Laborbau: Problemzonen und Trends

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Planung und Bau von Laboren ist ein herausforderndes Unterfangen. Während man, dank hochspezialisierter Planer und Errichter, die technische Seite bei aller Komplexität meist im Griff haben sollte, gibt es bei vielen Projekten nach wie vor Mängel an anderer Stelle: bei der Einbindung der Nutzer und bei der gründlichen Prozessplanung bereits zu Projektbeginn.

Theoretisch erdacht ist die Planung eines Labors so einfach wie logisch: Man definiere die Anforderungen der Nutzer und integriere sie in das zu erstellende oder bestehende Gebäude. In der Praxis sieht die Welt allerdings komplizierter aus. Denn nicht immer sind zum Planungszeitpunkt bereits alle Nutzer an Bord, die Nutzungsanforderungen ändern sich und eine Blaupause gibt es ebenso wenig wie das optimale Standardlabor.

Individualität ist also gefragt – und die Umsetzung innovativer, manchmal auch radikaler Denkansätze. Provokant gesagt: das Verständnis von Laboren hat sich in den letzten Jahrzehnten eigentlich kaum weiter entwickelt. Innovationsschübe gehen eher von technischen Entwicklungen aus, bilden sich aber in der Organisation und in der Struktur von Laboren oft nicht ab. Wer den Bau eines Labors plant, muss also Fragen in die Zukunft stellen: Wie werden Laborarbeitsplätze künftig aussehen? Welche Konsequenzen sind aus sich wandelnden Organisationsstrukturen für die Gestaltung der Gebäudehülle zu ziehen? Welche Rahmenbedingungen sind nötig, um radikal neue Laborkonzepte entstehen zu lassen? Wie kann eine Innovationsstrategie bei der Laborplanung aussehen, die nicht nur herausragende Rahmenbedingungen für Forschung und Entwicklung bietet, sondern auch Wertströme optimiert?

Die Antworten auf diese Fragen sind zum großen Teil individuell. Ein zentraler Faktor ist sicher Kommunikation. Es genügt nicht, auf dem Papier eine nüchterne Bedarfsanalyse zu erstellen, den Architekten planen, und die Baufirmen bauen zu lassen, die gewünschten Einrichtung aufzustellen und dann die Nutzer einziehen zu lassen. Eine konsequente Ausrichtung auf die Optimierung der Prozesse und Wertströme von Beginn des Projekts an ist nötig.

Eine Einbindung der Nutzer wäre bei Bauvorhaben aller Art angezeigt, und besonders wenn es um Gebäudetypen mit komplexer Nutzung, hohem Technisierungsgrad und speziellen Anforderungen an den Betrieb geht, wie etwa OPs, Rechenzentren und gerade auch Labore. Zuweilen schrecken Bauherren davor zurück, weil sie Zeitverluste und ein „Zerreden“ des Projekts befürchten. Erfolgt die Nutzerbefragung aber nicht in hinreichender Weise, drohen bereits mit der Inbetriebnahme Ad-hoc-Lösungen und ineffiziente Strukturen. Tatsächlich soll nicht das Gebäude den Prozess bestimmen, sondern der Prozess das Gebäude. Aber nicht nur die eigentlichen Laborprozesse sind von Beginn an mitzubedenken, sondern auch die Sekundärprozesse. Auch Gebäudetechnik, Klimatisierung, Reinigung und Wartung sind für einen effizienten und erfolgreichen Laborbetrieb von maßgeblicher Bedeutung.

Alle Beteiligten sollten also ihr Fachwissen einbringen, bevor die vielfältigen Möglichkeiten bewertet werden. Architekten, Laborplaner, Betreiber und Nutzer müssen für ihren jeweiligen Bereich definieren, was möglich und was wünschenswert ist. Vorbereitende Workshops können hier ein geeignetes Mittel sein. Ideengenerierung, ihre Filterung und die Implementierung müssen durchdacht werden. Optimal ist es, Praxisbeispiele zu betrachten und für den eigenen Fall auf die Nutzbarkeit zu überprüfen. Ein Blick über den Tellerrand hinaus ist hierbei nützlich; gerade von Laboren und Forschungsbauten jenseits des eigenen Labortyps und der eigenen Branche gehen oft wertvolle Impulse aus. Und warum nicht den Blick noch weiter schweifen lassen? Auch wenn es Vertreter der Life Sciences manchmal nicht gerne hören, im Bereich Arbeitsorganisation und Prozessoptimierung ist die Produktion oft Vorreiter. Begriffe wie Lean Production oder Six Sigma müssen auch im Laborbereich keine Fremdwörter bleiben.

Einige Trends und Entwicklungen im Laborbau sind bereits heute absehbar. Eine zukunftssichere Laborplanung wird sich mit Fragestellungen befassen müssen:

Hybridisierung
Eine starre Festlegung auf eine Nutzungsart ist zu hinterfragen. Nicht nur die rasante technologische Entwicklung und immer kürzere Innovationszyklen machen häufige Neugestaltungen bestehender Arbeitsumgebungen nötig. Auch der demografische Wandel und sich verändernde Ansprüche der Arbeitnehmer an die Arbeitsplatzgestaltung sind zu berücksichtigen. Generell gibt es einen Trend hin zu einer stärkeren Interdisziplinarität und zur Verzahnung des Laborbereichs mit anderen Unternehmensteilen. Flexible, adaptierbare Gebäude haben diesen Gegebenheiten Rechnung zu tragen, natürlich ohne bei spezifischen Anforderungen Abstriche zu machen.

Automatisierung
Die wachsende Automatisierung im Labor ist eine Herausforderung für die Planung. Die zu stellenden Fragen sind: Wie ist der Stand der Automatisierung heute? Wohin geht die Entwicklung? Welche Einflüsse und Trends gibt es? Wann wäre ein solches Labor effizient? Notwendig ist an dieser Stelle auch die Prozessanalyse an der Schnittstelle zu Layout-Planung und Nutzungskonzept.

Innovationsorientierung
Forschende Labore sind selbstverständlich auf Innovation fokussiert - sie ist deren Daseinszweck. Aber Innovation sollte nicht nur das Ergebnis der Laborarbeit sein. Auch die Laborprozesse selbst sollten stetig neu gedacht und auf ihr Innovationspotential hin überprüft werden. Es dabei ist wichtig, Innovation als strategische Aufgabe zu betrachten.

Effizienzorientierung
Das Labor muss nicht als notwendiger Kostenfaktor hingenommen werden. Durch neue Denkansätze und eine konsequente Wertstromoptimierung kann eine neue Wahrnehmung des Labors als wertvolle Ressource und Profittreiber erreicht werden. Zentrale Bedeutung kommt hier der Vermeidung von Verschwendung zu - und zwar nicht nur hinsichtlich der Verbrauchsmaterialien oder im Sinne der Energieoptimierung, sondern vor allem beim Personaleinsatz, der mit einem Anteil von 60-80% der weitaus größte Kostenfaktor im Labor ist und trotz fortschreitender Automatisierung auf absehbare Zeit bleiben wird.

Change Management
Wo wir beim Faktor Mensch sind, ein Mitnehmen der Nutzer ist bei aller Innovationsorientierung und Ressourcenoptimierung absolut unabdingbar. Ein Projekt kann in allen genannten Bereichen noch so exzellent sein – ohne ein gelungenes Change Management wird es in Schwierigkeiten geraten.

Kontakt
Management Forum Starnberg
Starnberg
info@management-forum.de
www.management-forum.de

 

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