01.08.2008
NewsInterviews

Labordiagnostik – vom Labor bis zu Olympia

  • Prof. Dr. Karl Lackner, Universitätsklinik Mainz  Prof. Dr. Karl Lackner, Universitätsklinik Mainz

Labordiagnostik – vom Labor bis zu Olympia. DGKL-Jahrestagung vom 21. - 24. September 2008

Die 5. Jahrestagung der Deutschen Vereinten Gesellschaft für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin (DGKL) vom 21. - 24. September in Mannheim wird vom GIT VERLAG als offizieller Medienpartner begleitet.

Die vielfältigen Programmangebote des Kongresses sollen mit ihrer interdisziplinären Ausrichtung den Dialog zwischen allen in der Labordiagnostik Tätigen fördern.

Dabei stehen zukunftsträchtige Forschungsthemen wie beispielsweise aus der Medizin und Stammzellforschung ebenso zur Diskussion wie aktuelle Dopingskandale. GIT sprach mit Professor Dr. Karl Lackner, dem Tagungspräsidenten, über die Highlights der Veranstaltung.

Die Fragen stellte Dr. Margareta Dellert-Ritter.

 


GIT Labor-Fachzeitschrift: Herr Professor Lackner, Sie sind Tagungspräsident der DGKL- dahinter?

K. Lackner: Die Jahrestagung der DGKL hat eine lange Tradition schon aus der Zeit vor der Vereinigung von DGKC und DGLM. Sie soll als nationale Tagung der Fachgesellschaft den Dialog unter den Mitgliedern der DGKL aber darüber hinaus auch zwischen allen in der Labordiagnostik Tätigen fördern und ein breites wissenschaftliches und praktisches Weiterbildungsangebot bereitstellen.

Aus diesem Grund haben wir auch Deutsch als Kongresssprache beibehalten, um zu unterstreichen, dass wir uns in erster Linie an ein deutschsprachiges Auditorium wenden.

Diese sehr klare Positionierung hat uns aber auch die Kooperation mit unseren Österreichischen und Schweizer Schwestergesellschaften ermöglicht. Wie in jedem Jahr wird ein Höhepunkt sicherlich auch die Eröffnung der Tagung am Sonntagnachmittag sein. Dort wird der renommierte Preis „Biochemische Analytik" verliehen werden, den die DGKL seit über 30 Jahren an herausragende Wissenschaftler vergibt.

Die Bedeutung des Preises lässt sich am ehesten an der Tatsache erfassen, dass fünf Preisträger später auch mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurden. Der Preis ist mit € 50.000 dotiert und wird in diesem Jahr erstmals von der Sarstedt AG gesponsert.

Den Festvortrag haben wir im Olympiajahr 2008 einer Thematik gewidmet, für die die Labordiagnostik unerlässlich ist, nämlich der Dopingproblematik.

Hier wird der Zellbiologe Professor Werner Franke vom Deutschen Krebsforschungszentrum referieren. Ich denke, dass dieser Vortrag auch über die Grenzen der Labordiagnostik hinaus von hohem Interesse sein wird.

 


Welche Themenkomplexe stehen im Mittelpunkt der Veranstaltung?

K. Lackner: An dieser Stelle kann natürlich nicht alles dargestellt werden. Wir befassen uns beispielsweise in den drei Plenarsitzungen mit ganz aktuellen Themenkomplexen. Am Montag werden die Rolle des angeborenen Immunsystems und sich daraus ergebende diagnostische Implikationen diskutiert.

Das angeborene Immunsystem hat in den letzten Jahren eine bemerkenswerte Renaissance in der Wissenschaft erlebt, die zwangsläufig auch in neue diagnostische Strategien münden wird. Am Dienstag steht die prädiktive Diagnostik auf dem Prüfstand. Hier geht es um die Frage, wohin uns die Vorhersage von Krankheiten und Krankheitsdispositionen führt.

Dieses Thema steht natürlich in unmittelbarem Zusammenhang zur Diskussion um die Gendiagnostik, geht aber durchaus darüber hinaus, weil prädiktive Diagnostik nicht auf die Analyse genetischer Dispositionen beschränkt ist. Am Mittwoch geht es dann um die Analyse zellulärer Funktionen die zunehmend Einzug in die Diagnostik erhält.

Gerade die Einführung der sogenannten Biologicals in die Therapie komplexer Erkrankungen, also die Beeinflussung intrazellulärer Regelkreise, hat zu einem riesigen Bedarf an hochspezifischer Analytik geführt, mit der wir die Wirkung solcher Therapien nicht nur überprüfen sondern im Idealfall auch vorhersagen können. Ergänzt werden die Plenarsitzungen durch zahlreiche Parallelveranstaltungen, die zahlreiche Aspekte der Pathobiochemie und Labordiagnostik vertiefen.

 


An welche Zielgruppe richtet sich die Konferenz?
K. Lackner:
Wir haben dieses Jahr wie auch bereits 2006 darauf geachtete, dass die Tagung Angebote für alle in der Labordiagnostik Tätigen bereithält. So haben wir Sitzungen, die sich mit grundlegenden Themen der Pathobiochemie befassen, genauso wie Sitzungen, die ganz praktische Themen der Analytik bis hin zu Fragen der Qualitätssicherung und Akkreditierung befassen.

Auf diese Weise umfasst das Programm Forschung und Krankenversorgung in ausgewogenem Verhältnis und spricht nicht nur Wissenschaftler an sondern auch Ärzte und MTAs, die überwiegend oder ausschließlich in der Krankenversorgung tätig sind.

Es war den Organisatoren und der Fachgesellschaft ein zentrales Anliegen, das Programm so zu gestalten, dass alle Berufsgruppen in der Labordiagnostik angesprochen werden. An dieser Stelle sei auch auf die praktischen Kurse hingewiesen, die begleitend zum eigentlichen Kongressprogramm stattfinden.

Hier werden verschiedenste Themen aus der Diagnostik von der Mikroskopie bis zur Molekularbiologie streng praxisorientiert als Weiterbildungsangebot für Ärzte, Naturwissenschaftler und MTAs aufgearbeitet. In einem großen Teil der Kurse wird nicht nur theoretisches Wissen vermittelt, sondern auch praktisch gearbeitet. Einzelheiten über die Inhalte, Zielgruppen und die Anmeldungsmodalitäten sind dem Vorprogramm zu entnehmen.

 


Inwieweit findet auch einen begleitende Geräteausstellung statt?

K. Lackner: Auch dieses Jahr gibt es wieder eine umfangreiche Ausstellung mit fast 60 Firmen aus der Diagnostikaindustrie, die auf über 700 m2 Fläche einen ausgezeichneten Überblick über die technischen und methodischen Fortschritte im Markt gibt. Diese Ausstellung ist einerseits für die Kongressbesucher eine hervorragende Möglichkeit sich sehr effizient in kurzer Zeit über die neuesten Entwicklungen zu informieren.

Andererseits bietet sie der Industrie die Gelegenheit, einen signifikanten Teil, wenn nicht die Mehrzahl der in der Labordiagnostik tätigen potentiellen Kunden und insbesondere Entscheider anzusprechen. Ergänzt wird die Ausstellung auch diesmal wieder durch Lunchsymposien, auf denen Fachleute innovative Themenkomplexe präsentieren.

 


Wie sehen Sie dabei den Dialog zwischen den Wissenschaftlern, der Industrie und den Anwendern?

K. Lackner: Der Dialog an dieser Stelle ist natürlich von zentraler Bedeutung, da nur so Fortschritt erfolgreich gestaltet werden kann. Forschung und Entwicklung müssen sich natürlich auf die Bedürfnisse der Anwender konzentrieren.

Allzu oft wurde in der Vergangenheit gelinde gesagt an den Erfordernissen der praktischen Medizin vorbei entwickelt. Insoweit bietet die Jahrestagung wieder für alle Parteien ein Forum zum Gedankenaustausch, das in dieser Form und in diesem Umfang keine andere Veranstaltung in Deutschland bieten kann.

 


Wo sehen Sie dabei die größten Herausforderungen?

K. Lackner: Die letzten Jahre waren geprägt von einer Entwicklung, die die Kosten der Labordiagnostik zu sehr als entscheidendes Kriterium dieses Bereichs der Medizin in den Vordergrund gerückt hat. Entsprechend haben wir einen kontinuierlichen Preisverfall in Deutschland gesehen.

Dies führt dazu, dass Neuentwicklungen immer schwerer zu stemmen sind, weil unklar bleibt, ob die Kosten für die Entwicklung jemals wieder eingespielt werden können.

Die Erkenntnis, dass eine den Kriterien der evidenzbasierten Medizin genügende Entwicklung mit erheblichen Kosten - nicht zuletzt durch die erforderlichen klinischen Studien - verbunden ist, hat für die Diagnostik leider noch nicht dazu geführt, dass solche Neuentwicklungen bei der Kostenerstattung entsprechend berücksichtigt werden.

In der Medikamentenentwicklung ist allgemein akzeptiert, dass bis zur Marktreife eines neuen Medikamentes leicht 3-stellige Millionenbeträge anfallen können. Dass die Diagnostikaentwicklung, wenn wir Evidenz für die Effizienz einer neuen Methode verlangen, ebenfalls kostspieliger wird, muss noch in das allgemeine Bewusstsein kommen.

Wenn diagnostische Innovationen und Firmen, die auf diesem Gebiet tätig sind, in Deutschland eine Chance haben sollen, und dies erscheint im Hinblick auf die Schaffung bzw. Erhaltung einer international konkurrenzfähigen Biotechnologie in Deutschland allseits gewollt, dann müssen wir auch Überlegungen anstellen, wie diesen Firmen eine Zukunft in Deutschland gesichert werden soll. Hier ist letztlich auch die Politik gefragt, innovationsfreundliche Rahmenbedingungen zu schaffen.

 


Welche Entwicklungsperspektiven können Sie erkennen?

K. Lackner: Die Labordiagnostik wird auch in Zukunft eine medizinische Kernkompetenz bleiben, die aus dem Alltag der Patientenversorgung nicht wegzudenken ist. In der Diagnostik von Erkrankungen haben wir in den letzten Jahrzehnten enorme Forschritte gemacht. Ich verwende hier gerne das Bild des Atmens: wir haben uns so daran gewöhnt, dass wir seine Bedeutung erst wieder richtig wahrnehmen, wenn es einmal nicht funktioniert.

Persönlich bin ich der Überzeugung, dass zukünftig insbesondere der Bereich der präsymptomatischen und prädiktiven Diagnostik bei uns weiter an Bedeutung gewinnen wird. Wir haben eine Bevölkerung, die sich auf eine steigende Lebenserwartung eingerichtet hat. Der Anteil älterer Menschen an der Population wächst kontinuierlich.

Diese Gruppe ist von dem Wunsch nach möglichst langer Erhaltung der Gesundheit und damit frühzeitiger Erkennung von Risiken geprägt. Die Medizin und hier insbesondere die Diagnostik wird sich auf diese Situation einstellen und Antworten auf die drängenden Fragen dieser Menschen finden müssen.

So ist gerade der Bereich der Vorsorgeuntersuchungen noch lange nicht befriedigend gelöst. Hier stehen wir vor ganz großen Herausforderungen in der Labordiagnostik, deren Lösung auch von herausragender medizinischer Relevanz ist. Viele methodische Grundlagen für diese Fragen haben wir in den letzten Jahren gelegt, ich möchte nur die Genomik und Proteomik erwähnen.

Jetzt kommen Felder wie die zelluläre Diagnostik dazu, denen wir auf der Tagung breiten Raum geben. 

 

 

Was ist Ihnen auf der diesjährigen Tagung ein besonderes Anliegen?

K. Lackner: Ich denke, dass das Entscheidende bereits gesagt wurde. Es bleibt der Wunsch, dass die Jahrestagung auch in diesem Jahr wieder großen Zuspruch der verschiedensten Berufsgruppen findet und der Dialog zwischen Wissenschaft, Praxis und Industrie wieder erfolgreich und fruchtbar wird.

 

Kontakt
Prof. Dr. Karl Lackner

Universitätsklinik Mainz
Tel.: 06131/17-0
lackner@zentrallabor.klinik.
uni-mainz.de

 

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