25.01.2010
NewsInterviews

Nachhaltige Labortechnologien - Der Zukunft verpflichtet

Die Laborwelt rückt zusammen

  • Egbert Dittrich, Geschäftsführer EgnatonEgbert Dittrich, Geschäftsführer Egnaton
  • Egbert Dittrich, Geschäftsführer Egnaton
  • Konrad Kreuzer, Präsident Egnaton
  • Egbert Dittrich
  • Konrad Kreuzer

Die Laborwelt rückt zusammen und gründet die „Europäische Gesellschaft für Nachhaltige Labortechnologien e.V.", genannt Egnaton. Ziel ist es, nachhaltige Konzepte bewusst zu machen und die drei Säulen der Nachhaltigkeit, nämlich Ökologie, Ökonomie und sozio-kulturelle Aspekte zu etablieren. Diesbezüglich sprach GIT mit Konrad Kreuzer, dem Präsidenten und Egbert Dittrich, dem Geschäftsführer von Egnaton.


Wie kam es zur Gründung des Vereins Egnaton?


K. Kreuzer: Ein konservativer werterhaltender Ansatz, die Umwelt zu schonen und die Ressourcenknappheit in Europa die treibende Kraft und letztlich der Motor für die Entwicklung nachhaltigen Wirtschaftens gewesen. Wir wissen heute, dass die Forderung nach Nachhaltigkeit das alles beherrschende Thema ist. In der Gesellschaft haben sich alle in und um das Labor Schaffenden auf europäischer Ebene zusammengefunden, um sich über das Thema „Nachhaltigkeit" zu solidarisieren und an einer neuen Laborwelt zu arbeiten.


E. Dittrich: Die Gründung unseres Vereins ist in der Tat ein historischer Schritt. Erstmalig sind Universitäten, Industrie, Betreiber, Planer und Hersteller, d.h. alle relevanten Gruppen der Laborwelt in einer Organisation vertreten und nutzen diese als Netzwerk mit der gemeinsamen Klammer der Nachhaltigkeit, um alle Laboratorien zukunftsfähig aufzustellen.


Inwieweit werden da nicht handfeste Geschäftsinteressen in einen ökologischen Mantel verpackt?

E. Dittrich: Unsere Gesellschaft ist keine Mogelpakung, das würden unsere Mitglieder aus dem universitären Raum gar nicht zulassen. Ich möchte aber klar stellen, dass die Nachhaltigkeit gleichrangig Ziele ökologischer Verträglichkeit, eine Verpflichtung zur Ökonomie und zu sozio-kulturellen Positionen vertritt. Ökologie und Ökonomie sind kein Widerspruch. Wer Energie oder andere Ressourcen einspart, tut nicht nur der Umwelt etwas Gutes, sondern eben auch seinem Geldbeutel.


K. Kreuzer: Es geht uns allen darum, mit Hilfe der Nachhaltigkeit zu verhindern, dass die Krise die derzeit noch ganz gut laufende Laborwelt gar nicht erst erfasst.

Im Übrigen gilt: Nachhaltige Prozesse, Produkte, Wirkstoffe, Energieträger, alles was das zukünftige Wirtschaftsleben prägt, braucht für die Entwicklung Laboratorien. Ich kann aber keine nachhaltigen Produkte in nicht nachhaltig aufgestellten Laboren und Arbeitsstätten herstellen.


E. Dittrich: Vergessen wir die Menschen nicht. Unsere Wissenschaftler gehören einer Bildungsschicht und Generation an, die zunehmend ihre Potenziale in den Dienst der Menschheit stellt. Sie arbeiten unter immer transparenteren Bedingungen, jeder weiß in Echtzeit, an was der andere arbeitet. Es gibt kein Wirken im Geheimen mehr, weil es da keine Anerkennung geben kann und gerade die Wissenschaften fühlen sich verpflichtet, eine lebenswerte Zukunft mit zu gestalten. Der Trend der Nachhaltigkeit ist global und nachhaltig gebaute Forschungsstätten mit nachhaltigem Management sind für viele Forscher ein Gebot, wenn sie ihre Arbeit aufnehmen.
Unsere Standorte befinden sich in einem Wettbewerb um die klügsten und innovativsten Köpfe, denn nur diesen wird es gelingen Verfahren, Wirkstoffe oder Energieträger für unser aller Wohl zu entwickeln. Moderne Forscher legen jedoch größten Wert darauf, dass neben den wirtschaftlichen Faktoren eben auch Ethik und Einbetung der Unternehmensziele in die Gesellschaft stimmen. Der Arbeitsplatz und die Forschungsziele müssen nachhaltig sein, sonst können sie heute keine erstklassigen Mitarbeiter gewinnen


Herr Dittrich, sind Sie etwa vom Saulus zum Paulus geworden?

E. Dittrich: Wirtschaftsethik und Firmenphilosophien sind niemals losgelöst von gesellschaftlichen Strömungen und Forderungen, also unterliegt auch der Einzelne einem Wertewandel. Jeder kann am Besten in seinem individuellen Umfeld etwas bewirken, was die Gesellschaft weiter bringt. Natürlich müssen wir alle auch weiterhin Geld verdienen, in unseren Firmen Gewinne erzielen, Budgets einhalten usw. Wir müssen heute und jetzt Maßnahmen ergreifen, damit die Laborwissenschaft eben mit nachhaltigen Prozessen an einer nachhaltigen Zukunft forschen kann.

K. Kreuzer:
Unser Schulterschluss macht deutlich, dass es in unserem Laborumfeld Kräfte gibt, die in der Nachhaltigkeit die einzige Alternative für eine positive Entwicklung für zukünftige Generationen sehen.


Auf welche Weise wollen Sie nun die Zukunft fördern, welches sind die konkreten Arbeitsinhalte?

K. Kreuzer:
Die Mitglieder haben sich im Rahmen einer Satzung eine Struktur gegeben, die unmissverständlich Ziele formuliert und professionelle Strukturen anlegt. Der Verein schafft Netzwerke, die vor allem dem Zweck dienen, einschlägiges Wissen zu bündeln, Experten aus der Laborwelt zusammen zu bringen und eine sozio-kulturelle Plattform zu bilden. Wir haben Programme aufgelegt, die Konzepte, Verfahren und Innovationen beschreiben, die Standorte nachhaltig verbessern, ihre Zukunft sichern und sie vor Allem ökonomisch günstiger betreiben lassen.


E. Dittrich: Die Qualität und der Nutzen der Aktivitäten steigen natürlich mit der Anzahl der Mitglieder und der Expertise derer, die sich für eine Mitarbeit in den Fachausschüssen begeistern lassen. Wenn der Verein eines Tages die Meinungsführerschaft über nachhaltige Labortechnologien erreichen will, dann geht das nur mit Hilfe all jener, die europaweit in diesem Umfeld arbeiten und sich engagieren.


Wenn Sie Mitglieder gewinnen wollen, dann muss sich das aber auch lohnen. Was macht den Verein also attraktiv, um ihm beizutreten?

E. Dittrich: In vielen Unternehmen, deren Abteilungen, Universitäten und Laboratorien gibt es heute Nachhaltigkeitsbeauftragte, die ihre Aufgabe meist „aus dem Bauch raus" erfüllen. Fragen sie heute zehn Experten, was Nachhaltigkeit konkret bedeutet, bekommen sie zwanzig Meinungen.
Egnaton baut das benötigte Handwerkzeug auf und erarbeitet einen Empfehlungskatalog mit Hilfe eines europäischen Netzwerkes. Es sollen die Universität in Spanien, genauso wie das pharmazeutische Unternehmen in Schweden Handlungsempfehlungen bekommen können, wie sie mit Hilfe nachhaltiger Konzepte ihre Standorte betreiben. Wir werden nach Bedarf individuelle Szenarien entwickeln, um in einem Labor die Betreiberkosten zu senken und sich zugleich zukunftsfähig aufzustellen.


K. Kreuzer: Es geht uns sozusagen um Handlungs- und Ausführungsempfehlungen, d.h. um die zielgerichtete Umsetzung von Gesetzen, Richtlinien und Vorschriften, die es zum Teil etwas verborgen auf vielen europäischen Ebenen gibt. Aber auch um deren Weiterentwicklung. Dabei setzen wir auf Eigenhilfe und Eigeninitiative. Es wir z.B. ein „Members advice Members"- Programm geben. Wir werden u.a. auch Bildungsmaßnahmen anbieten und Experten ausbilden.


Nun gibt es ja diverse weltweite Initiativen, die eine Zertifizierung zum Inhalt haben, ich nenne Leed in USA, Breeam in Großbritannien und auch die DGNB in Deutschland, die Nachhaltigkeit von Laboratorien zertifizieren. Ist dabei Egnaton ein weiterer Zertifizierer und zersplittert die Kräfte?

E. Dittrich:
Gute Ideen und Entwicklungen geschehen oft zeitgleich an verschiedenen Orten. Einige Mitglieder arbeiten aktiv an den Zertifizierungsrichtlinie der Arbeitsgruppe „Laborgebäude" bei der DGNB mit Egnaton und wird sich auch an der Entwicklung derartiger Kriterien in weltweiten Initiativen einbringen. Die einzelnen Systeme nehmen sich bisher nur die Gebäude und teilweise die Technische Gebäudeausstattung vor. Labortechnik im Einzelnen, Labormanagement oder Laborprozesse mit erheblichen Einsparungspotenzialen oder Sicherheitsaspekte, z.B. Gefährdungsbeurteilungen liegen bei all den genannten Systemen nicht im Fokus. Genauso wenig findet ein internationaler Austausch statt.


K. Kreuzer: Hier liegt der wesentliche Unterschied. Egnaton ist von Anfang an grenzübergreifend und weltoffen angelegt. Unsere Geschäftssprache ist englisch. Wir brauchen den Austausch mit allen europäischen Kollegen und begreifen uns als europäischen Verein. Die amerikanische Initiative Labs21 agiert mit Unterstützung der EPA (Energy Protection Agency) sehr erfolgreich weltweit, konzentriert sich aber auf amerikanische Ansätze. Mit unserer Gesellschaft gibt es jetzt eine Organisation, die sich auch als Gesprächspartner von Labs21 etablieren will. Die Amerikaner haben uns zur Gründung ermuntert, weil sie sich mit Hilfe eines Partners einen strukturierten Transfer europäischer nachhaltiger Labortechnologien erwarten, die wir ja größtenteils schon haben.


Die Industrie und auch öffentlich-rechtliche Laboratorien arbeiten unter einem hohen Kostendruck, inwieweit ist hier die Zertifizierung nur ein weiterer Kostentreiber?

E. Dittrich:
In der Tat ist „Zertifizierung" ein Reizwort und würde die Unterstützung des Vereins durch die Industrie eher bremsen. Wir setzen daher auch viel mehr auf eine beratende Funktion und Empfehlungen. Vor allem da wo die Prozesse hinsichtlich Energie- und Materialverbrauch die durch das Gebäude verursachten Kosten dominieren. Wir müssen allerdings zur Kenntnis nehmen, dass sich mehrere weltweit unterschiedliche Zertifizierungssysteme nicht mehr verhindern lassen. Zertifizierungen kosten in einer ersten Schätzung ca. 2-5%der Bausumme. Dies ist ein erheblicher Kostenfaktor.


Welche weiteren Dienstleistungen stellt der Verein seinen Mitgliedern zur Verfügung?

K. Kreuzer:
Unser Dienstleistungskonzept besteht aus folgenden Programmen:



  • „RAM" (Recommendations), ist die Erarbeitung von Empfehlungen in verschiedenen Expertenarbeitsgruppen.

  • „STAND" (Standards), Ermittlung und Listung aller einschlägigen Vorschriften und Normen.

  • „NET"(Networks), baut Netzwerke auf und etabliert eine Datenbank.

  • „CAT" (Education and Training), Aus- und Weiterbildung.

  • „TAC"(Terms and Substances) Anpassung von Begriffen und Inhalte.

  • „BEN" (Bench Marks) soll für bereits existierende Gruppen und Organisationen zu mehr Ergebnissicherheit und Vergleichbarkeit führen und das Zahlenwerk der Institute einbeziehen.

  • Und schließlich „MAM" (Members advice Members), wo sich die Mitglieder gegenseitig beraten.

Sie sehen, es handelt sich um sehr hoch gesteckte Ziele, die wir mit einer professionellen Struktur erzielen werden. Wir haben zu diesem Zweck Herrn Egbert Dittrich als hauptamtlichen Geschäftsführer gewonnen der den Verein aufbauen wird.


E. Dittrich: Egnaton wird mit seiner umfangreichen Expertise in Gestalt der Mitglieder aus ganz Europa andere Mitglieder bei der Umsetzung von Zertifizierungskriterien, und darüber hinaus bei allen nachhaltigen Konzepten beratend zur Seite stehen. Daraus kann sich ergeben, dass die Zertifizierung mit Beratung durchaus günstiger ist oder auf ein höheres Niveau gestellt werden kann.


Für die Realisierung dieses ambitionierten Programms benötigen Sie Zeit. Wie sieht der zeitliche Rahmen aus?

E.Dittrich:
Entscheidend ist heute, ein Momentum zu erzeugen, d.h einen Anfang machen und Impulse geben. Es lässt sich derzeit noch nicht absehen, wie lange der Prozess benötigt, um umfassende belastbare Ergebnisse vorzulegen. Das hängt von einigen Faktoren ab, wie z.B. Mitgliederentwicklung oder auch davon, wie sehr sich Experten engagieren. Unser Wirkungsfeld ist sehr umfangreich und lebt, d.h. es unterliegt einer permanenten Anpassung.
Vom 1.-3. November 2010 werden wir einen ersten internationlen Kongress durchführen, auf dem wir schon einige Ergebnisse unserer Arbeit vorlegen werden und wo sich die Fachwelt öffentlich austauschen kann. Wir erwarten auf der Veranstaltung Gäste und Referenten aus der ganzen Welt, die sich der Nachhaltigkeit in Laboratorien verpflichtet fühlen.

K. Kreuzer:
Die Dienstleistungen und Ergebnisse stehen in erster Linie unseren Mitgliedern zur Verfügung. Mitglieder haben auch den Vorteil, Sonderpreise für gewisse Beratungsleistungen zu erhalten.


E. Dittrich: Egnaton ist ein europäischer Verein. Wir sind neutral und politisch nicht gebunden, unterliegen also weder auf nationaler noch europäischer Ebene irgendwelchen Behörden oder Dachverbänden. Egnaton ist somit gelebtes Europa und Firmen, Planer, Betreiber, nicht zu vergessen die Universitäten, Institute und Lehrstühle die sich den Zielen der Nachhaltigkeit verpflichten und an Konzepten mitarbeiten wollen, sind aufgerufen dem Verein beizutreten.


K. Keuzer: Es gibt aber auch die Möglichkeit, sich für ein Jahr als „Beobachter" bei Egnaton zu akkreditieren. So kann man die Leistung und die Tätigkeiten besser einschätzen und sich dann eventuell für eine Mitgliedschaft entscheiden.

Kontaktieren

Europäische Gesellschaft für Nachhaltige Labortechnologien e.V., Egnaton
Mühltalstr. 61
64625 Bensheim
Deutschland
Telefon: +49 (0)6251/704720
Telefax: +49 (0)6251/7047220

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