20.05.2019
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Die Einrichtung im Zukunftslabor

Das Interview mit Herr Franz-Josef Hagen, Geschäftsführer von Düperthal

  • Herr Franz-Josef Hagen, Geschäftsführer von DüperthalHerr Franz-Josef Hagen, Geschäftsführer von Düperthal

Für die Digitalisierung im Labor sind Komponenten von zentraler Bedeutung, die ansonsten im Labor kaum beachtet werden. Ein Labor der Zukunft muss anders geplant und gebaut werden, als das im Laborbau heute üblich ist. Bestimmt heute in der Regel der vorhandene Raum wo ein Gerät steht, wird in Zukunft die Logistik bzw. Robotik größeren Einfluss auf die Position haben. Die Sicherheitsschränke für Gefahrstoffe müssen an Stellen stehen, wo sie zum einen für den Nachschub und zum anderen für die Laborrobotik zugänglich sind. Denn Sie werden den Nachschub autonom bestellen und den Verbrauch im Labor gleichermaßen wie die Lagerbedingungen durch die Vernetzung mit Waagen und Dosiereinheiten kontrollieren. Welchen Einfluss solche Aspekte auf ein Labor der Zukunft haben werden, fragten wir Franz-Josef Hagen, den Geschäftsführer von Düperthal, einem Hersteller moderner vernetzter Laboreinrichtungen und Sicherheitsschränke.

GIT: Wie wird heute ein Labor geplant und gebaut und wie müsste man herangehen, wenn man ein weitgehend automatisiertes und digitalisiertes Labor bauen will?

Hagen: Am Anfang sollte eine Prozessanalyse erfolgen, d. h. eine Ist-Analyse vor Ort, basierend auf allen Daten – ob digital oder analog. Basierend auf den gesammelten Informationen und den Anforderungen wird ein Sollzustand als Konzept in einem Pflichtenheft definiert. Dabei wird im ersten Schritt ein sauberer Prozessablauf festgelegt. Im zweiten Schritt kann dann bestimmt werden, in welchen Bereichen eine Digitalisierung bzw. Automatisierung wirtschaftlich sinnvoll ist. Grundsätzlich gilt: digitalisiert man einen schlechten Prozess, bekommt man einen digitalisierten schlechten Prozess. Daher betreiben wir die Digitalisierung nicht der Digitalisierung wegen, sondern um Nutzen für alle Beteiligten zu erzeugen!

GIT: Wo sehen Sie die größten Hindernisse bei der Umsetzung eines solchen Vorhabens?

Hagen: Es gibt Stand heute noch drei Hemmschuhe: einerseits sind es Vorbehalte und Skepsis, die der Umbruch vom industriellen zum digitalen Zeitalter mit sich bringt - teilweise auch durch die zwangsläufig unvorhersehbare Entwicklungen.

Allerdings gab es diese Vorbehalte bereits als die ersten Lokomotiven oder Automobile das Licht der Welt erblickten. Hier gilt es also die Chancen aufzuzeigen und den Nutzen hervorzuheben. Zwei wesentliche Aspekte sind hierbei, dass durch die Digitalisierung die wertvolle Ressource Zeit geschont wird. Das ist zu einem für eine gute Work-Life-Balance von Vorteil und es hilft andererseits den demographischen Wandel erfolgreich abzufedern. Das zweite große Hindernis ist die Gewährleistung der Datensicherheit. Hier gilt es von Anfang zu belegen, wie man diese sicherstellt. Unsere Erfahrung hat gezeigt, dass man hier konstruktive Mitarbeiter aus der IT zumindest als Berater an Bord des Projektes haben sollte Den Fortschritt beim dritten Punkt sehen wir auf sehr gutem Weg, zeitnah gelöst zu werden: einheitliche Schnittstellen! Alle Geräte und Installationen sollen die gleiche digitale Sprache sprechen, um einfach miteinander verbunden werden zu können.

GIT: Welche Rolle spielen dabei die Lagerungs- und Sicherheitseinrichtungen und wie werden diese sich verändern?

Hagen: Die funktionalen Lagereinrichtungen wie Sicherheitsschränke nach DIN EN 14470 haben schon immer eine Doppelfunktion erfüllt. An erster Stelle steht der Schutz der Menschen und der Umwelt. Die zweite wesentliche Funktion ist der Schutz der Sachgüter, z. B. Einrichtung und Gebäude. Diese grundlegenden Funktionen werden auch zukünftig wesentlicher Bestandteil der Einrichtungen sein. Der Wandel zur Schaffung von digitalisierten und automatisierten Lagereinrichtungen hat übrigens bereits begonnen. Auch hier sind z. B. die Sicherheitsschränke für eine wirtschaftliche Prozesseinbindung optimiert worden. Ein einfaches Beispiel im Detail: Sicherheitsschränke für die Entsorgung von Lösemitteln.  Wir haben erstmals einen Schrank vorgestellt, der eine voll umfängliche und vom TÜV zertifizierte Lösung für die Lösemittelentsorgung integriert hat. Die Anschlüsse sind alle genormt und können ideal in die Prozesskette vor Ort integriert werden. Analog gibt es Lösungen für die Versorgung von Medien oder speziellen Themen wie gekühlte Gefahrstofflagerung oder Lagerung von Lithium-Ionen Akkus. Die logische Konsequenz besteht darin, dass die optimierten Prozesse inzwischen schon digitalisiert werden. Das bedeutet Sensoren erfüllen folgende Funktionen: Schrankbelüftung und Füllstände überwachen, Temperaturen erfassen und vieles mehr.

Alle diese neuen Informationen können über verschiedene Geräte ausgewertet oder weiterverarbeitet werden. Das kann stationär an dem jeweiligen Schrank geschehen oder in einem Netzwerk, das man auch ins Web einbinden kann. Bereits heute haben wir auch, z. B. für die Medienversorgung, einen Automatenschrank der sensorgesteuert Mindest- auf Maximalbestände verwaltet und selbstständig Informationen zur Nachbestellung weiterleitet.  Sicherheitsschränke sind also bereits heute schon Lieferant von prozessbezogenen Informationen und Helfer bei der täglichen Arbeitsroutine. Mehr Wissen und Reproduzierbarkeit werden zudem mit einer Datenbank App ermöglicht. Die App sammelt und verbindet die digitalen Informationen einzelner Inselbereiche im Unternehmen, macht Ereignisse reproduzierbar und jederzeit weltweit in Echtzeit abrufbar. Mit mobilen Geräten ist somit von überall aus Zugriff auf alle relevanten Betriebsparameter der Sicherheitsschränke möglich.

GIT: In welchen Zeiträumen sehen Sie die Entwicklung von solchen hochautomatisierten Laboren und welche Branchen bzw. Anwendungen eignen sich dafür am besten?

Hagen: Im Grunde eigenen sich alle Branchen für die Digitalisierung und Automatisierung, aber es wird sicher Unterscheidungen im Grad der Digitalisierung geben. Jedoch sind für alle die Herausforderungen gleich, z. B. dem demographischen Wandel erfolgreich entgegenzuwirken. Der Zeitraum ist schwierig einzuschätzen, da aber bereits die ersten Pilotprojekte gestartet sind, eher früher als später. Wir können nur jeden ermuntern, rechtzeitig, in diesem Fall so bald wie möglich, die Weichen für die digitale Ausrichtung zu stellen.

Kontaktieren

Düperthal
Frankenstrasse 3
63791 Karlstein
Deutschland
Telefon: +49 6188 91390

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