10.12.2019
NewsInterviews

Gelebte Nachhaltigkeit

„Es ist ein Weg der kleinen und vielen Schritte“

  • Alexandra Knauer.Alexandra Knauer.

Kontinuität und Konsequenz — beim Thema Nachhaltigkeit bedarf es Durchhaltevermögen, Zeit und Geld, um langfristig etwas zu bewegen. Für ein Unternehmen bedeutet dies, dass jeder sich aktiv einbringt und so zum gelingen beiträgt. Warum sich das Engagement für die Umwelt trotzdem lohnt, erzählte uns Alexandra Knauer bei unserem Besuch in Berlin.

GIT: Mit Ihrem Unternehmen beteiligen Sie sich an zahlreichen Initiativen zum Umweltschutz und nahmen unter anderem an der diesjährigen Nachhaltigkeitswoche teil – in Ihrem firmeneigenen Ökogarten haben Sie sogar ein eigenes Bienenvolk. Was bewegt Sie zu so viel Einsatz für die Umwelt?
A. Knauer: Ich selbst habe mich schon immer sehr stark für den Umweltschutz engagiert, die Natur liegt mir bereits seit meiner Kindheit am Herzen. Sowohl in meiner Funktion als Geschäftsführerin als auch durch meine Ehrenämter möchte ich Einfluss nehmen. Beispielsweise setze ich mich im Mittelstandsbeirat des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie für das Thema Nachhaltigkeit ein. Meine Vision ist, dass der deutsche Mittelstand zum weltweiten Vorreiter und Vorbild in Sachen Klimaschutz wird.

GIT: Wenn es um Umweltschutz geht, schrecken Politiker häufig vor weitreichenden Maßnahmen wie dem Tempolimit auf Autobahnen, dem Verbot von Glyphosat oder einer höheren Steuer auf tierische Produkte zurück. Sehen Sie dadurch Privatpersonen und Unternehmen in der Verantwortung, selbst aktiv zu werden?

A. Knauer: Gemäß dem Motto „Tu Gutes und sprich darüber“ denke ich, dass jeder Einzelne und auch jedes Unternehmen dadurch etwas bewegen kann, dass er oder sie als Vorbild dient und Nachahmer findet. Allerdings ist das leider in vielen Unternehmen noch nicht angekommen, vermutlich weil das Management denkt, es sei nicht ihre Aufgabe.

Doch natürlich gibt es viele positive Beispiele, Personen oder Firmen, denen es gelingt, andere richtig mitzureißen — wie Greta Thunberg.

GIT: Initiativen für den Umweltschutz gab es seit jeher, wenige konnten so viel bewegen wie Greta Thunberg. Worin sehen Sie den Grund für ihren enormen Erfolg?

A. Knauer: Zum einen war die Zeit wohl einfach reif. Inzwischen sind die Konsequenzen des Klimawandels deutlich spürbar. Zum anderen liegt es auch an der Person Greta Thunberg selbst. Meiner Meinung nach ist sie eine hervorragende Rednerin durch die Klarheit ihrer Sprache. Aus den von ihr begonnenen “Fridays for Future Demos“ ist eine riesige unübersehbare Bewegung geworden. Ich bin sehr froh, dass es sie gibt, denn nun ist das Thema in aller Munde.

GIT: Wie ist Ihr Fazit zur diesjährigen Nachhaltigkeitswoche, in der unter anderem der Verzicht auf das private Auto belohnt wurde? Wie haben Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter darauf reagiert?

A. Knauer: Das Fazit unserer Belegschaft war durchweg positiv. So kamen am „Mobilitätstag“ 50 Prozent der Mitarbeiter zu Fuß, mit öffentlichen Verkehrsmitteln, dem Fahrrad oder mit einer Fahrgemeinschaft zur Arbeit und konnten sich eine Belohnung von 10 Euro oder einen kostenlosen Fahrrad-Check sichern. Auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die auf ihr Auto angewiesen sind, fanden die Aktion positiv, auch wenn sie selbst nicht direkt davon profitierten.

GIT: Wenn Sie auf Ihre bisherigen Projekte zur Nachhaltigkeit zurückblicken, welches hatte den stärksten positiven Effekt und warum?

A. Knauer: Eine einzelne sehr wirkungsvolle Maßnahme herauszugreifen fällt mir schwer. Es ist ein Weg der kleinen und vielen Schritte. Wir nehmen uns seit Jahren immer wieder neuen Herausforderungen an.
Wir fördern auch außerhalb der zuvor erwähnten Nachhaltigkeitswoche diejenigen Mitarbeiter, die auf ihr privates Auto verzichten und auf umweltfreundlichere Alternativen auf dem Weg zur Arbeit zurückgreifen. Allgemein wird das Autofahren in unserem Unternehmen nicht gefördert, was unter anderem bedeutet, dass nur unser Außendienst einen Dienstwagen erhält. Ich selbst komme mit dem Fahrrad zur Arbeit.
Eine andere Maßnahme war vor Jahren die Dämmung des Firmengebäudes, wodurch der Ölverbrauch halbiert werden konnte.
Besonders zufrieden sind wir alle mit unserem „Zauberwasserhahn“, der Leitungswasser filtert, nach Wunsch mit Kohlensäure versetzt oder zum Kochen bringt. Ich habe mich geärgert über die Menge an Plastikflaschen, die durch tagtägliches Mitbringen eigener Getränke entsteht. Bei 145 Mitarbeitern, 220 Arbeitstagen und einer Flasche pro Tag macht das etwa 22.000 Flaschen pro Jahr. Ich habe mir vorgestellt, welche Größe dieser Berg aus Plastikflaschen in unserem Garten annehmen würde und wusste, dass wir dagegen etwas unternehmen sollten. Wir haben zunächst die Qualität des Leitungswassers analysieren lassen, denn da bestand gewisse Skepsis, die wir auf diesem Wege ausräumen konnten. Nachdem wir dann einige Systeme ausprobiert hatten, sind wir schließlich zu dem nicht gerade günstigen, aber lohnenden Wasserhahn gekommen und damit äußerst zufrieden.

GIT: Seit wann setzen Sie sich mit Ihrem Unternehmen so aktiv für den Umweltschutz ein?

A. Knauer: Es ist schwer, einen genauen Startpunkt zu benennen, da dieses Thema für mich schon immer von großer Bedeutung war. Einen Impuls gab es allerdings im Jahr 2006 durch ein staatliches Projekt zur Förderung der Corporate Social Responsibility (CSR), an dem wir als Pilotunternehmen teilnahmen. Über mehrere Monate hinweg lief dieses Programm, in dessen Zuge unter anderem einer unserer Mitarbeiter zum „CSR-Promoter“ ausgebildet wurde. Ein Ergebnis dieses Projektes ist der im Jahr 2011 gegründete und bis heute bestehende Knauer-Entdeckerclub, in dem wir Schulklassen einen Raum und Geräte für die Durchführung von Experimenten zur Verfügung stellen. Wir wollen damit die Kinder für die Naturwissenschaften begeistern.

GIT: Was sind Ihre nächsten Projekte zur Nachhaltigkeit?

A. Knauer: Nach einer Analyse unseres Papier- und Verpackungsverbrauchs in diesem Jahr streben wir für das kommende Jahr an, den Verbrauch weiter deutlich zu reduzieren.
Eine weitere Maßnahme in Kooperation mit den Berliner Verkehrsbetrieben ist die Förderung der Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel. Insgesamt können unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei Abschluss eines Jahresabos knapp 300 Euro pro Jahr sparen – eine gute Motivation, auf das private Auto zu verzichten! Auch das Leasing sogenannter Businessbikes unterstützen wir mit einem Betrag von 15 Euro pro Monat und Person.
Mein großer Wunsch ist zudem, mein Unternehmen CO2-neutral zu machen. Dabei denke ich allerdings an echte CO2-Neutralität und weniger an eine durch Kompensation erreichte. Mir ist es ein Anliegen, durch Veränderungen unseren fossilen Energieverbrauch weiter zu verringern und so dem gewünschten Ziel näher zu kommen. Das ist nicht kurzfristig realisierbar, aber wir werden sicher Lösungen finden.

GIT: Ihr Unternehmen nimmt seit September dieses Jahres am EU-finanzierten Forschungsprojekt „Integration of efficient downstream processes for sugars and sugar alcohols“ (Impress) zur industriellen Nachhaltigkeit teil. Welche Ziele verfolgen Sie damit in den kommenden vier Jahren in denen das Projekt läuft?

Das große Ziel dieser Forschungsgruppe ist es, die nachhaltige Produktion wichtiger chemischer Rohstoffe voranzutreiben. Das geschieht mit Hilfe einer neuartigen Bioraffinerie, mit der eines Tages Zuckerersatzstoffe und Basischemikalien aus Pflanzenresten erdölunabhängig und CO2-reduziert produziert werden können. Hier kommt vor allem unser Expertenwissen im Bereich der Aufreinigung und ganz speziell im Feld der SMB (Simulated Moving Bed) Chromatografie zum Einsatz. Wir freuen uns, im Rahmen des Projektes einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten.

GIT: Das Thema Nachhaltigkeit ist ein wesentlicher Bestandteil Ihrer Unternehmensphilosophie, in der Sie sich der sozialen Verantwortung verschrieben haben. Beispielsweise setzen Sie sich für Gleichstellung ein und haben im Zuge dessen das „Gender Pay Gap“ Ihres Unternehmens analysieren lassen, das bei nur drei Prozent liegt. Wie könnte erreicht werden, dass diese Lohnlücke von etwa 21 Prozent in Deutschland (https://www.tagesschau.de/faktenfinder/inland/genderpaygap-103.html) verringert wird?

Durch die Veröffentlichung unseres Gender Pay Gaps wollen wir auch andere Unternehmen dazu animieren, nachzurechnen, wie der Lohnunterschied bei ihnen ausfällt. Alle Institutionen mit geringem Unterschied sollten ihr gutes Ergebnis publik machen und als Vorreiter dienen. Die anderen sollten beginnen, Lohnungerechtigkeiten aktiv zu verringern. Bis dies von vielen so gemacht wird, kann es allerdings noch lange dauern. Daher ist es vielleicht die bessere Idee, Unternehmen zu verpflichten, die Lohnlücke zu ermitteln und danach sukzessive innerhalb von 3 Jahren weitgehend zu schließen. Hier ist vor allem die Politik gefragt.

GIT: Ein Instrument zur Förderung der Gleichberechtigung ist die umstrittene „Frauenquote“. Wie stehen Sie dazu?

In den Vorstandsetagen der Dax-, M-Dax- und S-Dax-Unternehmen ist der Frauenanteil im letzten Jahr zwar wieder etwas gestiegen, er liegt aber gemäß einer Analyse von EY immer noch bei niedrigen 8,6 Prozent. Eine Frauenquote erscheint mir sinnvoll, um in absehbarer Zeit deutlichere Veränderungen zu bewirken.

Das Interview führte Christina Poggel.

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