Otto-Bayer-Preis 2018 geht an Dr. Tobias Erb

  • Dr. Tobias ErbDr. Tobias Erb

Der Preisträger des "Otto-Bayer-Preises 2018" steht fest: Kuratorium und Stiftungsrat der Bayer Science & Education Foundation haben Dr. Tobias Erb die mit 75.000 Euro dotierte Auszeichnung zuerkannt. Der Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für terrestrische Mikrobiologie erhält den Preis für herausragende Beiträge auf dem Gebiet der "Synthetischen Biologie und insbesondere ihrer Anwendung auf die künstlichen Photosynthese". Erb und seine Arbeitsgruppe verwenden dabei die Methoden der Chemie um neue biologische Stoffwechselwege am Reißbrett zu erzeugen ("metabolische Retrosynthese") und entwickeln so die Biologie zu einer synthetischen Disziplin.

Kohlendioxid (CO2) ist ein wichtiger und natürlicher Bestandteil der Luft und der Erdatmosphäre. Durch menschliche Aktivitäten, allen voran die Verbrennung fossiler Energieträger, stieg sein Anteil in der Atmosphäre in den letzten hundert Jahren auf nahezu die doppelte Menge an. Dieser Anstieg hat negative Seiten: So bewirkt der rapide Anstieg der CO2-Konzentration eine Verstärkung des Treibhauseffektes, der wiederum die globale Erderwärmung antreibt. Andererseits ist CO2 lebensnotwendig für Pflanzen, Algen und einige Bakterien: Sie wandeln das Treibhausgas in Biomasse um; bei der sogenannten Photosynthese entstehen aus CO2 und Wasser, Zucker und Sauerstoff.

Doch dieser drei Milliarden Jahre alte Prozess ist relativ langsam und ineffizient. Der zentrale Biokatalysator der Photosynthese, ein Enzym namens RuBisCO, wandelt im Schnitt lediglich fünf bis zehn CO2-Moleküle pro Sekunde um. Auf der Suche nach effizienteren Lösungen wurden Tobias Erb und sein Team in Mikroorganismen fündig, die praktisch überall auf der Erde vorkommen: In einem Gramm Erdboden befinden sich Millionen bis Milliarden dieser Kleinstlebewesen, die eine erstaunliche Vielfalt verschiedenster Biokatalysatoren besitzen. Unter diesen Biokatalysatoren befindet sich auch ein bis dato unbekanntes Enzym aus Purpurbakterien, das CO2 bis zu zehnmal schneller umwandelt als die RuBisCO in der natürlichen Photosynthese.

In einer bahnbrechenden Arbeit gelang es der Arbeitsgruppe um Tobias Erb, auf Basis dieser hocheffizienten Reaktion und anderen Enzymen aus insgesamt neun verschiedenen Mikroorganismen einen künstlichen Stoffwechselweg zur CO2-Umwandlung im Reagenzglas zu erschaffen, was einen ersten Schritt zur künstlichen Photosynthese darstellt. Auf Grundlage dieser Arbeiten könnte in Zukunft ein relevanter Beitrag zur Deckung des menschlichen Energie- und Nahrungsbedarf entstehen und gleichzeitig die Menge an CO2 in der Atmosphäre verringert werden.

Prof. Dr. Ernst-Ludwig Winnacker, Vorsitzender des Stiftungskuratoriums, erklärt: "Die Umwandlung von Kohlendioxid aus der Luft in organische Kohlenstoffverbindungen bildet die Grundlage unserer Nahrungskette, unserer Energieversorgung und unserer modernen chemischen Industrie. Die Photosynthese ist der bekannteste Prozess zur Kohlendioxid Umwandlung. Tobias Erb ist mit seiner Forschung an bisher unbekannten CO2-umwandelnden Mechanismen in Mikroorganismen auf der Spur von neuen, künstlichen Stoffwechselprozessen, die zukünftig eingesetzt werden könnten, um CO2 als nachhaltigen Rohstoff zu verwenden. Tobias Erb ist ein Pionier dieser Technologie an der Schnittstelle zwischen Biologie und Chemie und erscheint der Jury daher als idealer Kandidat für eine Auszeichnung mit dem höchst angesehenen Otto-Bayer-Preis."

Der Otto-Bayer-Preis gilt als eine der angesehensten und begehrtesten Ehrungen für Naturwissenschaftler im deutschsprachigen Raum. Die feierliche Verleihung durch Werner Baumann, dem Vorstandsvorsitzenden der Bayer AG, erfolgt am 25. Juni 2018 in Berlin im Rahmen eines Festaktes. Mit dem Otto-Bayer-Preis werden Wissenschaftler geehrt, die wegweisende Forschungsbeiträge auf innovativen Gebieten der Biochemie und Chemie geleistet haben. Er wird bereits seit 1984 im Andenken an den Preisstifter und Erfinder der Polyurethan-Chemie, Prof. Dr. Otto Bayer, verliehen. Der 1982 verstorbene ehemalige Forschungsleiter der Bayer AG (nicht verwandt mit dem Firmengründer) förderte einen intensiven Kontakt zu den Hochschulen und unterstützte die universitäre Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses.

Mehr Information:
Bayer AG

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