01.03.2008
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Analytik bei Henkel - Wolfgang Preuss im Interview

  • Dr. Wolfgang Preuss, Leiter der Zentralen Analytik und Vice President im Ressort Research/ Technology bei HenkelDr. Wolfgang Preuss, Leiter der Zentralen Analytik und Vice President im Ressort Research/ Technology bei Henkel

Analytik bei Henkel - Wolfgang Preuss im Interview. Henkel sieht in Innovationen die Basis für den Erfolg und die Zukunftsfähigkeit. Das Unternehmen verfügt über ein weltweites Forschungsnetz mit über 250 Kooperationspartnern aus den universitären Bereichen. Ziel ist, Technologietrends frühzeitig zu erkennen und umzusetzen. Dabei spielt die Zentrale Analytik eine zentrale Rolle sowohl für Forschung und Entwicklung als auch in der Produktion- und Qualitätskontrolle. So hat die Analytik als Kompetenzzentrum für alle Bereiche eine Schlüsselposition inne. GIT sprach mit Dr. Wolfgang Preuss, dem Leiter der Zentralen Analytik und Vice President im Ressort Research/ Technology bei Henkel, über die Struktur, das Know-how und die Herausforderungen dieser Unternehmenseinheit. Das Interview führte Dr. Margareta Dellert-Ritter.

GIT Labor-Fachzeitschrift: Herr Dr. Preuss, wir befinden uns hier in der Zentralen Analytik. Handelt es sich dabei um die Zentrale Analytik des Henkelkonzerns oder der Henkel-Forschung?

Wolfgang Preuss: Die Zentrale Analytik ist weltweit das Kompetenzzentrum für analytische Chemie und arbeitet für alle Geschäftsbereiche von Henkel. Natürlich kooperieren wir dabei besonders eng mit den Kolleginnen und Kollegen aus Forschung und Produktentwicklung. Wir sind aber für Gesamt- Henkel da und bieten unsere Dienstleistungen auch verstärkt Kunden außerhalb von Henkel an.

Nach welchen Organisationsmerkmalen ist die Zentrale Analytik bei Henkel strukturiert?

Wolfgang Preuss: Wir haben im Wesentlichen vier analytische Gruppen: Produktanalytik, Instrumentelle Analytik, Oberflächen- und Festkörperanalytik sowie den Process Support, der on- und atline- Messverfahren entwickelt und betreut.

Wie sieht beispielsweise die Produktanalytik konkret aus?

Wolfgang Preuss: Die Produktanalytik ist ausgerichtet an den Geschäftsfeldern von Henkel und hat über Jahrzehnte Kompetenz aufgebaut in der Analytik von Wasch- und Reinigungsmitteln, Kosmetika sowie chemisch-technischen Produkten.

Zur letzten Gruppe gehören auch die Kleb- und Dichtstoffe, die mittlerweile das umsatzstärkste Segment des Henkel-Geschäftes ausmachen. Nicht zu vergessen sind darüber hinaus Desinfektions- und Hygieneprodukte sowie fettchemische Roh- und Zwischenprodukte. Diese analytischen Arbeitsfelder gehen auf Geschäftsfelder zurück, von denen sich Henkel ganz- oder teilweise in den letzen Jahren getrennt hat. Das analytische Know-how ist bei uns aber nach wie vor verfügbar. Unser Anspruch allgemein in der Produktanalytik ist es, komplexe Produkte bis ins Detail auseinander zu nehmen und eine Rezepturrekonstruktion zu ermöglichen.

Wie viele Mitarbeiter sind in dieser Einheit beschäftigt?

Wolfgang Preuss: Die Analytik insgesamt umfasst ca. 90 Mitarbeiter, davon arbeiten 25 in der Produktanalytik.

Henkel verfügt über ein geballtes Knowhow in der Analytik. Welches Spektrum decken Sie damit ab?

Wolfgang Preuss: Wir beschäftigen uns thematisch mit analytischen Fragestellungen rund um das sehr breite Spektrum der Henkel-Produkte. Diese reichen z. B. von der Strukturaufklärung und Charakterisierung von Forschungsprodukten über Stabilitätsuntersuchungen neuer Rohstoffe in Formulierungen bis hin zu laufender Qualitätskontrollanalytik. Natürlich können wir mit unserem umfangreichen spurenanalytischen Repertoire auch alle relevanten Herausforderungen rund um den vorbeugenden Verbraucher- und Umweltschutz lösen. Da Henkel-Produkte im weitesten Sinne immer an Oberflächen eingesetzt werden, haben wir vielfältige Methoden zur Charakterisierung diverser Oberflächen entwickelt um damit auch Produktwirkungen untersuchen zu können. Die Zielsetzung der Produktanalytik bleibt wie bereits ausgeführt, die Rezepturrekonstruktion von Eigen- oder Wettbewerbsprodukten. Einen breiten Raum nimmt darüber hinaus die sog. Failure Analyse ein, die immer dann ins Spiel kommt, wenn z. B. ein Klebstoff bei Anwendung nicht klebt, sich die Beschichtung von einer Oberfläche ablöst, wenn irgendwo unerwünschte Verfärbungen oder Ablagerungen auftreten u. s. w.

Auf welche analytischen Methoden konzentrieren Sie sich hauptsächlich?

Wolfgang Preuss: Produktanalytik z.B. beginnt immer mit der präparativen Auftrennung in Fraktionen, die im Idealfall dann nur noch einen bestimmten Rohstoff enthalten. Von daher sind alle apparativen und nasschemischen Probenvorbereitungstechniken bei uns vertreten. Erst im weiteren Verlauf einer Analyse kommen dann die verschiedensten nasschemischen, chromatographischen oder spektroskopischen Techniken zum Einsatz. In der Chromatographie decken wir beispielsweise das gesamte Spektrum ab. Das fängt bei der Dünnschichtchromatographie (DC) an, die für uns immer noch eine herausragende Rolle spielt. Aufgrund ihrer einzigartigen Selektivitäten liefert die DC gerade bei der Produktanalytik in einem Lauf sehr viele Informationen. Selbstverständlich setzen wir auch die Gaschromatographie, HPLC, die Ionenchromatographie und GPC mit den entsprechenden Kopplungstechniken ein. Nach wie vor ist die Chromatographie mit ihren vielfältigen Facetten das „Arbeitspferd“ der Instrumentellen Analytik. Keine andere instrumentelle Technik bietet meiner Meinung nach derartige Möglichkeiten. Dabei spielt es auch keine Rolle, ob der zu erfassende Analyt als Hauptkomponente vorliegt oder im Ultraspurenbereich selektiv zu detektieren ist. Natürlich sind u. a. bei der Strukturaufklärung die spektroskopischen Methoden wie NMR, IR, MS unverzichtbar. Fragen der anorganischen Element- und Spurenanalytik lösen wir dabei sehr erfolgreich mit Röntgenfluoreszenzanalytik (RFA), Atomemissionsspektrometrie (ICP) und den verschiedenen Atomabsorptionsspektrometrie- Techniken (AAS). Die physikalische bzw. Oberflächenanalytik letztlich setzt schwerpunktmäßig Mikroskopie- und Imaging-Verfahren ein.

Welche Leistungen bieten Sie mit der Einheit Process Support?

Wolfgang Preuss: Hier werden nicht nur automatisierte Labormethoden genutzt, sondern auch Methoden wie die Infrarotspektroskopie, die problemlos zur on-line Prozesskontrolle implementiert werden kann. So verfügt diese Einheit neben Nahinfrarotspektroskopie auch über IR-Spektroskopie sowie über alle Methoden, die in der Produktion gebraucht werden von der Überwachung des Rohstoffeingangs bis hin zur Produktkontrolle. Aber auch Titrationen beispielsweise finden in Produktionslinien ihren ständigen Einsatz. Entwickelt werden die Verfahren häufig in der Instrumentellen Analytik oder in der Produktanalytik bevor sie in den Produktionsprozess integriert werden.

Daten und Informationen müssen überall im Labor sehr schnell und transparent verfügbar sein. Welche Bedeutung schreiben Sie in diesem Zusammenhang Kommunikationssystemen wie dem LIMS zu?

Wolfgang Preuss: Kommunikationssysteme sind zweifelsohne von entscheidender Bedeutung. Wir haben unser LIMS im Hause entwickelt bzw. haben es nach unseren genauen Anforderungen und Kriterien maßschneidern lassen. Wir definierten unsere Anforderungen und eine Firma entwickelte danach unser LIMS als offenes System, das eine stetige Weiterentwicklung zulässt.

Inwieweit bieten Sie Ihre analytische Kompetenz als externe Dienstleistung an?

Wolfgang Preuss: Die Henkel-Analytik hat bereits in den 90er Jahren angefangen, ihre Leistungen extern anzubieten, vielleicht in der Folgezeit zunächst nicht immer mit der gleichen Intensität wie am Anfang. Vor ungefähr fünf Jahren haben wir dann aber begonnen, dies wieder zu intensivieren und systematisch auszubauen. Seither konnte dieses Geschäft auch von Jahr zu Jahr gesteigert werden. Heute ist dieses externe Dienstleistungsgeschäft eine ganz wichtige Säule für uns.

In welchem Zeitfenster können Sie diese Dienstleistungen anbieten?

Wolfgang Preuss: Unser Ziel ist es, den Kunden zeitnah Ergebnisse zu liefern. Bei Fragestellungen mit einer vorab festgelegten Leistungsprüfung, z. B. für die Rohstoffeingangskontrolle bieten wir die Analytik in 48 Stunden an. Im Extremfall können auch Ergebnisse innerhalb von 24 Stunden geliefert werden. Bei komplexeren Fragestellungen müssen wir aber natürlich einen anderen Zeithorizont vorgeben.

Kompetenz in der gesamten Analytik setzt ein hohes Maß an Know how voraus. Welches Anforderungsprofil müssen Ihre Mitarbeiter erfüllen?

Wolfgang Preuss: Qualifizierte und sehr gut ausgebildete Mitarbeiter, die ein hohes Maß an Engagement und Motivation mitbringen, sind das höchste Gut eines Unternehmens und zweifelsohne ein Garant für dessen Erfolg. Ohne Ausnahme haben alle unsere Mitarbeiter zumindest eine Chemielaborantenausbildung. Das ist eigentlich eine Voraussetzung. Viele haben sich hier weitergebildet zum Chemotechniker. Der Anteil an Fachhochschulingenieuren, promovierten Chemikern und Physikern ist sehr hoch. Unsere erfahrenen Mitarbeiter sind schon lange da. Gleichzeitig stellen wir viele junge Mitarbeiter ein, so dass unser Altersdurchschnitt sinkt und die Zukunft gesichert wird.

Mit welchen Erwartungen blicken Sie in die Zukunft?

Wolfgang Preuss: Für die Henkel-Analytik erwarte ich, dass unser Geschäft auch weiterhin sowohl intern als auch extern wächst. Darauf bereiten wir uns vor, indem wir Prozesse überprüfen und verbessern. Für dieses Jahr haben wir uns auf die Fahnen geschrieben, die Durchlaufzeiten für Analysen weiter zu reduzieren. Auch unsere Methoden werden ständig überprüft oder neu entwickelt. So investierten wir im letzten Jahr ungefähr 6 % unseres Umsätze in die Methodenentwicklung, um die steigenden Anforderungen unserer Auftraggeber zu erfüllen und mehr Service auch im Hinblick auf Beratung bieten zu können.

Was ist Ihnen dabei persönlich wichtig?

Wolfgang Preuss: Mir ist wichtig, dass unsere Mitarbeiter erstens einen sicheren Arbeitsplatz und zweitens Spaß bei der Arbeit haben Weiterhin hoffe ich, auch zukünftig so gute motivierte Mitarbeiter zu bekommen, wie wir sie heute haben.

Kontakt

Dr. Wolfgang Preuß

Henkel KGaA

Zentrale Analytik

Tel.: 0211/797-10083

Fax: 0211/798-2265

wolfgang.Preuß@henkel.com

www.henkel.com

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