TU Berlin: Alchemistische Wunderheilmittel aus Wittenberg

Einladung zum Vortrag am 24. April 2017

  • Gefunden bei Ausgrabungen im ehemaligen Franziskanerkloster in Wittenberg: Retorte zur Schwefelsäuredestillation. (Bildnachweis: Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt 2016)Gefunden bei Ausgrabungen im ehemaligen Franziskanerkloster in Wittenberg: Retorte zur Schwefelsäuredestillation. (Bildnachweis: Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt 2016)

Spektakulärer archäologischer Fund zeichnet ein neues Bild der Alchemie des 16. Jahrhunderts. Eine mit Unmengen von Glasscherben angefüllte Abfallgrube, gefunden bei Grabungen im ehemaligen Franziskanerkloster in Wittenberg, wurde zu einer der größten archäologischen Entdeckungen der Chemie- und Alchemiegeschichte der frühen Neuzeit in Europa.

Die Scherben der Grube lassen sich in das letzte Drittel des 16. Jahrhunderts datieren. Sie erregten im chemischen Labor und der Restaurierungswerkstatt des Landesmuseums für Vorgeschichte Sachsen-Anhalt schon wegen ihrer merkwürdigen Anhaftungen Interesse und ließen sich schließlich in 18 Monate andauernder Kleinarbeit zu der größten erhaltenen alchemistischen Laborausstattung Deutschlands zusammensetzen.

Der Chemiker Dr. Chr.-Heinrich Wunderlich, der die Untersuchungen an Chemikalienresten der Gerätschaften unternahm, wird in einem Vortrag über den Gang seiner Untersuchungen und die daraus folgende Rekonstruktion der Produktionsprozesse eines alchemistischen „Pharmabetriebes“ berichten.

Zeit: 24. April 2017, 17.15 Uhr
Ort: TU Berlin, Straße des 17. Juni 115, 10623 Berlin, Chemiegebäude, Hörsaal C 130

Der Vortrag ist öffentlich. Der Eintritt ist frei. 

Chr.-Heinrich Wunderlich staunte nicht schlecht über die Unmengen von Quecksilber- und Antimonverbindungen, die er vorfand. Hauptarbeitsgebiet des Wittenberger Alchemisten war nämlich die Produktion von Heilmitteln aus Antimonverbindungen, deren Herstellung auf eine Idee des berühmten, aber auch umstrittenen Alchemisten und Mediziners Paracelsus zurückgehen.

Der Wittenberger Fund räumt nach Ansicht Wunderlichs jedenfalls mit überkommenen, einseitigen Vorstellungen über die Tätigkeit der Alchemisten auf: „Weder war Alchemie in der Renaissancezeit eine finstere Geheimwissenschaft, noch waren Alchemisten allesamt auf die Herstellung von Gold und Betrug aus.“ Ein solches negatives Bild gehe im Wesentlichen auf das 18. und 19. Jahrhundert zurück, als sich Chemie und Physik als eigenständige naturwissenschaftliche Disziplinen emanzipierten, und man sich von ihren Vorläufern distanzieren wollte.

Wunderlich, der unter anderem archäometrische Untersuchungen an der berühmten Himmelsscheibe von Nebra vornahm, wird in seinem Vortrag auch darüber sprechen, was moderne Naturwissenschaftler mit den Alchemisten vergangener Jahrhunderte verbindet.

„Ihre Fragen und ihre Hoffnungen waren dieselben, die uns auch heute noch zur Forschung animieren: Bis heute verbindet uns mit den frühen Alchemisten die Sehnsucht, die Geißeln der Menschheit – Krankheit, Hunger und Armut – zu besiegen, aber dabei auch Macht, Ruhm und Wohlstand zu erwerben", so Wunderlich.

Die Ausstellung „Alchemie, die Suche nach dem Weltgeheimnis" im Landesmuseum Halle, die auf dem Wittenberger Laborfund beruht, ist noch bis zum 5. Juni 2017 zu sehen.

Der Vortrag ist eine gemeinsame Veranstaltung der Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V. und der TU Berlin, Fachgebiet Biologische Chemie. 

Mehr Informationen: http://www.pressestelle.tu-berlin.de

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