Nachhaltigkeit im Labor

1. Jahreskonferenz von EGNATON - Nachbericht

  • 1. Jahreskonferenz von Egnaton fan im Oktober 2010 in Darmstadt. Bild: Darmstadtium, JUERGENMAI.COM1. Jahreskonferenz von Egnaton fan im Oktober 2010 in Darmstadt. Bild: Darmstadtium, JUERGENMAI.COM
  • 1. Jahreskonferenz von Egnaton fan im Oktober 2010 in Darmstadt. Bild: Darmstadtium, JUERGENMAI.COM
  • Egbert Dittrich, Geschäftsführer,  Egnaton e.V. ,  Vorstandsmitglied,  Labdicon – Dittrich  Consulting
  • Dipl.ing. Dieter Grömling, Vorstandsmitglied, Egnaton e.V., Leiter Bauabteilung der Max Planck Gesellschaft e.V.

Nachhaltigkeit im Labor: Die 1. Jahreskonferenz von Egnaton in Darmstadt übertraf die Erwartungen der Teilnehmer aus In- und Ausland. Die Themen, derer sich Mitglieder und Gastreferenten annahmen, spiegelten die enorme Komplexität der Nachhaltigkeit wieder und demonstrierten ein breites Spektrum an Fachwissen, über das in der Laborwelt praktisch keine Einzelpersonen oder sogar Firmen, Dienstleister oder Betreiber verfügen. Der interdisziplinäre Charakter der Nachhaltigkeit erfordert Expertise aus den unterschiedlichsten Fachgebieten. Die konsenshafte Meinung der Kongressbesucher drückte die Überzeugung aus, dass nur im Rahmen einer Europäischen Zusammenarbeit der Laborwelt, d.h. Betreiber, Planer, Nutzer, Aus- und Einrichter und Facility Management den Herausforderungen begegnet werden könne. Vertreter der Universitäten beklagten, dass gewisse Labortypen mit Spezialanforderungen nur einmal im Arbeitsleben eines Mitarbeiters einer Bauabteilung vorkommen und somit die Erfahrung eine nur untergeordnete Rolle spiele.

Der erste Tag der Veranstaltung war reserviert für Fragen und Zustandsberichte. Was erwartet oder verspricht sich die Branche von Nachhaltigkeit? Müssen wir uns überhaupt damit beschäftigen oder reicht aus, was bisher im Rahmen der Gesetze und Richtlinien und des intrinsischen Gedankengutes der Nachhaltigkeit förderlich war. Überall werden derzeit Zertifizierungssysteme etabliert, denen gemein ist, bestehende Regeln zu strukturieren und neue Technologien unter das Diktat der Nachhaltigkeit zu stellen. Die Zertifizierungskriterien von nachhaltigen Laborgebäuden stellen somit ein Regelwerk für Planer und Architekten dar und generieren Planungstools, die für den nachhaltigen Laborbau unabdingbar sind. Gleichwohl herrscht aber auch die Erkenntnis vor, dass ein nachhaltiges Laborgebäude nicht nachhaltig betrieben werden kann. Somit sind nach der Errichtung des Gebäudes eine Fülle von Strategien in Kraft zu setzen, die infolge der sich ändernden Prozesse und Aufgaben im Labor einer permanenten Anpassung bedürfen. Des Weiteren war man sich einig, auch das Nutzerverhalten in den Fokus der Nachhaltigkeit stellen zu müssen. Am zweiten Tag ging die Veranstaltung auf die ersten in den Arbeitsgruppen erarbeiteten Ergebnisse ein, deren Belastbarkeit vor dem Hintergrund, erst wenige Sitzungen durch geführt zu haben, noch nicht ausreichend ist.

Vorergebnisse und experimentelle Trendmessungen lieferten jedoch bereits einige überraschende und durchaus kontrovers diskutierte Erkenntnisse. Den Teilnehmern konnte erfolgreich vermittelt werden, auf was es Egnaton ankommt und welche Inhalte in den nächsten Jahren bearbeitet werden sollen.

Voraussetzung für wirtschaftliche und langfristig tragfähige Investitionen in Bauten für Forschung ist eine fundierte Kenntniss bautypologischer und haustechnischer Sachverhalte. Auf dieser Basis, die einen stetigen Erfahrungsaustausch einschließt, ist es möglich, qualitätsvolle Forschungsorte zu konzipieren, die den komplexen Ansprüchen an Funktion, Apparaturen, Arbeitsweisen und Ästhetik gerecht werden. Durch ein Engagement für und bei Egnaton besteht die Chance, über institutionelle und nationale Grenzen hinaus, im Sinne von „Benchmarking und Best-Practise" zukunftsorientierte Strömungen zu erkennen und sie Lösungen zuzuführen. Die klassische Denkweise eines Architekten als „Ober-zusammen-Setzer" unterschiedlicher Disziplinen und Sachverhalte ist gefragt. Gerade bei technisch induzierten, in Bau und Betrieb sehr aufwändigen Bauten mit dichter apparativer Belegung ist integriertes Denken sehr wichtig. Schnittstellen zwischen Fachplanern (Versorgungstechnik, Elektrotechnik, Laborplanung, Bauphysik, Statik, Akustik, etc.) und Wissenschaftlern müssen definiert und zugleich geschlossen werden. Eine Vielzahl von Einzelthemen sind es wert, betrachtet und „neu zusammengesetzt" zu werden. Beispielweise kann dies der typologische Wandel durch Zertifizierungstendenzen (DGNB) oder durch die Nachhaltigkeitsdiskussion (EnEV 2009 ff, Einsatz erneuerbarer Energien...) sein. Ebenso interessant ist der Wandel der Laborstrukturen (Kombilab, Arbeitssicherheit) oder der künftige Umgang mit exponentiell steigenden Datenmengen und die hierfür nötigen betriebskostenintensiven Rechenzentren.

Gefragt sind praktische Handlungshinweise im Laboralltag mit Schwerpunkt Energieeffizienz. Gebäudekundlich grundlegende Änderungen bei Präzisionslaboratorien physikalischer Ausrichtung durch extreme Anforderungen an Temperaturkonstanz und Schwingungsstabilität sind zu analysieren. In den kommenden Jahren wird versucht, diese Themen durch eine Kooperation mit Studenten des weiterbildenden Masterstudiengang Clima Design an der Technischen Universität München (Lehrstuhl für Bauklimatik und Haustechnik, Prof. Dr.-Ing. Gerhard Hausladen) aufzubereiten. Im Rahmen von Masterarbeiten - unterstützt durch Fachleute unterschiedlicher Disziplinen aus der Mitgliederschaft von Egnaton - sollen Sachverhalte analysiert, Ergebnisse zusammengefasst und bei den jeweiligen Jahrestagungen vorgestellt sowie diskutiert werden. Egnaton und seine neue Arbeitsgruppe unter Leitung von Dieter Grömling (MPG) sieht im frühzeitigen, integrativen Zusammenwirken von Architektur und Haustechnik eine große Chance für Erkenntnisgewinne.

 

GIT Webtipp:
Nachhaltige Labortechnologien - Der Zukunft verpflichtet
Interview mit Konrad Kreuzer, dem Präsidenten und Egbert Dittrich, dem Geschäftsführer von Egnaton

Kontaktieren

Europäische Gesellschaft für Nachhaltige Labortechnologien e.V., Egnaton
Mühltalstr. 61
64625 Bensheim
Deutschland
Telefon: +49 (0)6251/704720
Telefax: +49 (0)6251/7047220

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