03.07.2018
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Hormonzusatz hinterlässt Spuren

Veränderte Genexpression betrifft auch die nächste Generation

  • Schweine reagieren empfindlich auf erhöhte Dosen von hormonaktiven Substanzen. Bild: xyno/iStockphoto.Schweine reagieren empfindlich auf erhöhte Dosen von hormonaktiven Substanzen. Bild: xyno/iStockphoto.

Chemikalien wie Bisphenol A oder Phtalate, die als Weichmacher in Kunststoffen eingesetzt werden, stehen möglicherweise in Zusammenhang mit der zunehmenden Unfruchtbarkeit von Männern und Frauen. In einem Versuch mit Schweinen konnten Forscherinnen der ETH Zürich und der Technischen Universität München nun erstmals nachweisen, dass schon die Gabe von äußerst geringen Mengen eines hormonaktiven Stoffes nicht nur zu epigenetischen Veränderungen des Erbguts von Muttersauen führen kann. Auch die zeitgleich betroffenen Embryonen trugen solche Veränderungen, die selbst bei erwachsenen Nachkommen noch nachweisbar waren.

Die Wissenschaftlerinnen verabreichten den Muttertieren über das tägliche Futter unterschiedliche Dosierungen von 17-beta-Östradiol, einem natürlichen Östrogen, und simulierten damit die Aufnahme hormonaktiver Substanzen über das Trinkwasser oder die Nahrung. Die tiefste Dosierung entsprach dem Äquivalent der für den Menschen erlaubten Tagesdosis. Danach untersuchten sie die Genexpression sowie die epigenetischen Veränderungen in verschiedenen Geweben der Muttersauen sowie in der Nachfolgegeneration.

Die Wissenschaftlerinnen wurden fündig: Von 57 Genen, die mit Östradiol in Bezug stehen, veränderte Östradiol je nach Dosis gewebespezifisch die Expression von rund zwei Dutzend die untersuchten Gene. Diese gehören mehrheitlich zu solchen, die den Zellzyklus steuern oder das Wachstum von Tumoren unterdrücken.

Die gefundenen epigenetischen Veränderungen zeigten laut Susanne Ulbrich, Professorin für Tierphysiologie an der ETH Zürich, eindeutig an, dass eine Exposition mit einer hormonaktiven Substanz stattgefunden habe, und zwar schon in kleinsten Mengen. Daher geht die Expertin davon aus, dass die bisherigen Grenzwerte hormonaktiver Substanzen zu hoch angesetzt sind. Welche langfristigen Auswirkungen die epigenetischen Veränderungen haben und ob ein Zusammenwirken vieler hormonaktiver Substanzen, denen der Mensch täglich ausgesetzt ist, die Situation verschärft, ist derzeit offen.

Originalveröffentlichung:

Van der Weijden VA, Flöter VL, Ulbrich SE: Gestational oral low-dose estradiol-17β induces altered DNA methylation of CDKN2D and PSAT1 in embryos and adult offspring, Scientific Reports (2018); DOI:10.1038/s41598-018-25831-9.

Weitere Informationen:

https://www.ethz.ch

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