilanz der gemeinsamen Projekte gezogen wurde.

Einleitung

Vom 27.–29. November 2011 fand in Aachen der jährliche Projektfortschritts-Workshop chinesischer und deutscher Wissenschaftlergruppen statt, die sich im Rahmen des Yangtze-Projekts [1] mit wasserrelevanten Fragestellungen befassen. Die deutschen Forschungsarbeiten hierzu werden im Forschungszentrum Jülich schon seit längerem durchgeführt. Seit August 2010 fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) auch direkt fünf Vorhaben deutscher Projektpartner.

Nach dem letzten Treffen im März 2011 an der Tongji-Universität in Schanghai bestand nun die Gelegenheit, sich über Ergebnisse der ersten gemeinsamen Messkampagnen auszutauschen. Die Veranstaltung mit mehr als 80 Teilnehmern fand unter der Leitung von Yin Daqiang, Tongji Universität, Andreas Schäffer, RWTH Aachen, und Günter Subklew, Forschungszentrum Jülich, über den Dächern von Aachen im „SuperC“, dem zentralen Begegnungszentrum der RWTH Aachen, statt. Begrüßt wurden die Gäste von Vertretern der Projektinitiatoren Forschungszentrum Jülich und Tongji-Universität, dem Prorektor der RWTH Aachen, Rolf Rossaint als Gastgeber, sowie von dem verantwortlichen Referatsleiter im BMBF, Herrn MinR Reinhold Ollig, der auch auf die neue chinesisch-deutsche Initiative im Wasserbereich „Clean Water China“ hinwies.

Die inzwischen zehnjährige Zusammenarbeit des Forschungszentrums Jülich mit chinesischen Partnern hat dazu geführt, dass sich zwischen den Forschergruppen aus beiden Ländern ein freundschaftliches und fruchtbares Verhältnis entwickelt hat.

Die vorgestellten Arbeiten zeigte die erwartete Breite der Forschung. Die Vorträge zum jeweiligen Projektstatus beschäftigen sich mit den verschiedensten Wechselwirkungen Schadstoff-Wasser-Sediment ( Yangtze-Hydro) im Yangtze-Staubereich.

Von insgesamt 27 Vorträgen und 14 Postern wiesen 13 Vorträge und 11 Poster eine gemischte deutsch-chinesische Autorenschaft auf [2]. Die enge Verzahnung dieser Projekte mit denjenigen Yangtze-Projekten, die sich mit Landnutzungswandel- Erosion-Hangbewegungen-Stoffeinträgen (Yangtze-Geo) beschäftigen und nach dreijähriger Laufzeit einen ersten Endstand erreicht haben, wurde durch zwei Vorträge demonstriert (Scholten, Universität Tübingen, Bieger, Universität Kiel).

Die chinesischen Partner berichteten in 16 Vorträgen und 2 Postern von ihren Arbeiten im Yangtze-Einzugsgebiet. Für den Wasserband Eifel-Rur stellte H. Polczyk das kaskadenförmig angelegte Talsperrensystem in der Nordeifel mit seinem grenzüberschreitenden Wassereinzugsgebiet und den vielfältigen Anforderungen von Haushalt, Industrie, Tourismus und Kraftwirtschaft an das Wassermanagement vor. Fünf Aussteller präsentierten vorwiegend messtechnische Ausrüstungen zu Probenahme und Analytik in Gewässern.

Die Fachbeiträge

Während die deutschen Partner sich überwiegend mit Vorgängen im Bereich des Yangtze-Staubereichs und der Nebenflüsse des Yangtze oberhalb der Staumauer beschäftigen, berichteten die chinesischen Forscher mehrheitlich aus dem unteren Lauf des Yangtze. Die deutsche Seite, durchweg in Kooperation mit chinesischen Partnern, hat als Themen mikrobieller Schadstoffabbau

▪▪ mikrobieller Schadstoffabbau (Tiehm, TZW Karlsruhe),

▪▪ Modellierung des unteren Stausbereichs in der Nähe des Damms (Westrich, Universität Stuttgart)

▪▪ Datenbasis und Bewertung der Modellierung des Schadstofftransports (Wei, Universität Stuttgart).

▪▪ virtuelle Organismen als Adsorber für organische Stoffe (Schramm, Technische Universität München)

▪▪ dynamisches Verhalten von Referenzverbindungen bei virtuellen Organismen (Temoka, Technische Universität München),

▪▪ Sorptionsuntersuchungen an Sedimenten (Klumpp, Forschungszentrum Jülich),

▪▪ Abbau von Chemikalien in der Umwelt (Küppers, Forschungszentrum Jülich),

▪▪ Auswirkungen kommunaler und industrieller Stoffeinträge auf die Gewässerqualität (Reid, Karlsruher Institut für Technologie),

▪▪ Anwendung des Unterwasserprobennahmegerätes Minibat (Holbach, Karlsruher Institut für Technologie)

▪▪ Messung von Mikroverunreinigungen im Wasser (Wolf, IWW Mülheim / Biebesheim),

▪▪ Verhalten von Modellsubstanzen im Yangtze (Scholz-Starke, RWTH Aachen),

Die chinesische Seite stellte ihre Forschungsergebnisse folgendermaßen vor:

▪▪ Antibiotika und resistente Keime im Yangtze (Yin, Tongji Universität Shanghai),

▪▪ Schadstoffanreicherung in biologischen Systemen und Entwicklung von Frühwarnsystemen für typische Schadstoffe im Staubereich (Chen, Institut für Hydroökologie, Wuhan),

▪▪ Eutrophierung und Überwachung im Taihu-See (Yang, Nanjing Universität),

▪▪ Nonylphenol-Entfernung mit phenolischen Humus-Monomeren (Ji, Nanjing Universität),

▪▪ Bioakkumulation und Biotransformation von Polybromdiphenyl-Äthern in Karpfen (Gao, Nanjing Universität),

▪▪ Bewertung der ökologischen Sicherheit und Entwicklung eines Frühwarnsystems für das Yangtze-Reservoir (Wang, Craes, Beijing),

▪▪ Einfluss von Übergangsmetallionen auf die Bildung von Desinfektionsnebenprodukten bei der Chlorierung von Trinkwasser (Zhu, Tongji Universität),

▪▪ Strategieplan für die Wasserqualitätskontrolle im Drei-Schluchten-Reservoir und seinem Einzugsgebiet (Su, Chinese Research Academy of Environmental Sciences, Craes, Peking),

▪▪ Beispiel für die Sanierung eines innerstädtischen Gewässers im Yangtze-Einzugsgebiet (Cheng, Tongji Universität),

▪▪ Adsorption und Abbau von Atrazin im Boden der Wasserfluktuationszone der Ufer im Staubereich (Ma, Tongji Universität),

▪▪ Mikrohabitate und Populationsstruktur des Leptobotia tchangi (Li, Tongji Universität),

▪▪ Abbauprodukte von Organochlorverbindungen in Sediment und Wasser aus dem Dianshan See im Yangtze-Delta (Qui, Tongji Universität).

Die thematischen Überlappungen der Interessen lassen sich besonders deutlich in den Bereichen Monitoring/Wasserqualität, Chemikalien in der Umwelt, Mikrobiologie, Modellierung, Bewertung von Eingriffen des Menschen sowie dem Management von Veränderungen erkennen. In all diesen Bereichen sind die Kooperationen eng und werden von beiden Seiten fachlich, inhaltlich getragen. Im Anschluss an den Workshop wurden Besichtigungen der RWTH Aachen, des Forschungszentrums Jülich, des IWW Mülheim sowie der ökologischen Rheinstation in Köln durchgeführt.

Bei allen Gesprächen wurden sowohl national als auch international immer wieder Kooperationsmöglichkeiten ausgelotet, was sicher zu einer noch besseren Vernetzung bis zum nächsten Workshop führt. Auch das Rahmenprogramm mit Stadtführung, Dombesichtigung und Besuch des Weihnachtsmarktes sowie die abendliche Gesprächskreise werden den Teilnehmern wohl noch positiv im Gedächtnis bleiben.

Der Tagungsband ist unter ISBN 978-3-89336-744-3 vom Forschungszentrum Jülich in der Schriftenreihe Energie & Umwelt / Energy & Environment veröffentlicht und ist unter dem angegebenen Link [3] als Open-Access-Publikation verfügbar. Darüber hinaus steht ein Projekt- Präsentations-Paper der Deutschen Projektpartner als Online-Publikation zur Verfügung [4].

Ausblick

Im Rahmen des Workshops wurde Ergebnisse vorgestellt, Projektideen diskutiert, Probennahmen verabredet und der voraussichtliche Termin des nächsten Workshops in Shanghai für Mitte September 2012 verabredet. Die deutsch-chinesischen Wissenschaftler werden den Weg der Zusammenarbeit weiter fortführen, die Ergebnisse werden in Literatur und Praxis Eingang finden und einen Beitrag zur Sicherung und Verbesserung der Wasserversorgung leisten.

Danksagung

Die Projekte und die gemeinsamen Deutsch- Chinesischen Workshops werden durch das BMBF, Förderung zum „Verbundprojekt Drei- Schluchten-Stausee am Yangtze – China“, sowie durch das Internationale Büro des BMBF finanziell unterstützt.

Literatur

[1] Wilken R.D. et al.: Ökologische Auswirkungen des Drei-Schluchten-Damms - BMBF geförderte Deutsch- Chinesische Wasserprojekte. GIT Labor-Fachzeitschrift 6/2011, S. 388–391, GIT VER LAG, WILEY-VCH Verlag, Darmstadt

[2] http://www.yangtze-project.de/workshop2011/scientific_ program/

[3] Küppers S. et al.: Schriftenreihe des Forschungszentrums, Energie und Umwelt – Band 123, 2011, 84 S, ISBN 978-3-89336-744-3 http://hdl.handle. net/2128/4509

[4] Bergmann A. et al.: Environ Sci Pollut Res DOI 10.1007/s11356-011-0645-7

[4] Bergmann A. et al.: Environ Sci Pollut Res DOI 10.1007/s11356-011-0645-7

 

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