Waldner Laboreinrichtung: Die andere Art Labore zu bauen

Neues braucht Kreativität, Mut und Disziplin

  • Abb 1: Prinzip MultiLabwandAbb 1: Prinzip MultiLabwand
  • Abb 1: Prinzip MultiLabwand
  • Abb 2: Umbau Ein-Achser mit Wandtisch in Zwei-Achser mit Doppeltisch vorher
  • Abb 3: Umbau Ein-Achser mit Wandtisch in Zwei-Achser mit Doppeltisch nachher

Mit diesem Artikel wird eine Art des anderen Laborbaus vorgestellt. Die Begriffe „Modularität" oder „Flexibilität" im Labor tauchen bewusst nicht in der Überschrift auf, da jeder darunter etwas anders versteht, sie den Kern der Sache so richtig auch nicht treffen.

Es geht vielmehr um Geschwindigkeit einer möglichen Veränderung der Arbeitsumgebung im Labor und deren Kosten. Ob man diese Aufgabenstellung mit Veränderung der Einrichtung, oder dem ständigen Umziehen der Nutzer in eine andere adäquate Arbeitsumgebung realisiert - beides ist denkbar. Wer keine Anforderungen an die sich verändernde Technik über die Lebenszeit des Labors hat, muss weder über die Geschwindigkeit der Veränderung, noch über deren Kosten nachdenken.

Aus der Diskussion der letzten Jahre wird allerdings deutlich, dass der Anteil der Labore, in denen sich die Technik über die gesamte Lebenszeit nicht verändert, geringer wird. Veränderungen der wissenschaftlichen Forschungsinhalte im Labor, bedingt durch kürzere Zyklen der Wissensgenerierung, befristete Verträge für die Forscher und / oder wechselnde Arbeitsinhalte, geben das Tempo zur Umgestaltung der Laboratorien vor. Ausschlaggebend ist die Frage, mit welchen Arbeitsmitteln geforscht wird und morgen geforscht werden soll. Darauf basieren der technische Ansatz und der Gestaltungsspielraum [1]. Mit der primären Festlegung der eingesetzten Technologie wird der Charakter der technischen Wandelbarkeit determiniert. Es sei hier noch klar angemerkt, dass ein Labor oder eine Laborfläche nicht ohne entsprechende Haustechnikinfrastruktur auskommt [2].

Viele Jahrzehnte haben sich die Berufsgruppen Maurer, Elektriker, Sanitär-Installateur und Tischler beim Einbau der Labore abgewechselt. Mit der Einführung der Energiezelle und der zeitlich schrittweisen Integration aller Medien in die Energiezelle kommt heute nach dem „Mauerer" (wohl eher Trockenbauer) der Laboreinrichter zur Montage der kompletten Einrichtung.

Kreativität, Mut und Disziplin sind im Projekt oft gefragt
An der Universität Amsterdam hat man das Gewerk „Mauerer" ebenfalls mit in das Gewerk „Laboreinrichtung" integriert. Hier tritt augenscheinlich die Kreativität der Lösung im Projekt zu Tage (Planungsentwurf Herman de Bruin AT Osborne): Unabhängig ob es sich um die Tragstruktur eines Wandarbeitstisches, eines Doppelarbeitstisches oder einer Raumtrennung handelt, es wird die gleiche Technologie - eine „MultiLabwand" - verwendet (Abb.

1). Die Trägersysteme sind dabei reversibel nach definiertem Raster in der Fläche angeordnet, einziger Fixpunkt am Boden ist der Einlauf für das Abwasser. Arbeitsergonomische Aspekte, wie die Höhenverstellbarkeit der Tische, der Ablagen und Hängeschränke sind in diesem System impliziert. Auch die Höhenverstellbarkeit des Medienkanals, also der Medienversorgung, ist durch flexible Anschlusstechnik und Teleskopmedienschächte gegeben.

Ob einachsiges Labor, Zwei- oder Mehr-Achser alles ist ohne Staub- und Lärmbelästigung bei der Erst-Einrichtung und bei einer späteren Umgestaltung möglich. Der Mut im Projekt zeigt sich in der Fixierung der Rasterbreite der Einrichtung auf ausschließlich 1500 mm und die Disziplin zeigt sich darin, den Ansatz auch durchzuhalten. Das Ergebnis ist eine übersichtliche Teilevielfalt, die den Trend eines kostengünstigen Umbaus noch verstärkt.

Mit den im Projekt erzielten Preisen sind Berechnungen für Umbauarbeiten mit der verwendeten Technologie, im Vergleich zur herkömmlichen Bauweise „Trockenbau und Energiezelle" durchgeführt worden. Es stellte sich heraus, dass sich die Kosten des Umbaus eines einachseigen Labors mit Wandarbeitstisch (Abb. 2 Umbau vorher) zu einem Zweiachser mit Doppelarbeitstisch in der Mitte (Abb. 3 Umbau nachher) auf ca. ein Drittel der Umbaukosten bei herkömmlicher Bauweise reduzieren.

Ebenso wurde in Kostenrechnungen die Fragestellung nach einer eigenen Lagerhaltung (einschl. Lagerkosten) versus aufgabenbezogenem Einzelnachkauf von Komponenten betrachtet. Die Lagerhaltung von Standards trägt hier klar den Sieg davon, aber selbst der Einzelnachkauf von Komponenten ist immer noch um ein Viertel kostengünstiger als beim Umbau mit herkömmlicher Technologie.

In der genannten Kostenrechnung ist der Faktor Ausfallzeit / Umbauzeit im Labor unberücksichtigt geblieben. Da es im Umbau keine Staub- und Lärmbelästigung gibt, können entsprechende Schutzvorkehrungen vollständig entfallen, Umsetz- und Räumarbeiten von z.B. Laborgeräten reduzieren sich deutlich.

Das hier gezeigte Projekt ist eine Art des anderen Laborbaus. Das vorgestellte System der „MultiLabwand" kann vielfältig modifiziert werden. Von der individuellen Gestaltung einzelner Arbeitsplätze bis hin zur reversiblen Strukturierung ganzer Laborflächen ist heute technisch alles möglich. Es zeichnen sich hier klare Trends ab, die ganz langsam auch reale Laborwelt werden [3].

Zusammenfassung
Die technischen Ansätze zur Gestaltung von Laboratorien reichen heute von der Arbeitsplatzgestaltung bis hin zur Strukturierung vollständiger Laborflächen. Das vorgestellte Projekt basiert auf einem multifunktionalen Trennwandsystem, der „MultiLabwand", welches reversibel montiert wird und gute arbeitsergonomische Möglichkeiten bietet. Die späteren Umgestaltungskosten und Umbauzeiten verringern sich signifikant im Vergleich zum herkömmlichen Ansatz mit Trockenwand und Energiezelle.

Die primär eingesetzte, bzw. angedachte Technik des Labors dominiert stets die Variablen Zeit und Kosten für Gestaltung und Umgestaltung.

Quellenverweise
Die Daten und Bilder zum konkreten Projekt Universität Amsterdam sind dem Beitrag Dr. Peter I. Blok und Gerjan Trommelen: Das flexible Labor in der Praxis Nutzung und Anpassung, Symposium Fa. Waldner Isny Oktober 2011, entnommen - das Einverständnis der Autoren liegt vor

Literatur
[1] Richter, G.: Standardlabors - wegwerfen oder nicht. Beitrag zur Laborrunde, Berlin (2006)
[2] Zimmermann, M.: Wie flexibel kann TGA-Planung sein? Beitrag zur Laborrunde, Berlin 2011)
[3] Richter, G.: Trends in der Laborausstattung, Beitrag im Sonderheft Forschungs- und Laborbauten 2013, Ernst& Sohn, Berlin (2013)

 

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